Ostkreta: Landurlaub im Bergdorf Kato Drys bei Sitia


Ostkreta: Landurlaub im Bergdorf Kato Drys bei Sitia - Kato Drys bei Sitia kato drys sitia kreta griechenland Das kretische Bergdorf Kato Drys bei Sitia liegt malerisch unter den Berggipfeln des Prinias und Plativola im Osten der griechischen Insel.

Ostkreta: Landurlaub im Bergdorf Kato Drys bei Sitia. Das kretische Bergdorf Kato Drys liegt malerisch unter den Berggipfeln des Prinias und Plativola im Osten der griechischen Insel.

Das kleine Bergdorf Kato Drys bei Sitia war für drei Wochen unser Standort in Ostkreta. Wir waren im Frühjahr, genauer gesagt im April hier – das ist unserer Meinung nach die schönste Jahreszeit. Schon bald war uns klar, Kato Drys wird einen eigenständigen und umfangreichen Platz auf unserem Reiseblog bekommen. Selten haben wir uns an einem Ort so wohl, ja heimatlich gefühlt wir hier. Warum? Das ist nicht so einfach zu beantworten.

Wir lieben das unverfälsche ländliche Kreta: Mit den freundlichen Dorfeinwohnern, unserem Hausbesitzer Klaus, dem hübschen Ferienhaus, der niedlichen Katzenfamilie oder war es die einmalige Fernsicht vom Dorf auf die Landschaft. Dies alles erzeugte bei uns offenbar einen Volltreffer und wir hatten schon nach kürzerster Zeit, als wir wieder zurück in Deutschland waren, Heimweh nach Ostkreta.


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Das Bergdorf Kato Drys bei Sitia

greece_crete_east_lasithi_sitia_piskokefalo_stravromeno_katodrys - Das kleine Bergdorf Kato Drys liegt etwa zehn Kilometer südlich von Piskokefalo an den Berghängen des Prinias.

Das kleine Bergdorf Kato Drys liegt etwa zehn Kilometer südlich von Piskokefalo an den Berghängen des Prinias. Der Panoramablick von Kato Drys reicht bis zum Meer und zur Hafenstadt Sitia hinunter.

Kato Drys liegt knapp zehn Kilometer südlich von Sitia, auf etwa vierhundert Meter Höhe, direkt an den Bergflanken des eindrucksvollen Prinias (802 Meter) und des Plativola (633 Meter) und wird dadurch gut vor den starken Ostwinden geschützt. Beim etwas tiefer gelegenen Dorf Zou gibt es das ganze Jahr über eine stark sprudelnde Quelle, die hübsch eingefasst und von großen Platanen umgeben ist.

Der Panoramablick von Kato Drys reicht bis zum Meer und zur Hafenstadt Sitia hinunter. Der Blick schweift weiter auf die Thriptiberge mit dem höchsten Gipfel Ostkretas, dem Afentis Stavromenos mit 1476 Metern. Wasserführende Bäche speisen, besonders im Frühjahr, die Terrassenfelder der Bauern und lassen alles üppig gedeihen. Im Sommer kommen die vielen großen und kleinen Zisternen zum Einsatz.

Die Menschen hier leben fast ausschließlich von der Landwirtschaft und betreiben eine Mischwirtschaft. Auf Terrassen werden überwiegend Oliven und Wein angebaut. Auf den kleinen Feldern an den Höfen wachsen Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte heran. Auch Hühner, Hasen, Schafe und Ziegen leben nahe der Wohnhäuser. Auswertungen von archäologischen Grabungsfunden bezeugen, dass diese Mischwirtschaft seit frühminoischer Zeit (2600 v. Chr.) auf Kreta betrieben wird.

Der Ortsname „Drys“ heißt übersetzt „Eiche“, somit wohnen wir im Dorf „Untere Eiche“. Kato Drys besitzt auch einen höher gelegenen Ortsteil – Epano Drys genannt. Dort steht die liebevoll gepflegte Dorfkirche Agios Georgios mit ihrem kleinem Friedhof. Mittlerweile sind die verstreut liegenden Bauernhäuser von Epano Drys nicht mehr bewohnt, sie wurden schon vor vielen Jahrzehnten verlassen, die Häuser sind leider allesamt Ruinen. Die Olivenhaine, Weinstöcke, Obstbäume und Zisternen werden jedoch noch immer gepflegt und genutzt.

Griechisch-Kurs: Kato/κάτω = unten, Epano/επάνω = oben.

Anfahrt nach Kato Drys
greece_crete_east_e75_n90_agios_nikolaos_to_sitia - Anfahrt nach Sitia und Kato Drys: Nach Pachia Ammos führt uns die gut ausgebaute Nationalstraße 90 kurvenreich, immer oberhalb vom Meer entlang, durch die Berge.

Anfahrt nach Sitia und Kato Drys: Nach Pachia Ammos führt uns die gut ausgebaute Nationalstraße 90 kurvenreich, immer oberhalb vom Meer entlang, durch die Berge.

Von Heraklion kommend folgen wir nach Osten der Europastraße 75 (E75)/Nationalstraße 90 (N90) Richtung Agios Nikolaos und Sitia. Die Strecke ist nur bis Chersonissos als Autobahn ausgebaut. Die Strecke von Heraklion bis nach Kato Drys sind rund 140 Kilometer. Für die Anfahrt sollten mindestens drei Stunden eingeplant werden.

Im Zentrum von Sitia folgen wir den Beschilderungen nach rechts Richtung Palkekastro/Zakros.  Wir folgen dieser Straße bis zu einer großen Kreuzung mit Ampel (dort ist ein großer Spar-Supermarkt „Chalkiadakis“ beschildert). Diese Kreuzung überqueren wir (dort sind keine Wegweiser!) und folgen der Hauptstraße Richtung Süden nach Piskokefalo.

Kurz vor dem Zentrum von Piskokefalo weisen Beschilderungen nach links Richtung Stavromenos/Karidi, diesen folgen wir. Die schmale Straße führt entlang von Gärten am Rand von Piskokefalo, dann teilweise in Kurven ordentlich bergauf, am Dorf Zou vorbei, hinauf nach Stravromenos. Wir folgen der Straße durch Stravromenos und erreichen „unser“ Dorf Kato Drys.

Hinweis: Die genaue Lage des Ferienhauses erfahrt ihr vom Eigentümer.


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Das Nachbardorf Stavromenos

Das größte Dorf in direkter Nachbarschaft ist Stavromenos, zu dessen Gemeindegebiet Epano/Kato Drys, Arniko, Zacharino, Myloi, Sfakakia, Zou und Sfakia gehören. Die ganze Dorfgemeinschaft zählt nur noch etwa 160 Einwohner. Auch Kato Drys hat nur noch sechs (!) ständige Einwohner.

Die Bergdörfer leiden alle unter der Abwanderung der jungen Generation in die Touristenzentren am Meer, denn ohne dem wachsenden Tourismus und dem Angebot an Arbeitsplätzen, wären viele Kreter zur Auswanderung gezwungen.

Im Zentrum von Stavromenos gibt es eine neue große Kirche und ein Dorfkafenion. Es soll auch einen kleinen Lebensmittelladen geben – wir haben ihn nicht entdecken können. Direkt an der Hauptstraße ist das Kafenion zu finden, in dem ausgezeichnete kretische Küche geboten wird. Eine Einkehr möchten wir unbedingt empfehlen. Auch eine schattige Terrasse mit schönen Blick auf Sitia und das Meer ist vorhanden.

Also, vielleicht nach ein bisschen Überwindung, einfach doch hineingehen. Es ist natürlich ein echtes Dorfkafenion, in dem sich abends überwiegend die Bauern treffen. Vorsicht, es kommen Riesenportionen – immer nur eine Portion bestellen. Nach der anfänglichen typisch kretischen Zurückhaltung, tauen die „Stavromener“ schnell auf. In der Ecke der mittlerweile überall übliche, riesige und meist laute Flachbild-Fernseher, auch das Rauchverbot wird eher als „‚Gebot“ missverstanden…


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Die minoische Villa von Zou

Dass wir uns in uraltem Siedlungsgebiet befinden belegen archäologische Funde und Ausgrabungen in der Umgebung von Sitia, die eine Besiedelung seit minoischer Zeit nachweisen. In unserem Nachbardorf Zou wurde 1955 beim Straßenbau ein großes Hanghaus aus mittelminoischer Zeit (1700 bis 1600 v. Chr.) entdeckt und ausgegraben.

Es besteht aus zwanzig großzügigen Räumen, auf fünf Ebenen: Wohnräume, Küche mit Herd, Werkstatt, Töpferofen, Lagerräume und Ställe. Das Gebäude hat eine hervorragende Sicht auf den gegenüberliegenden Prinias mit seinem Gipfelheiligtum. Die Existenz von weiteren Gebäuden in der Nähe legt nahe, dass hier ein Dorf existierte. Bewohnt war das Haus während ein oder zwei Generationen, es wurde durch ein schweres Erdbeben zerstört.

Das Gebäude, das wir heute sehen misst 31 Meter auf 23 Meter, was einer Fläche von über 700 Quadratmetern entspricht. Aber es war sicherlich sehr viel größer, da der unterste Teil des Hauses bei den Straßenbauarbeiten zerstört wurde. Das weitläufige Hanghaus war eher ein großer Gutshof als eine sogenannte „Villa“. Es profitierte genauso durch die nahegelegene ganzjährig wasserführende Quelle, wie die heutigen Dörfer in seiner direkten Umgebung. In der obersten Ebene wurde eine ummauerte Freifläche nachgewiesen, wahrscheinlich zum Halten von Schafen, Ziegen und Eseln.

Etwa 150 Meter unterhalb, in Richtung zum Flussbett, wurde Quadermauerwerk von einem weiteren minoischen Gebäude gefunden. Die dort entdeckten Scherben zeigen, dass das Gebäude im gleichen Zeitraum wie die „Villa“ erbaut wurde. Die Minoan Villa von Zou ist gut beschildert und ist über einen schmalen Pfad, etwas oberhalb der Hauptstraße von Sitia Richtung Katsidoni, kurz vor dem heutigen Dorf Zou zu finden.


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Das minoische Gipfelheiligtum auf dem Prinias

Die wunderschöne Landschaft des Priniasgipfels sieht seit minoischer Zeit unverändert aus.

Die wunderschöne Landschaft des Priniasgipfels sieht seit minoischer Zeit fast unverändert aus.

Etwas unterhalb des Gipfels des Prinias wurde 1965 ein Gipfelheiligtum aus mittelminoischer Zeit (2000 – 1700 v. Chr.) entdeckt. Ab den 70er-Jahren wurde es systematisch von Archäologen untersucht. Obwohl das Heiligtum bereits in der Antike ausgeraubt wurde, konnten umfangreiche Funde geborgen werden. Es muss in minoischer Zeit eines der wichtigsten Heiligtümer Ostkretas gewesen sein, denn der Prinias ist der höchste Berg der gesamten Region.

Die Anlage verläuft über drei Felsterrassen und weist keinerlei architektonische Gestaltung auf. Seine Strukturen bestehen ausschließlich aus natürlichen Felsformationen und liegen westlich des Gipfels an einer Stelle die Gallou to Skopeli genannt wird. Übrigens liegt unser Dorf Kato Drys an der Flanke des Prinias.

Seit 2013 werden weitere Untersuchungen durch das East Cretan Peak Sanctuary Project des Archäologischen Museums in Agios Nikolaos, an den wertvollen Funden vorgenommen. Es wurden kleine Tonstatuetten von Menschen, Rindern, Schafen und Ziegen, aber auch ungewöhnlichere wie Käfer, Wiesel und Katzen dort den Gipfelgöttern dargebracht. Ein besonders interessanter Fund ist ein Rython in Form eines Nashornkäfers.

Auch Ascheschichten konnten nachgewiesen werden, die auf Opferpraktiken hinweisen. Die Forscher stellten einen Heilkult auf dem Prinias fest, da unter den Tonmodellen verschiedene menschliche Körperteile als Votivgabe gefunden wurden. Zusätzlich gibt es große Mengen von ortfremden Kieselsteinen im Areal, die von den einzelnen Besuchern hier herauf zum Heiligtum gebracht worden sind. Um es deutlich von der es umgebenden Landschaft hervorzuheben wurden die Steine an bestimmten, von den Priestern vorgegebenen Stellen, abgelegt.

Weitere Infos zu minoischen Gipfelheiligtümern: minoer.net


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Unser Ferienhaus in Kato Drys

reise-zikaden.de, Johann Hoffmann, greece, crete, lasithi, sitia, piskokefalo, stravromenos, kato drys, house. - Im Garten des Ferienshauses wächst alles was das mediterrane Herz begehrt: Zitronen- Mandarinen- und Orangenbäume, Wollmispeln, Kletterrosen, Oliven und eine große Palme.

Im Garten des Ferienshauses wächst alles was das mediterrane Herz begehrt: Zitronen- Mandarinen- und Orangenbäume, Wollmispeln, Kletterrosen, Oliven und eine große Palme.

In unserem Ferienhaus in Kato Drys bei Sitia haben wir uns von Anfang an wie Zuhause gefühlt. Die Einrichtung ist zweckmäßig, es ist alles vorhanden für einen angenehmen und entspannten Urlaub ohne lästige „Hausarbeiten“. Vom Kühlschrank mit großem Gefrierfach, Spülmaschine und der gemeinsam genutzten Waschmaschine.

Ein zweites Ferienhaus liegt eine Terrasse höher, die Entfernung der Häuser zueinander ist angenehm, da auch der Garten weitläufig ist. Wäscheleinen sind zwischen den beiden Häusern zu finden. Das Mietauto kann unterhalb der Häuser an der Anliegerstraße abgestellt werden.

Dienstag und Donnerstags um sieben Uhr morgens fährt ein Linien-Kleinbus durch Kato Drys nach Sitia, dann sollte die schmale Straße nicht zu vollgeparkt sein. Ein kurzer Pfad führt jeweils zu den Häusern hinauf, er ist ein wenig steil und schmal. Wohnen im kretischen Bergdorf soll gut für die Fitness sein!

Wir hatten das kleinere Haus mit nur einem Schlafzimmer gemietet, es war für uns beide völlig ausreichend. Am Schlafzimmerfenster ist ein Moskitonetz, das ruhigen Schlaf garantiert. Hähne und Hunde sind allerdings ab Sonnenaufgang „aktiv“.

Anfangs waren wir über den Kaminofen im Haus dankbar, denn der Winter 2015 brachte für Kreta viel Regen und Schnee. Auch die Karwoche war zusätzlich mit Sturm und Dauerregen eher ungewöhnlich kühl. Tipp für Frühjahr- Herbst- oder Winterurlauber: Treibholz am Strand sammeln, es brennt sehr gut. Die dicken Olivenscheite brauchen Zeit bis sie zu brennen beginnen.

Im Garten wächst alles was das mediterrane Herz begehrt: Zitronen- Mandarinen- und Orangenbäume, Wollmispeln, Kletterrosen, Oliven und eine große Palme. Dazu entdeckten wir einen großen Rosmarinstrauch und im Olivenhain wilden Spargel und andere Wildkräuter. Bereits nach einigen warmen Tagen, haben sich die Bäume und Blumen am Haus über unser Gießwasser sehr gefreut.

Ein kleiner Brunnen aus dem auch die Katzen gerne trinken und ein Gartenschlauch machen die Gartenpflege unkompliziert. Wunderbar zum Sonnenbaden sind die bequemen Liegen auf der geräumigen Dachterrasse. Hinter dem Haus gibt es auch einen Dreibein-Holzkohlegrill, gleich neben den Holzbänken mit Esstisch. Die beiden Ferienhäuser sind die einzigen touristischen Einrichtungen in Kato Drys.

Die freundliche Nachbarin Maria kümmert sich um die Häuser, wenn der Besitzer nicht vor Ort ist. Maria wohnt auch in Kato Drys, links von der Dorfstraße. Wir treffen sie als sie im Nachbarhaus aufräumt und frisch gewaschene Handtücher auf die Wäscheleinen hängt. Ein längeres Gespräch können wir ihr nicht entlocken.


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Unser Lieblingsplatz und die Katzen

Zusätzlich konnten wir uns täglich an der freundlichen Gesellschaft einer Katzenfamilie erfreuen. Chefs waren die Katzendamen, die Kater waren „geduldet“. Auch drei kleine Kätzchen waren da, wurden von der hübschen Katzenmama gebracht und vorgezeigt. So haben wir einen wunderbaren Einblick in die Rangordungen und Rivalitäten einer Katzenfamilie bekommen, was wir sehr niedlich und entspannend fanden.

Die Katzendamen sind unaufdringlich und kommen nicht gleich in Haus hereinspaziert, die Kater sind sowieso sehr scheu. Da sind die „Jugendlichen“ noch etwas unerzogen. Futter wird natürlich, besonders von den Katzenkindern, sehr gerne genommen. Von außen beim Küchenfenster hineinzusehen und die Köchin (oder den Koch) am Herd zu beobachten, hatte für die Jung-Katzen offenbar etwas Magisches. Wenn wir von Ausflügen zurückkamen, wurden wir meist schon von einer Katze am Auto „abgeholt“ und zum Haus hinauf begleitet.

Unser absoluter Lieblingsplatz war die Terrasse direkt vor dem Haus, mit vorgelagerter breiter kniehoher Mauer. Übrigens ideal zum Beine hochlegen, nach einem langen Wandertag! Diese gemütliche, warme Mauer lieben auch die Katzen. Von hier genossen wir die wunderbare Aussicht auf Kato Drys und die dahinterliegenden Berge. Ich glaube, dass die Katzen nachts auf raschelnde Mäuse geachtet haben, denn meist blickten sie hochkonzentriert in die Dunkelheit. Sprangen plötzlich auf – und verschwanden.

Dennoch, was gibt es schöneres als abends bei einem kühlen Glas Wein, jeder eine schnurrende Katze auf dem Schoß, die Panorama-Aussicht auf sich wirken zu lassen? Kein Wunder, dass wir uns heimisch fühlten! Unsere täglichen Nachtgeräusche: Links rufen mehrere Waldkäuze, rechts plätschert der kleine Bach  – sonst war erholsame Stille und meist sternenklare Nacht. Den Fernseher haben wir nicht benützt: Draußen war Kato-Drys-TV!


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Lefteris – Meister des Weins und des Tresterbrands

Direkt unterhalb unserer geliebten Hausterrasse liegt eine Feld-Terrasse. Am Rand der Steinmauer wachsen Mandelbäume, ein kleiner Motorpflug steht im Feld. Diese Terrasse wird von unserem Nachbarn Lefteris bestellt, der hier Zwiebeln, Bohnen und Gemüse heranzieht.

Der Neunzigjährige wohnt alleine in seinem Hof rechts von unserem Ferienhaus, sein Sohn lebt in Frankreich und kommt lediglich zur Olivenernte im Winter heim. Das Leben im Alter im kretischen Bergdorf ist nicht leicht. Ab und an wandert Lefteris mit seinem Gehstock langsam durch den großen Garten zu einer weiteren Feld-Terrasse, die er zum Tomantenanbau benutzt. Die Terrasse liegt oberhalb vom benachbarten Ferienhaus.

Während unseres Aufenthalts ist auch der Besitzer der Ferienhäuser, Klaus Fischer, für mehrere Tage vor Ort. Einige der kleinen Geschichten, die wir hier aufschreiben, stammen von ihm. Von Klaus erfahren wir beispielsweise, dass Lefteris für seinen guten Landwein und selbstgebrannten Tsikoudia (Tresterbrand) bekannt und beliebt ist.

Einmal hatte ihm Klaus selbstgemachten Apfelwein aus Deutschland mitgebracht. Lefteris allerdings war davon nicht sehr angetan, denn er beförderte den Rest des Apfelweins in seinen Gemüsegarten. Später bekam Lefteri offenbar Zweifel, ob nun nicht sein liebevoll gepflegtes Gemüse eingehen würde.


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Ansoula und Michalis – Meister in Garten und Küche

Immer in Sichtweite, links von unserem Ferienhaus, liegt das Nachbar-Anwesen von Michalis und Ansoula. Die beiden sind einige der wenigen älteren, ständigen Einwohner im Dorf. Sie halten Hühner und einen aufmerksamen Hahn. Für den Hahn beginnt der Tag klassisch bei Sonnenaufgang – wir haben ihn nur in der ersten Urlaubswoche „gehört“, danach gewöhnten wir uns an ihn.

Auch ein noch junger Hund bewacht den Hof. Kaninchen werden ebenfalls gezüchtet. Ansoula soll eine ausgezeichnete Köchin sein. Wir beobachten sie auch manchmal abends auf ihrer Hausterrasse bei Handarbeiten. Auf den Feld-Terrassen werden ebenfalls Gemüse und Kartoffeln angebaut.

Michalis hat uns einmal einen kurzen Besuch am Haus abgestattet, um uns in Kato Drys zu begrüßen. Die Verständigung lief ganz gut, wir waren gerührt von so viel Freundlichkeit. Er fragte: „Ob uns die Aussicht auf die Berge gefallen würde. Aus welchem Land wir kämen. Und überhaupt spüre er deutlich, dass das Wetter bald wechseln würde.“

Nur keine Scheu vor freundlichen Kretern: Eine kurze kleine Unterhaltung ist immer möglich. Auch wenn wir nur ein bisschen griechisch verstehen und sprechen, funktioniert es meist sehr gut. Die ältere Generation in Kreta hat meist kein englisch erlernt. Manchmal ist ein wenig italienisch hilfreich. Es sind immer sehr freundliche Begegnungen – kleine Erlebnisse die dennoch lange in Erinnerung bleiben.

Vom baldigen Wetterwechsel berichtete uns Michalis nur wenige Tage vor einem Erdbeben der Stärke 6.1. Nach Angaben der Erdbebenbehörde in Athen, erschütterte es am 16. April 2015 um 20.07 Uhr Kreta. Das Epizentrum lag etwa sechzig Kilometer östlich von Kreta, nahe der Südspitze der Nachbarinsel Karpathos. Wir haben es sehr deutlich gespürt und wurden auch etwas unruhig. Ein eigenartiges Dröhnen war ebenfalls zu hören.

Obwohl Katzen bekanntlich Erdbeben lange vor uns Menschen spüren können, sind die Kato Dryser-Katzen offenbar abgehärtet. Sie blieben völlig entspannt und schlummerten einfach weiter. Es gab noch mehrere kleine Nachbeben in den folgenden Tagen, die uns dann ebenfalls nicht weiter beunruhigten.


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Wochenende in Kato Drys

Die meisten Häuser von Kato Drys bei Sitia sind nicht immer bewohnt, aber alle wurden liebevoll hergerichtet und renoviert. An den Wochenenden kommt Leben nach Kato Drys. Lediglich an den unbepflanzten Gärten sehen wir, dass einige Häuser nicht ständig bewohnt sind. Heute spielen Kinder am Bachbett, an der Straße, oder kreisen mit Fahrrädern durch die schmalen Gassen. In einem Haus steigt eine Party, laute griechische Popmusik dröhnt durch Kato Drys.

Die Hunde vom Dorf bellen beinahe im Takt dazu. Auch der noch kleine „Wachhund“ von Michalis stimmt sein Junghund-Wolfsheulen an. Wir sehen Klaus auf einer Dachterrasse mit jungen Griechen Wein trinken. Ja, Kato Drys war einst eine wunderschöne Heimat – als das Dorf noch voller Leben war. Auch heute ist das Dorf heimatlich, aber manchmal doch sehr still. Wie sich wohl Michalis, Ansoula, Lefteris oder Maria fühlen, wenn in den ehemaligen Häusern ihrer Nachbarn heute Urlauber aus Deutschland wohnen?


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Wanderung von Kato Drys nach Epano Drys

Eine empfehlenswerte Wanderung um das Bergdorf Kato Drys bei Sitia beginnt direkt am Ferienhaus. Wir nehmen zunächst die Dorfstraße durch Kato Drys, Richtung Katsidoni und Sitanos. Biegen am südlichen Dorfende in den Feldweg bergauf ein und folgen den Wegweisern Agios Georgios und erreichen nach etwa einer Stunde die ehemalige Dorf- und Friedhofskirche.

Auf den guten Feldwegen passieren wir die verstreuten Hausruinen von Epano Drys, die von ausgezeichnet gepflegten Olivenhainen im Terrassenanbau umgeben sind. Die Natur ist im April und Mai in voller Blüte. Teilweise sehen die von Pflanzenbewuchs überzogenen Felsen wie ein angelegter Steingarten aus. Zypressen und Obstbäume lockern die Landschaft auf. Frösche quaken und Libellen schwirren um die noch immer intakten und wassergefüllten Zisternen.

Die Kirche Agios Georgios von Epano Drys wirkt gepflegt. Alles ist frisch gestrichen. Im Innenraum hübsche Ikonen an denen kleine Blech-Votive hängen, Kerzenständer und ein paar Stühle. Wir können nicht den Eindruck gewinnen, dass sie nicht mehr besucht wird. Es war erst vor wenigen Wochen wurde das orthodoxe Osterfest gefeiert, davor werden besonders Kirchen geschmückt und herausgeputzt. Stoffblumen und vertrocknete Blumensträuße schmücken die etwas einsam wirkenden wenigen Gräber.

Als wir den steiler werdenden Weg weitergehen, erreichen wir die Baumgrenze für den Olivenanbau. Es überwiegen große Felsen, das Erdreich wird sehr steinig und gibt den Pflanzen nur wenig Wachstumsmöglichkeiten. Wilder Thymian und niedrige Ginsterpolster wachsen dennoch. Auch einige größere Bäume spenden Schatten, es bläst ein frischer Wind hier oben.

Wir kommen an einen Zaun mit Gatter. Aha, Schafe oder Ziegen? Dann sehen wir sie schon: Statuenähnlich steht eine Schafherde unter Felsüberhängen. „Jetzt schon im Frühjahr ist es euch zu heiß? Oder ist es die Macht der Gewohnheit?“ Die Schafe sind Wanderer nicht gewöhnt. Sie gucken uns überrascht an und galoppieren dann scheu davon. Ein paar verträumte Lämmer haben von den Fremden nichts mitbekommen und flitzen in die Sicherheit der Herde.

Mächtig erhebt sich direkt vor uns der höchste Gipfel der Region: Der imposante Prinias mit 802 Metern. Eigentlich stehen wir zwischen zwei Bergen auf einem Sattel oder Bergpass, rechts daneben ist der Gipfel des Plativola (633 Meter). Wo wohl in alten Zeiten der Weg zum Gipfelheiligtum hinaufging? Wir wissen es nicht.

Waren Epano und Kato Drys vielleicht einmal beliebte und vermögende Dörfer, so nahe an einem wichtigen Heiligtum der Minoer? Wir sehen unterhalb des Gipfels einen großen Höhleneingang – ist es vielleicht dort gewesen? Ein Hauch der vergangenen Jahrtausende streift uns.

Der Panoramablick in die Landschaft ist grandios. Die Würfelhäuser von Kato Drys sehen von hier oben aus wie Spielzeughäuschen. Bis hier herauf hören wir Ansoulas Hahn krähen. Gegenüber liegen die Thryptiberge, der gezackte Gipfel des Afentis Stavromenos ist von hier aus gut erkennbar. Die Bucht von Sitia und das Mittelmeer liegen wie gemalt unter uns.

Zurück gehen wir den gleichen Weg durch die Olivenhaine, allerdings haben wir einen Zugang von den Feldwegen direkt zu den Ferienhäusern entdeckt und können uns daher die Runde bis ganz hinunter nach Kato Drys sparen. So erreichen wir von der Rückseite den Garten und die Häuser – die Haus-Katzen erwarten uns bereits.


Unser Fazit

Wer einen Einblick in das Leben in einem kretischen Bergdorf gewinnen will, die schöne Natur und Wandern mag, sich für die Kultur der Minoer interessiert und nicht unbedingt im Strandhotel mit anderen Touristen Erholung sucht – der ist hier goldrichtig!


Wer seine Amazon-Buchbestellung über die Anzeige unten abwickelt, unterstützt uns ohne jeglichen Mehraufwand, um unsere laufenden Kosten für den Blog etwas abzudecken. Vielen Dank dafür.
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Tipps für die Reise nach Kato Drys bei Sitia

Das Ferienhaus in Kato Drys haben wir über ferienhausmiete.de gebucht. Es liegt in der Nähe von Piskokefalo, am Dorfrand von Kato Dris, etwa acht Kilometer von Sitia entfernt.

Den Leihwagen hatten wir bei Porto Crete Holidays in Sitia gemietet. Alles verlief völlig problemlos und professionell, den Wagen haben wir am Flughafen in Heraklion übernommen und dort am Ende wieder auf dem Parkplatz abgestellt. Einfach Preise per Mail anfragen. Website: portobelis-crete.gr

Generelle Infos über Sitia (englisch) auf der Website: www.sitia.gr


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9 Kommentare:

  1. kokkinos vrachos

    Hallo Monika, was für ein herrlicher Artikel und tolle Fotos. Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen: das unverfälschte ländliche Kreta, die Katzen, Rosmarinstrauch und Sauerklee, sich heimisch fühlen usw.

    Ich habe diesen Winter 2 Monate in einem kleinen kretischen Dorf (6-7 Einwohnern) verbracht. Ich habe mich sofort in das Haus und das Dorf verliebt.

    Ich freue mich jetzt schon auf den Herbst/Winter wieder in „meinem Dorf“ zu verbringen.

    vg aus Hamburg, kv

    • Hallo,
      es freut mich sehr, dass mein Artikel Dir gut gefällt und ist Ansporn für weitere „solcher“ Reisegeschichten. Das Heimweh nach unserem Dorf drückt immer noch ein wenig. Wären wir, so wie Du, zwei Monate geblieben hätte es wohl Tränen gegeben. Ja, es stimmt – in Griechenland und speziell Kreta fühlen wir uns unerklärlich-heimatlich. Genieße die Zeit in Deinem kleinen Paradies!
      Viele Grüße, Monika

  2. Kompliment und vielen Dank für Deine Geschichten, Erlebnisse, Tipps, die Du mit uns teilst!
    Kannst Du mir bitte einen Hinweis geben, wie ich „Euer“ Ferienhaus unter dem folgenden Link finde…ich wurde leider nicht fündig.
    http://www.fewo-direkt.de/ferienwohnung-ferienhaus/p47631

  3. Danke für den Link, Deine Mühe Monika!
    Wir sind erst das 2. Mal auf Kreta und das 1. Mal im Osten. Ich bin am Planen für unseren Urlaub, diesen Herbst, habe von diesen 3 Wochen, noch 10 Tage zur Verfügung und bin in Mirtos. Nun bin ich mir nicht sicher, wie ich diese restlichen Tage gestalten soll, bzw. wo wir unsere Unterkunft beziehen sollen. Ob Zentral gelegen wie Ihr, in den Bergen, also bei den Katzen in Kato Dris ;-)was uns sehr gefallen würde und von dort her auf Erkundungen gehen, oder ob es für diese paar wenigen Tage nicht sinnvoller wäre, Unterkünfte zu beziehen an verschiedenen Orten, z.B. auch in Palaikastro für den nördlichen Teil, Kato Zakros für den östlichen und südlichen Teil. Dann evtl. noch in Mochlos um auch einen Ausflug in die Touristenmetropole Ag. Nikolaos zu unternehmen. Tja dann sind die Tage leider schon vorbei und es geht zurück nach Iraklion an den Flughafen….. Falls Du mir einen Tip hast, ich bin ganz Ohr 😉 Gruss Armand

    • Hallo nochmal,
      nun das mit den Unterkünften und dem vielen Wechseln der Wohnungen ist nicht so unser Ding. Da wir meist Häuser oder Apartments haben, ist natürlich auch der Kühlschrank gefüllt 🙂 und so ist das mit dem „Haushalt“ dann beim Umzug schwierig. Wir persönlich sind lieber länger an einem Ort und machen von dort aus die Touren. Klar – von Kato Drys nach Xerokampos ist schon ein gutes Stück zu fahren, macht uns aber nichts aus. Wir haben die Nähe zur gemütlichen Stadt Sitia sehr genossen. Auch Palaikastro ist sicherlich ein guter Ausgangspunkt zum Erkunden des Ostens, dort sind auch viele Unterkünfte mit Studios oder Apartements im Angebot. Agios Nikolaios, ist Geschmackssache – wenn ich nicht dort bin fehlt mir nix… Mochlos ist nett, aber wer lange im Osten war – viel zu touristisch!
      Nun, ich muss jetz Schluß machen – die Reisetaschen für unsere Fahrt auf den Peloponnes müssen noch gepackt werden…
      Bis demnächst, Monika

  4. Schlöne, interessante, spannende Ferien!

  5. wie komme ich von Sitia da hin?

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