Meteora: Pilgerweg durch eine mystische Landschaft in Nordgriechenland


Meteora: Das Kloster Rousánou wird heute von Nonnen bewohnt. Es wurde im Jahre 1388 gegründet. Meteora Thessalien Griechenland

Meteora: Das Kloster Rousánou wird heute von Nonnen bewohnt. Es wurde im Jahre 1388 gegründet.

Eine magische Anziehungskraft geht von der bizarren Landschaft von Meteora in Nordgriechenland aus. In diesem imposanten Felsengarten ragen bis zu 300 Meter hohe Sandsteintürme über der weiten thessalischen Ebene in den Himmel. Gekrönt werden die Felssäulen von byzantinischen Klöstern, von denen heute noch sechs bewohnt sind und für Besucher offen stehen. Im Sommerhalbjahr sind sie jedoch täglich Ziel Dutzender Ausflugsbusse und Hunderter Auto- und Wohnmobilreisender.

Nachdem wir unsere Besichtigungen der Klöster abgeschlossen hatten, wollen wir dem täglichen touristischen Trubel an den Klöstern entfliehen. Die sagenhafte Natur um Meteora möchten wir selbst erleben und haben uns für eine Wanderung durch die unberührte Landschaft entschieden.

Start der Wanderung um Meteora: Das Dorf Kastraki

Zu Füßen der Meteora-Felsen liegt das Dorf Kastraki. Der historische Dorfkern mit schönen alten Steinhäusern, die mit viel Liebe zum Detail und Respekt zur Tradition restauriert wurden, steht unter Denkmalschutz. Kastraki ist ein idealer Ausgangspunkt für kleinere Spaziergänge oder längere Wanderungen. Hier soll auch unsere Wanderung beginnen, sie führt zunächst unterhalb des Klosters Agios Nikolaos Anapafsas vorbei.

Der Pfad führt direkt zu einer Steinkapelle. Dann geht es westlich der Felsennadeln weiter in Richtung des verlassenen Klosters Ypapanti. Danach sollte der Weg in einem Bogen zurück zur Fahrstraße, nahe dem Kloster Megalo Meteoro und dem Kloster Varlaam, direkt zurück zum Ausgangspunkt nach Kastraki führen. So viel sei an dieser Stelle schon verraten: Unsere Begegnungen und Erfahrungen dieses Tages werden uns noch lange in eindrucksvoller und amüsanter Erinnerung bleiben.

Malerisch begleiten uns lichte Ahorn- Buchen- und Eichenwälder. Im Gebüsch rascheln immer einmal wieder Landschildkröten. Einige riesige Greifvögel kreisen über uns. Später finden wir direkt am Weg einen großen ausgehöhlten Schildkrötenpanzer. Es sind also doch Geier! Unvorsichtige Landschildkröten trägt der Bartgeier hoch in die Luft und lässt sie dann aus großer Höhe fallen. Diese Greifvögel haben eine imposante Spannweite von etwa drei Metern. Sie brüten hier in den Felsen und in den nördlich gelegenen Bergen.


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Auf den Gipfeln des Pindos liegt noch Schnee

Wir kommen an einer Viehweide mit friedlich grasenden Kühen vorbei. Mistkäfer nutzen diese „Quelle“ und rollen flink ihre „Pillen“ davon. Die dunklen Gesellen sind recht groß, etwa 4 cm lang. Sie lassen sich von uns in ihrem Werk nicht stören. Violette Glockenblumen blühen auf bemoosten Felsen.

Eidechsen räkeln sich träge in der warmen Frühlingssonne. Die noch schneebedeckten Gipfel des Pindos-Gebirges erheben sich im Westen und geben einen fantastischen Hintergrund zur beeindruckenden Felsenkulisse. Unterwegs ist hier niemand, kein Wanderer weit und breit, wir sind allein aber keinesfalls einsam. Hier ist Meteora wieder eine mystische und einsame Landschaft, an Schönheit kaum zu übertreffen.

Dicke Eichenäste liegen im Wald, die wir sofort zu unseren Wanderstöcken erklären. Wird es doch eine kleine Pilgerreise? Jetzt erreichen den höchsten Punkt der Wanderung und gönnen uns eine Pause. Wir lassen die wohl beeindruckendste Felskulisse Griechenlands in Ruhe auf uns wirken. Der Proviant ist bald verspeist. An einer Quelle können wir unsere Wasservorräte auffüllen. Nur die Markierungen des Wanderwegs haben wir schon länger nicht mehr gesehen.


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Anfängerfehler: Neue Wanderstiefel

Wir beginnen den sanften weglosen Abstieg über Wiesen, bis fast zur Fahrstraße hinunter, aber es ist ab einem Punkt einfach kein Weiterkommen mehr möglich, die Felsen sind zu steil zum weitergehen. Schade! Also den Weg wieder hinauf. Wir müssen die längere Schleife entlang der Fahrstraße weitergehen, unterhalb des Klosters Rousanou vorbei.

Nun macht sich ein Anfängerfehler bei mir bemerkbar: Kurz vor der Reise habe ich mir neue Wanderstiefel gekauft. Das rächt sich jetzt. Die ersten Druckstellen sind bereits sichtbar, später werden dann Blasen daraus und lassen die wunderschöne Wanderung unangenehm werden.

Harte Asphaltstraßen, erzählte mir einmal jemand, seien das richtige für einen Pilger, denn ein Pilger müsse leiden. Das hatte wohl seine Berechtigung bei den Buß- und Strafwallfahrten des Mittelalters. Auf den Stock, der ja geradezu zu einem Symbol des Pilgers geworden ist, sollte man auch dann nicht verzichten, wenn man ihn wegen seiner Jugend für überflüssig hält. Vielerorts werden die Pilger als „heilige Menschen“ anerkannt und mit guten Wünschen und manchmal mit Speisen beschenkt.

Wie aus Wanderanfängern echte Pilger wurden

Mittlerweile ist es schon spät geworden, wir wandern nun doch ein wenig erschöpft, im milden Abendlicht weiter. Die wenigen Autos, die uns noch entgegenkommen, fahren plötzlich ganz langsam an uns vorbei. Die Griechen im Wagen bekreuzigen sich ehrfürchtig, murmeln etwas, kurbeln die Fenster herunter: „Was haben die Leute denn in den Autos?“

Humpelnd und wohl auffällig auf den Stock gestützt ging ich am Straßenrand an den Neugierigen vorbei. Mein Gesichtsausdruck wird wohl auch ein wenig gequält gewesen sein. Unsere Schildkappen sind zu Pilgerhüte geworden, unsere Wanderrucksäcke zu Pilgertaschen. Die Einheimischen haben uns wirklich für echte Meteora-Pilger gehalten!

So sind wir freiwillig oder unfreiwillig zu Pilgern geworden – das wird niemand erklären können. Dem Unterwegssein kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Denn wenn wer einmal zu Fuß durch die steilen Felsen von Meteora geht, seinen Blick auf das Pindos Gebirge und die thessalische Ebene schweifen lässt, kann die Mönche verstehen, warum sie diesen außergewöhnlichen Ort gewählt haben.


Das Video wurde mit einem Aktion-Camcorder GoPro3 und einem Multicopter erstellt!

Meteora from TKYSSTD on Vimeo.

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Ein Kommentar:

  1. kokkinos vrachos

    Kalimera, einfach nur beeindruckend diese wunderschöne Landschaft.

    gruß kv

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