Insel Ägina: Der Tempel der Aphaia – Heimat der Giebelfiguren der Glyptothek in München


Ein perfektes Foto an einem einzigartigen Ort. Glücksgefühle beim Aphaia-Tempel.

Ein perfektes Foto an einem einzigartigen Ort. Moni’s Glücksgefühle beim Aphaia-Tempel auf Ägina.

Die Glyptothek in München hütet einen der größten Schätze der Stadt: Die Ägineten. Die beiden Giebelgruppen sind ein einzigartiges Werk altgriechischer Skulptur. Und so genießen wir immer wieder diese Schöpfung der Feinheit und Vollendung, beinahe vor unserer Haustüre. Seit langem hegten wir den Wunsch einmal nach Ägina zu reisen und dort das Heiligtum der Aphaia zu besuchen.

Die wertvollen Figuren des Tempels, erwarb König Ludwig I. mit seinem Privatvermögen im Jahr 1813, als wichtigste Schaustücke seiner Sammlung für die neuerbaute Glyptothek am Königsplatz. Für mich gehören sie zu den schönsten Sammlungen in Deutschland.

Im März 2014 verbrachten wir mehrere Tage in Athen. Wir haben im guten, günstigen und sehr sauberen Hotel Plaka in der Plaka, nur wenige Meter vom Syntagma Platz und dem Einkaufsviertel entfernt gewohnt. Ein Tagesausflug auf die Insel Ägina stand ganz oben auf unseren Besichtigungsplänen. Die gebirgige Insel liegt im Saronischen Golf zwischen Attika und der Peloponnes und zählt übrigens zu den aktiven Vulkanen des ägäischen Inselbogens.


Die Geschichte der Insel Ägina

In archaischer Zeit stieg die Insel Ägina zu einer der bedeutendsten Handelsmächte Griechenlands auf. Ihre Blütezeit hatte es um 650 v. Chr. Damals prägte die Stadt Ägina als erste griechische Stadt Münzen, und erreichte als Handelsplatz großen Reichtum.

Als im 5. Jdh. v. Chr. der Krieg gegen Persien ausbrach stellte sich Ägina, wegen Rivalitäten mit Athen, auf die Seite der Perser. Nachdem Athen von den Persern besetzt wurde, stellte sich Ägina, bei der Entscheidungsschlacht vor Salamis, auf die Seite der Allianz der Griechen. Aufgrund seiner Seeerfahrung trug es nicht unwesentlich zum Sieg über die Perser bei.

Dennoch überfiel Athen, um 460 v. Chr. die Flotte Äginas und zwang die Insel zur Kapitulation. Ägina musste hohe Tribute an Athen zahlen. Mit Beginn des Peloponnesischen Krieges ab 431 v. Chr. wurden die meisten Einwohner vertrieben und durch Kolonisten aus Attika ersetzt. Die ursprünglichen Bewohner konnten nach Ende des Krieges zurückkehren, Ägina erlangte aber nie mehr seine alte Bedeutung.

Über Piräus, mit der Fähre nach Ägina

Die Insel Ägina liegt nur knapp zwanzig Kilometer vom Hafen Piräus entfernt. Bei klarem Wetter ist sie von Athen aus sehr gut zu sehen. Problemlos ist die Anreise mit der M/F Agios Nektarios Aiginas (Anes-Lines) mit der Fähre hinüber zur hübschen Inselhauptstadt Ägina, die an ihrer Hafenpromenade fast am schönsten ist. Dazu die bunten, angetäuten Fischerboote und die mit Gemüse und Früchten beladenen Frachtkähne – sehr romantisch und malerisch.


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Uns steckt noch das kühle Märzwetter aus München in den Knochen, hier ist es Frühling und schon frühsommerlich warm. Das Wetter ist mild, belebend, sonnig. Am liebsten hätte ich mich in einen Schmetterling verwandelt und wäre zu einer der unzähligen Blüten geflogen! Die ersten mutigen Einheimischen baden schon im noch kühlen Meer.

Dem Massentourismus ist es erfreulicherweise nie gelungen, die Ägina in Beschlag zu nehmen. Wer Griechenland kennt, wird feststellen, dass es im Gegensatz zu anderen Inseln, nicht auf die Erwartungen bestimmter Touristen „getrimmt“ worden ist. Hier sind es die Griechen selbst, die über das Wochenende gerne die Insel besuchen.

Der Aphaia-Tempel: Kultplatz einer kretischen Göttin

Unser Ziel ist der Aphaia-Tempel, er liegt nur wenige Kilometer östlich von der Inselhauptstadt Ägina entfernt, wir nehmen uns ein Taxi dorthin. Der freundliche Taxifahrer erzählt uns unterwegs die uralte Geschichte der Aphaia:

„Die Göttin Aphaia wurde nur auf meiner Heimatinsel verehrt. Sie stammt ursprünglich aus Kreta. Dort stellte ihr ständig König Minos nach, deshalb floh sie vor ihm hierher nach Ägina. Zu Beginn versteckte sich Aphaia in einer Höhle, einsam auf einem Berg gelegen. Es entstand ein Naturheiligtum, Jahrhunderte später wurde oberhalb der Höhle der erste Aphaia-Tempel erbaut.“ Seine Erzählung stimmt uns wunderbar auf unser Ziel ein.

Überall auf den Feldterrassen wachsen Pistazienbäume, sie gedeihen hier besonders gut und sind eine wesentliche Einnahmequelle der Einheimischen. Die Landschaft ist frisches helles frühlingsgrün getaucht. Es ist ruhig und ländlich, kaum Verkehr. Ein paar Bauern sind auf den Feldern oder in ihren Pistazien-Plantagen beschäftigt. Katzen dösen in windgeschützten Ecken in der warmen Frühlingssonne. Hausfrauen pflegen ihre Blumenpracht in den Gärten.

Dann sind wir da! Hoch auf einem bewaldeten Bergrücken, in idyllischer Landschaft, mit Aussicht auf das Meer, liegt das Heiligtum. Der Blick schweift hinüber nach Attika, im Dunst liegen Piräus, Athen und die kleineren Nachbarinseln. Ein frischer Wind begrüßt uns hier oben, so wird der gefürchtete griechische Hitzestau vermieden. Immer wieder staunen wir über die geniale Platzwahl der Griechen für ihre Heiligtümer. Wir sind die einzigen Besucher, so kommen wir völlig ungestört der alten Göttin wieder ganz nah und sind dem Zauber Griechenlands erneut völlig erlegen.

Der Tempel wirkt immer noch prächtig und erhaben. Selbst als Ruine ist er eindrucksvoll. Die dorischen Säulen sind noch sehr gut erhalten. Auch die zweistöckige Säulenstellung ist gut zu erkennen. Ein riesiger Opferaltar, fast genauso breit wie der Tempel, ist in seiner Basis vor der Front gut erkennbar. Andächtig schweigend, umkreisen wir mehrmals das Heiligtum. Ein Falke zieht seine Kreise über uns. „Ob es Aphaia ist, die nach dem rechten sieht?“


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Das Museum beim Aphaia-Tempel auf Ägina

Vor dem kleinen Museum sitzt der Wärter auf einem windschiefen Stuhl in der Frühlingsonne und beobachtet uns. Beim Betrachten der Gips-Aphaia im Museum bekommen wir dann doch ein schlechtes Gewissen. Komisch, hier in Griechenland „nur“ die Abdrücke zu sehen und in München stehen die wunderschönen Originale. Dennoch, wer weiß was aus den Figuren geworden wäre. Immerhin regierten 1813 noch die Osmanen in Griechenland – Denkmalschutz war damals noch nicht bekannt.

Atemberaubend schön blühen jetzt im März natürlich überall die Wildblumen in verschwenderischer Pracht. Klack, klack, klack – meine Kamera ist im Dauereinsatz. In jeder noch so kleinen Ritze des Tempels finden sich die kleinen, duftenden und farbenprächtigen Schönheiten. Besonders die Kombination: Blick aufs blaue Meer und die Wiesen voller Blumen waren unschlagbar. Ein wahrhaft göttlicher Platz!

Taverneneinkehr in Ägina-Stadt

In der Taverne beim Tempelgelände genießen wir noch ein wenig die wunderbare Aussicht auf die unter uns liegende Landschaft und das Meer, ein Taxi fährt uns wieder zurück zum Hafen.

Nach so viel antiker Erhabenheit ist es nun wieder Zeit für die Gegenwart. Hinein in eine freundliche Fischtaverne, mit Blick auf den Strand. Eiskaltes Mythos-Bier, griechischer Salat, ein Schwertfisch-Souflaki dazu – und die Welt ist wieder „Kala!“ Die Tavernen-Katze ist ebenfalls begeistert, mit riesigen Augen und lautstark miauend teilt sie uns mit „Ella! Ich warte auf Häppchen!“

Rückfahrt nach Piräus

Vor der Rückfahrt mit der Fähre Agios Nektarios wird das hochinteressante, Fährenspektakel geboten. Gleich nach dem Anlegen geht es hektisch zu, es wird ein- und ausgeladen. Nonnen warten unruhig, vor ihrem altem Pickup, auf ihre von Athen angereisende Mitschwester. Ein Ehepaar möchte ihren Kleinwagen mehrere Paletten Küchenrollen einladen, aber die Fracht will nicht so recht in’s Auto passen.

Ein ehrwürdiger Pope entsteigt, eilig und lauthals mit dem Handy telefonierend, dem geöffneten Schlund des Schiffes. Die Fähre legt ab und gemütlich schaukeln wir im Sonnenuntergang heim nach Piräus, nehmen dort die Metro zurück zum Monastiraki-Platz … und freuen uns nun doch auf eine Dusche und unser weiches Hotelbett.


Fazit

Ägina ist ganz sicher eine Reise wert. Bestimmt werden wir hier einmal einen Urlaub verbringen, allerdings in der Vor- bzw. Nachsaison. Im Sommer ist Ägina beihnahe ein Vorort Athens. Die Lage der Insel, in der Mitte des saronischen Golfs, und südlich der Argolis auf der Peloponnes, ermöglichen zahlreiche interessante Ausflugsmöglichkeiten.

Es gibt gute und schnelle Verbindungen zu den anderen Inseln Poros, Hydra und Spetses. Auch Methana, Ermioni, Porto Cheli und Tolon und Nafplio sind mit Linienschiffen von Ägina gut zu erreichen. Das Klima ist mild und es gibt wenig Niederschläge. Malerische Buchten und schöne Sand- und Kieselstrände mit kristallklarem Wasser finden sich unterhalb des Aphaia-Tempels.

Weitere Überreste aus der Antike gibt es im Hauptort Ägina:

  • Grabung Aigina-Kolona mit Museum: Prähistorische Siedlung mit mächtiger Umfassungsmauer und einem Apollon-Heiligtum mit Säule.
  • Auf dem Gipfel des Berges Oros befinden sich Reste einer mykenischen Stadtanlage und ein Zeusheiligtum.

Mehr Info – Insel Ägina
  • Reiseführer-Empfehlung: DuMont, Kunstreiseführer, Griechisches Festland
  • Matt Barrett’s-Guide to Aegina: Gut gemachter privater Online-Reiseführer vom Griechenlandkenner Matt Barrett. Seine Tipps beruhen auf seinen eigenen Erfahrungen und waren für unsere Athen-Reise waren sehr wertvoll, ob Hotel oder Ausgehen – alles genauso wie von Matt beschrieben! www.greektravel.com
  • Umfangreicher Online-Guide über Ägina (englisch) www.aeginagreece.com
  • Informationen über Ägina mit tagesaktuellem Fahrplan der Fähren nach Ägina (englisch) www.visitgreece.gr

Video von Ägina, von Jannis Zafeiris


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3 Kommentare:

  1. „und südlich der Argolis auf der Peloponnes, ermöglichen zahlreiche interessante Ausflugsmöglichkeiten. “
    Es muss wohl nördlich heißen.
    MfG
    Raiwer

    • Hallo Raiwer,

      die Insel Aegina liegt nach meiner Ansicht schon etwas südlich von der Region Argolis auf der Peloponnes. Wenn wir es ganz genau nehmen, liegt die Argolis von Aegina gesehen im Westen des Saronischen Golfs. Ich denke ich kann die Angabe auf meinem Reisebericht so belassen. Trotzdem vielen Dank für den Hinweis. Viele Grüße, Monika

  2. Hallo Monika,
    es gibt leider derzeit keine direkte Fährverbindungen von Aegina nach Hydra, Ermioni, Spetses und Porto Heli. Da muss man nach Piräus zurück, denn die Flying Dolphins und Cats nach Spetses und Co. halten in Aegina nicht.
    Weiter westlich bzw. südlich kommt man nur nach Methana und Poros.

    Katharina

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