Ostkreta: Chandras-Hochebene – Ausflug in das Herz der Region


Ostkreta: Chandras-Hochebene – Ausflug in das Herz der Region -Üppiges Grün in der frühlingshaften Hochebene von Chandras. Ein Brunnen versorgt die Weingärten mit Wasser.

In der frühlingshaft grünen Hochebene von Chandras versorgen Brunnen
die Felder Weingärten und Weiden mit Wasser.

Der Besuch der fruchtbaren Chandras-Hochebene auf Kreta ist besonders im Frühling ein lohnender Ausflug. In der Mitte Ostkretas liegt die traditionell gebliebene Chandras-Hochebene, auf etwa 600 Meter Höhe. Ein weiterer Besichtigungspunkt sind die Ausgrabungen der antiken Stadt Praisos aus nachminoischer Zeit.

Zentrum der Hochebene: Das Dorf Chandras

Das Dorf Chandras wird von gepflegten Weingärten, Obstbäumen und Olivenhainen umgeben. Die Region ist das Zentrum des Sultaninen-Anbaus und der Knotenpunkt der Hochebene. Es ist ein ruhiges, gemütliches Dorf mit alten blumengeschmückten Steinhäusern und einer großen Kirche. In der Mitte liegt ein netter Dorfplatz mit Taverne und kleinen Brunnen. Im Dorfladen kaufen wir Brot und andere Kleinigkeiten.

Wir setzen uns in die Taverne, bestellen Frappé. Zuvor werden wir herzlich begrüßt und dann neugierig beobachtet. Auch von den Frauen gegenüber im Kafenion. Kurz danach kommt die Besitzerin des Dorfladens über die Platia an unseren Tisch und schenkt uns Kalitsounia. Das sind kleine süße Käsekuchen die mit Zimt bestreut werden. „Sie schmecken hervorragend zum Kaffee“ sagt die freundliche Kreterin. Wir sind gerührt über soviel Freundlichkeit.

Das Ruinendorf Voila

Nördlich vom Dorf Chandras liegen an einem Felshang die Ruinen eines verlassenen Dorfes. Es handelt sich um Voila, dem ehemaligen Sitz einer venezianischen Adelsfamilie. Alles dominierend ist der Wohn- und Wehrturm aus dieser Zeit. Die Dorfkirche Agios Georgios hat eine schöne Wandmalerei zu bieten, auf der über einem mittelalterlichen Grab Maria mit dem Jesuskind zu sehen ist. Auch der schön eingefasste Brunnen an der Südseite des Dorfes ist einen Besuch wert.


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Geheimnisvolle Vergangenheit: Das Dorf Sitanos

Das urtümliche Dorf Sitanos liegt ein paar Kilometer von der Chandras-Hochebene entfernt. Es zieht sich malerisch an einem steilen Felshang hinauf. Das Kafenia ist leider geschlossen, wirkt aber sehr gepflegt und einladend.

Einige alte Frauen sind unterwegs um ihre Hühner zu füttern und Feuerholz für die Küche zu holen. Bauern arbeiten in ihren Weingärten. Ein paar Hunde bellen, ein Hahn kräht und es duftet nach Holzfeuern aus den Häusern. Ein munterer Bach sprudelt unterhalb von Sitanos vorbei. Bunt bepflanzte Blumentöpfe schmücken die Wohnhäuser. Ziegen grasen zufrieden in den üppig grünen Wiesen vor dem Dorf.

Die Sitaner erzählen, dass sie Nachfahren von Einwohnern der antiken Stadt Itanos sind. Sie wären ab dem 8. Jhd. n. Chr. von dort geflüchtet, als starke Erdbeben und ständige Piratenüberfälle dort ein Weiterleben unmöglich gemacht hatte. Sie fanden hier Zuflucht und nannten ihre neue Heimat Sitanos, abgeleitet vom verlorenen Itanos. Wissenschaftliche Untersuchungen können diese Erzählungen bisher nicht gänzlich bestätigen.


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Praisos: Bergstadt der Eteokreter

Praisos war die neue Heimat der Eteokreter, der Nachfahren der Minoer. Nach dem Einfall der Festlandsgriechen in Mittelkreta hatten sie sich auf drei Hügel in dieser Gegend zurückgezogen. Auf einer Fläche von zehn Hektar erbauten sie ihre neue Hauptstadt und pflegten die minoische Kultur weiter. Noch bis ins 3. Jhd. v. Chr. wurde hier minoisch gesprochen.

Ausgrabungen erbrachten Reste einer alten und einer neueren Stadt, mit Tontafeln in minoischen und griechischen Schriftzeichen, die eine wertvolle Hilfe für die Entzifferung der minoischen Sprache darstellen. Die Stadt war seit dem 12. Jhd. v. Chr. bis in hellenistische Zeit bewohnt.

Praisos herrschte über den Ostteil Kretas und hatte zwei Häfen: Etia an der Nordküste bei Sitia und Stiles an der Südküste. Archäologische Forschungen erbrachten Hinterlassenschaften von drei Akropolen, Tempeln, Häusern und Gräbern.


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Viel ist von den antiken Bauwerken nicht mehr zu sehen, denn es ist bisher nur sporadisch geforscht und gegraben worden. Der Abstecher hierher lohnt aber alleine wegen der panoramareichen Aussicht und der wunderbaren Natur, mit bunten Blumenteppichen zwischen den Mauerresten.

Von der höchsten Akropolis, hat man einen ungehinderten Blick auf Sitia, der ehemalige Hafen des antiken Praisos. Die Stadt stand in ständiger Fehde mit den beiden anderen mächtigen Städten des Ostens: Itanos und Ierapetra, weil alle drei Städte den Tempel des Zeus Dikteos bei Palekastro in ihren Machtbereich bringen wollten.

Zwar ging Praisos ein Bündnis mit Ierapetra ein, wurde aber 145 v. Chr. in einem Krieg mit Ierapetra zerstört und nie wieder aufgebaut. Seine Einwohner verließen die Ruinen und wanderten nach Etia, ihrem Hafen an der Nordküste ab.

Fazit

Der Besuch der Chandras-Hochebene und eine Rundtour durch die gebirgige und einsame Region im Hinterland von Sitia und Ierapetra, ist landschaftlich und geschichtlich betrachtet sehr lohnenswert. Besonders im Sommer ist die angenehme Kühle der Hochebene ein erfreulicher Kontrast zum Strandleben an der Küste.


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6 Kommentare:

  1. Sabine Kersten-Mutter

    Hallo Monika Hoffmann,

    danke für Deine schön geschriebenen Berichte und tollen Fotos!
    Wie ich schon geschrieben habe, Deine Seite habe ich auch im Kreta-Welt Forum verlinkt. Es gab schon viel positive Resonanz.
    Kleiner Ausflugstipp : falls ihr nach Kato Zakros kommt , könntet Ihr eine schöne kleine Wanderung zur Pelekitahöhle machen, hin und zurück dauerts ca. 2 1/2 Stunden. Wasser und Taschenlampe mitnehmen , es lohnt sich. Oder Wanderung durchs Tal der Toten und Besichtigung des Minoischen Palastes , aber wahrscheinlich kennt Ihr das schon .
    Herzliche Grüsse
    Sabine Kersten-Mutter

    • Hallo Sabine, vielen Dank für den Tipp mit der Pelekitahöhle – ich werde mal recherchieren. Leider ist das Netz hier nicht immer stabil, so dass ich leider momentan im Kreta-Welt-Forum nicht mitlesen kann. Unsere Artikel zu produzieren ist manchmal etwas „langwierig“. Viele Grüße, Monika

  2. kokkinos vrachos

    jassou Monika, was für ein toller und informativer Bericht über den Osten von Kreta.

    gruß, kv

  3. Deine Berichte und Fotos sind sehr gut und gefallen mir.Ich kenne im Osten
    von Kreta,die ganze Gegend von und um Palekastro .
    Wir haben im Jahr 2013 für 6 Wochen im Hionastudio vom Hotel
    Marina Village wohnen dürfen.Wenn Du Lust hast.kannst Du Bilder von
    mir, im Internet unter 14tage Wetter Palekastro von Zoover oder bei
    Trip avisor anschauen.Hanni21 das bin ich.MIr liegt sehr daran den Menschen
    auf Kreta zu helfen und mit den Fotos etwas zu bewirken.
    Ich weiß bloß nicht ob dieses auch wirklich gut ist.
    Weiterhin,viele Abenteuer und Erlebnisse auf Kreta.Adio R.Zielke
    NS.im neusten Reiseführer von Eberhardt Fohrer (Müllerverlag)sind auch Fotos von mir dabei.(ich habe eine minimale und billige Fotoausrüstung)
    Meine Frau und ich waren im November und Dezember in Palekastro.
    Was sich kaum ein Tourist vorstellen kann,sind die Stürme.Die muß man
    einfach miterlebt haben.!

    • Hallo,
      vielen lieben Dank für Deine nette Nachricht. Über positives Feedback freue ich mich immer besonders. Ich habe schon mal gestöbert auf der Zoover-Seite. Sind sehr gute Aufnahmen dabei und das Studio sieht auch niedlich aus. Und wenn im Fohrer-Reiseführer schon Fotos von Dir drin sind – Super! Nun, meine Fotoausrüstung ist ganz gut, mit der DSLR und den vier Objektiven bekomme ich immer gute Ergebnisse. Kreta sieht uns ganz sicher wieder, besonders der Osten gefällt uns seit langem sehr gut. Die Geschichte der Minoer inspiriert uns immer wieder erneut. Ach ja, Stürme auf Kreta kennen wir, speziell im Osten – auch Erdbeben. Ok, Winterstürme haben wir noch nicht erlebt. Ich frage mich immer wieder, wie das mit den geplanten Golfplätzen bei den Hotelprojekten nahe Itanos und dem kretischen Wind funktionieren soll.
      Schöne Grüße aus München, Monika

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