Peloponnes: Navarinobucht – Der Nestorpalast bei Pylos und die bronzezeitlichen Tholosgräber


Westmessenien: Das eindrucksvolle Tholosgrab liegt neben dem Nestorpalast bei Pylos in einem schattigen Olivenhain. Es wurde über Generationen als Grablege der mykenischen Königsfamilie genutzt und stammt aus dem 16. Jahrhundert vor Christus.

Westmessenien: Das eindrucksvolle Tholosgrab liegt neben dem Nestorpalast bei Pylos in einem schattigen Olivenhain. Es wurde über Generationen als Grablege der mykenischen Königsfamilie genutzt und stammt aus dem 16. Jahrhundert vor Christus.

Über die Magie des archäologischen Reisens

Eigentlich unternehmen wir überwiegend archäologische Reisen, also Studienreisen zur griechischen Geschichte von der Bronzezeit bis zur Antike. Auch bei unserer letzten Reise zum Nestorpalast bei Pylos. Das hört sich zunächst nicht besonders spannend an – ist es aber, sehr sogar!

Dabei sind es nicht nur die archäologischen Monumente selbst, die uns beeindrucken. Manchmal ist es vor Reisebeginn das Schmökern in der Fachliteratur. Oder die Ausgrabungsgeschichten der Archäologen sind für sich schon ein Abenteuer. Umso detaillierter die Lektüre der zu besuchenden Grabungsfelder, desto instensiver ist vor Ort das persönliche Erlebnis der antiken Anlagen.

Der Reiz des archäologischen Reisens liegt zunächst darin die Ausgrabungsstätten aufzustöbern. Denn unbekanntere Plätze sind manchmal unzureichend beschildert, hier ist also durchaus Pioniergeist gefragt. So führt uns bereits das Suchen zu Orten, Menschen und Landschaften die wir während einer „normalen“ Reise niemals kennengelernt hätten.

peloponnese zacharo elis figaleia greece Verdiente Mittagspause inmitter Ruinen der antiken Bergstadt Phigaleia im Südwesten von Arkadien auf dem Peloponnes.

Verdiente Mittagspause in den Ausgrabungen der antiken Bergstadt Phigalia, im Südwesten von Arkadien, auf dem Peloponnes.

Aber nicht nur komplett erhaltene Tempelanlagen inspirieren uns. Schon eine einzige gut erhaltene Säule strahlt eine fast magische Wirkung aus, der wir uns nicht entziehen können.

Wir empfehlen jedem sich einmal dem Abenteuer einer archäologischen Reise hinzugeben. Aber Vorsicht: Wer einmal eine solche Reise unternimmt, bekommt den Virus nie wieder los.

Die Schauplätze des Altertums sind besonders in Griechenland sehr zahlreich. Beim Durchstreifen der Tempel, Marktplätze, Theater, Brunnen, Wohnhäuser, Villen, Festungen oder Häfen lassen wir immer unserer Phantasie freien Lauf, versuchen das Gesehene auch selbst zu interpretieren.

Meist sind die Landschaften, wie z. B. Gebirge oder Meeresbuchten, um die Ausgrabungsstätten im Lauf der Jahrtausende fast unverändert geblieben. Die Aussicht vom Nestorpalast bei Pylos hinunter zum Meer, finden wir heute nicht nur als Besucher schön. Die mykenischen Herrscher werden es nicht sehr viel anders empfunden haben.

Das Pilgern durch Dutzende von vergangenen Jahrhunderten scheint eine unüberbrückbare Entfernung zu den damaligen Menschen zu sein, doch den Landschaftseindruck teilen wir bis heute mit ihnen. Das bringt uns die Vergangenheit nahe, sehr nahe.

Die Sensationsmeldung im Herbst 2015, von der Entdeckung eines intakten bronzezeitlichen Schachtgrabes im Areal des Nestorpalastes bei Pylos, inspirierte uns zu dieser längst überfälligen Reisereportage über Messenien und die archäologischen Funde um die Hafenstadt Pylos.


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Nestorpalast bei Pylos chora archaeological museum fresco mycenean nestorpalace messenia peloponnese greece Das Freskofragment wurde im Nestorpalast entdeckt und stellt vermutlich den Kopf einer Göttin dar. Heute befindet es sich im Archäologischen Museum von Chora

Das Freskofragment wurde im Nestorpalast entdeckt und stellt eine bronzezeitliche Göttin dar, es befindet sich im Museum von Chora.

Zweiter Teil: Die Mykener in der Region um Pylos

Im zweiten Teil unseres Reiseberichts über Westmessenien möchten wir euch die mykenische Geschichte der Region um die Hafenstadt Pylos und der Bucht von Navarino näherbringen.

Schwerpunkt wird der bronzezeitliche Palast des Nestor sein. Aber auch die aktuelle Entdeckung eines ungeplünderten Kriegergrabes im Palastareal aus dem Jahr 2015 werden wir thematisieren. Wer waren eigenlich die Mykener, wie lebten sie und was kann uns Homer über sie erzählen?

Dazu kommen Beschreibungen der Tholosgräber der Könige und Aristokraten von Pylos und ein Besuch im Archäologischen Museum in Chora. An der malerischen Voidokiliabucht besuchen wir die mykenischen Reste der Hafenstadt Koryphasion, die Nestorhöhle und das Grab des mykenischen Prinzen Thrasymedes.
Im ersten Teil unseres Reiseberichts berichte wir über  Pylos und seine Strände: Peloponnes: Navarinobucht (1) – Die Hafenstadt Pylos und seine traumhaften Sandstrände im Westen von Messenien


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Wer waren die Mykener?

Die Karte zeigt die Lage der mykenischen Palaststaaten und die Ausbreitung ihres Kulturkreises. Die roten Punkte stellen untergeordnete Siedlungen dar. Kartenvorlage: infomapsplus.blogspot.de

Die Karte zeigt die Lage der mykenischen Palaststaaten und die Ausbreitung ihres Kulturkreises. Die roten Punkte stellen untergeordnete Siedlungen dar. Kartenvorlage: infomapsplus.blogspot.de

Auf dem griechischen Festland entwickelte sich spätestens ab dem 16. Jhd. v. Chr. die bronzezeitliche Kultur der Mykener. Der Name Mykener ist eine moderne Bezeichnung, die im Zusammenhang mit den Ausgrabungen in der Palastanlage von Mykene üblich wurde.

Die Entwicklung der mykenischen Kultur wurde von den um 1900 v. Chr. aus Thessalien eingewanderten Achäern getragen. Die Archäer begannen eine aristokratische Schicht auszubilden, diese hob sich von der Kultur der Einheimischen ab, indem sie z. B. eigene Grabstätten pflegte.

Auch begann sich die mykenische Aristokratie stark an kretischen Vorbildern zu orientieren, was zur Übernahme minoischer Kulturwerte führte, die die ältere Kultur verdrängte. Dies betraf nicht nur materielle Güter, sondern die gesamte gesellschaftliche Struktur. Zusätzlich entwickelten die mykenischen Aristokraten ein starkes Königtum.

Die Mykener waren ein kriegerisches Volk. Das wissen wir von den erhaltenen Kunstwerken, die Belagerungen, marschierende Krieger und aufbrechende Flotten darstellen. Es gibt Hinweise aus hethitischen Quellen, dass organisierte mykenische Flottenkontingente die anatolischen Küsten heimsuchten.

Die Eroberung der minoischen Insel Kreta um 1400 v. Chr. durch die Mykener markiert den Höhepunkt ihrer Macht. In dieser Zeit entstanden in Mykene, Tiryns, Pylos, Theben, Athen, Orchomenos neue Palaststaaten, nach dem Vorbild der Minoer. Die Mykener übernahmen auch wichtige Elemente der minoischen Kultur, z. B. die Schrift, die sie für die Verwaltung der Paläste dringend benötigten.

Von Kreta übernahm Mykene, als der größte Palaststaat, die Position als herrschende Seemacht des östlichen Mittelmeers. Mykene, von Homer als „goldreich“ bezeichnet, häufte große Reichtümer an. Den Burgberg von Mykene umgaben zum Schutz gewaltige Stadtmauern.

Mit der reichen Handelsstadt Troja in Kleinasien, die zum hethitischen Großreich gehörte, erwuchs den Mykenern jedoch ein Konkurrent. Diese Rivalität endete schließlich in einem Krieg, den ein Verband der mykenischen Königreiche im 13. und 12. Jhd. v. Chr. in Troja führte. Homer überliefert ihn als Trojanischen Krieg in seinem Buch Ilias.


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Homers epische Dichtungen und ihr Wahrheitsgehalt

Die Landung der mykenischen Flotte an der Küste vor Troja. Foto: Historienfilm "Troja" von Wolfgang Petersen (Warner Bros)

Die Landung der mykenischen Schiffsflotte an der Küste vor der Stadt Troja.
Foto: Historienfilm „Troja“ von Wolfgang Petersen (Warner Bros)

Die Heldenlieder in der Ilias des Schriftstellers Homer stammen aus dem 8. Jhd. v. Chr. und sind die ältesten erhaltenen Geschichten der Weltliteratur. Die Epen Homers galten lange Zeit als märchenhafte Erzählungen. Als Forschungen zum Beispiel in Mykene manche Verszeile Homers bestätigten, änderte sich das grundlegend. Wie aber konnte Homer von Details Kenntnis haben, wenn er auf keine schriftlichen Zeugnisse zurückgreifen konnte?

Wenn die Geschichten mündlich immer wieder weitererzählt wurden, mussten sie sich im Laufe der Zeit durch das Hinzufügen und Weglassen von Handlungssträngen verändert haben, dass von ihrem Kern nichts als eine vage Erinnerung überlebt hätte. Es sei denn, der mündlich überlieferte Text wäre aus stilistischen Gründen unverändert weitererzählt worden, nämlich in einer Versform.

Homer nutzte den Hexameter für seine Epen, dieser Versrhythmus ist das Korsett des Inhalts. Die Texte sind durch Rhythmus und Reim leichter lernbar und können über große Zeiträume hinweg weitergegeben werden. So ist es also durchaus möglich, dass die Geschichten über Dutzende von Jahrhunderten unverändert geblieben sind.

hecamede and nestor tondo cup vulci Szene aus der Ilias: Die Dienerin Hecamede bereitet für König Nestor Kykeon, ein Mischgetränk aus Gerstengraupen, Ziegenkäse und Wein. Tondo von einer Schale, ca. 490 v. Chr. aus Vulci. Foto: Wikipedia

Szene aus der Ilias: Die Dienerin Hecamede bereitet für König Nestor Kykeon, ein Mischgetränk aus Gerstengraupen, Ziegenkäse und Wein. Tondo von einer Schale im attischen Stil, 5. Jhd. v. Chr. aus Vulci, Italien. Foto: Wikipedia

König Nestor von Pylos

Über die Herrscher und Landesgrenzen im mykenischen Messenien überliefert Homer folgendes: Das östliche Messenien stand unter der Herrschaft des Königs Menelaos von Sparta, während das westliche Messenien der Herrscherfamilie der Neleiden von Pylos unterstanden habe.

Nach dem Tod von Menelaos wurde die Grenze ostwärts bis zum Taygetosgebirge vorgeschoben, zum Nachteil von Pylos.

Nestor, Sohn des Neleus und der Chloris, war der sagenhafte Herrscher von Pylos. Als König von Pylos war Nestor einer der erfahrensten Ratgeber von König Agamemnon, dem Heerführer und Oberkönig der Mykener, während des Kriegszugs nach Troja.

Nestor galt als weise und besonnen, den Freuden des Lebens aber nicht abgeneigt. Seine Kunst der Diplomatie half den Streit zwischen Achilleus und Agamemnon zu schlichten. So schildert Homer die Gestalt von Nestor.

Die Entdeckung, dass der Palaststaat von Pylos wirklich existiert hat, führte zu der Annahme, dass König Nestor eine reale Person gewesen ist. Die Möglichkeit, dass er eine historische Figur war, kann inzwischen gewährt werden. Der „Original“-Nestor in Darstellung und Funktion, wie sie uns Homer schildert, ist dagegen eine mythologische Figur.

Douglas Frame vom Center of Hellenic Studies der Havard University hat in seinem Buch „The Myth of Return in Early Greek Epic“ (1978) eine interessante Studie dazu veröffentlicht: chs.harvard.edu

Der Schiffskatalog von Homer

Der eindrucksvolle und historisch wichtige Schiffskatalog aus der Ilias beschreibt detailliert die zur Eroberung Trojas versammelten Truppen der Griechen.

  • Anzahl der Schiffe
  • Namen der Anführer
  • Herkunftsorte

Das ergibt eine Streitmacht von 1186 Schiffen, bei durchschnittlich 80 Kämpfern je Schiff, die beachtliche Summe von 94 880 Kriegern. König Nestor aus Pylos konnte mit 90 Kriegsschiffen und etwa 7200 Kriegern, eine der größten Flotten für den Kriegszug zur Verfügung stellen. Der trojanische Krieg fand im 12. Jhd. v. Chr. statt. Nestor kehrte danach unversehrt in seine Heimat Pylos zurück.

Filmtipp zu Homers Ilias

Der Kinofilm Troja (2004): Homers Schiffskatalog hat den deutschen Regisseur Wolfgang Petersen inspiriert, die mykenische Flotte in einer opulenten Sequenz seines Kinofilms aufs Meer zu pixeln. Der Film zeigt das Psychogramm zweier frustrierter Superhelden. Unterhaltsames Popcorn-Kino, dem man pathetische Dialoge verzeiht. Wer im Sandalen-Genre ästhetische Eleganz sucht, sollte Homer lesen.

Auszug aus Homers Buch Odyssee, 3. Gesang, Telemachos in Pylos

… und die Schiffenden kamen zur wohlgebauten Pylos,
Neleus‘ Stadt. Dort brachten am Meergestade die Männer
schwarze Stiere zum Opfer dem bläulichgelockten Poseidon.
Neun war der Bänke Zahl, fünfhundert saßen auf jeder;
Jede von diesen gab neun Stiere. Sie kosteten jetzt
alle der Eingeweide, und brannten dem Gotte die Lenden …

Homers Beschreibungen von Opferritualen in seinem zweiten Buch Odyssee sind offenbar geschichtlich korrekt. Bei den Beschreibungen der Bräuche seiner Vorfahren ist Homer nicht nur ein Geschichtenerzähler, sondern eine zuverlässige Quelle. Archäologen haben Tierknochen aus dem Nestorpalast bei Pylos untersucht. Ergebnis: Die Tiere wurden, so wie Homer es beschreibt, verbrannt und den Göttern geopfert. Link: www.spektrum.de


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Wie funktionierte der Palaststaat von Pylos?

pylos englianos nestorpalace voidokilia messenia peloponnes greece title Die Landschaft der Könige von Pylos: Die Aussicht von der Profitis Ilias Kapelle nördlich der Voidokiliabucht, lässt den Blick auf kleine Dörfer, Obst- und Weingärten, Olivenhaine und das Aegaleon-Gebirge schweifen. Der Nestorpalast ist etwa zehn Kilometer entfernt (Markierung, rechts).

Die Landschaft der Könige von Pylos: Die Aussicht von der Profitis Ilias Kapelle nördlich der Voidokiliabucht, lässt den Blick auf kleine Dörfer, Obst- und Weingärten, Olivenhaine und das Aegaleon-Gebirge schweifen. Der Nestorpalast ist etwa zehn Kilometer entfernt (Markierung, rechts).

Das mykenische Messenien war ein dicht besiedeltes und hochentwickeltes Gebiet. Bereits seit dem 16. Jhd. v. Chr. pflegte Messenien enge Handelskontakte zur Region Argolis im Osten des Peloponnes. Ab dem 15. Jhd. v. Chr. war der Palaststaat Pylos das Zentrum eines Reichs, das große Teile des heutigen Messenien umfasste.

Im Jahr 1939 wurde vom amerikanischen Archäologen Carl Blegen, nur wenige Kilometer von der heutigen Hafenstadt Pylos entfernt, ein mykenischer Palast entdeckt. Seit dem 14. Jhd. v. Chr. standen auf dem Palasthügel prächtige, großflächige und mehrstöckige Gebäude. Das Erdgeschoß bedeckte eine Grundfläche von imposanten 15 000 Quadratmeter.

Dieser Palast war Königssitz und zentrales Verwaltungszentrum. Mit einer ausgefeilten Bürokratie zur Überwachung der Steuern und Kontrolle der Wirtschaft. Die Strukturen waren ähnlich aufgebaut, wie die in Ägypten und Mesopotamien und basierten auf Tauschhandel.

charioteer spearman pylos fresko Bewaffnete mykenische Krieger mit Eberzahnhelmen und Streitwagen. Das Freskofragment aus dem Nestorpalast wird auf 1350 v. Chr. datiert. Foto: Wikipedia

Bewaffnete mykenische Krieger mit Eberzahnhelmen und Streitwagen. Das Freskofragment aus dem Nestorpalast wird auf 1350 v. Chr. datiert. Foto: Wikipedia

Es wurden Steuern in Form von Lebensmitteln (z. B. Wein, Olivenöl, Honig, Getreide) und Rohprodukten (Wolle, Flachs, Erze, Holz) eingezogen. Aus diesen Materialien wurden von spezialisierten Handwerkern Luxusgüter produziert, die dann gehandelt wurden. Diese Produkte waren:

  • Textilien, auf der Grundlage von Schafzucht und Leinenanbau
  • Lederartikel
  • Duftöle, parfümierte Essenzen und Salben
  • Töpferwaren
  • Bronzewerkzeuge
  • Waffen und Streitwägen

Die Forscher hatten in Pylos den Palast eines mykenischen Königs (Wanax) entdeckt. Die Forscher gaben den Ruinen den Namen Palast des Nestor, benannt nach dem gleichnamigen König, dem Herrscher über das „sandige Pylos“ aus Homers Ilias.

Aber wie kann dieser archäologischer Fund jenem Nestor zugeschrieben werden, der vermutlich eine mythische Gestalt war. In den Dichtungen Homers, die von den antiken Griechen als historische Wahrheit verstanden wurden, spielte König Nestor eine wichtige Rolle.
Der Archäologe Carl Blegen, Entdecker des Palastes, äußerte schon damals folgende Aussage:

„Wenn es jemals einen König Nestor gegeben hat,
dann ist es gewiss, dass er hier wohnte.“

Zweifellos passt der ausgegrabene Palast verblüffend genau zu den Beschreibungen Homers. Die heute sichtbaren Reste stammen aus dem 13. Jhd. v. Chr., um 1200 v. Chr. wurden die Gebäude durch einen Großbrand zerstört und nicht wieder aufgerichtet. Das Palastareal wurde nie wieder bebaut. Ein Glücksfall für die Archäologen.

Die Ausgräber entdeckten ein  Tontafelarchiv mit der Silbenschrift der Mykener, Linear-B Schrift genannt. Dieses Archiv lieferte viele Informationen zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Struktur. Die Linear-B Tafeln belegen, dass der Ort von seinen Bewohnern pu-ro „Stadt mit Toren“ genannt wurde und die Hauptstadt eines mykenischen Staates war, der fast ganz Messenien umfasste. Das Palastarchiv nennt über zweihundert Ortsnamen. Die Gesamtbevölkerung für Messenien wird für das 13. Jhd. v. Chr. auf 40 000 bis 50 000 Einwohner geschätzt.


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Die folgende Beschreibung haben wir dem Fachbuch von Yannos G. Lolos, The Capital of Nestor in its environs – Sandy Pylos, Chapter 2, 1. Epano Englianos: The Palace of Nestor, entnommen, aus dem englischen übersetzt und mit aktuellen Informationen ergänzt.

Die Ausgrabungen des Nestorpalast bei Pylos

nestorpalast bei pylos nestorpalace messenia greece centralpalace Der berühmte Nestor Palast von Pylos: Im Vordergrund das große Weinlager, dahinter der Thronsaal des mykenischen Königs mit der großen Opferherdstelle in der Mitte des Raumes.

Der berühmte Nestor Palast von Pylos heute: Im Vordergrund eingemauerte Tongefäße für Olivenöl, dahinter der Thronsaal des Königs mit der großen Opferherdstelle in der Mitte des Raumes.

Der mykenische Nestorpalast befindet sich vier Kilometer südlich von Chora und siebzehn Kilometer nördlich von Pylos. Etwas westlich der heutigen Straße liegen auf einem steilen Hügel mit dem Namen Epano Eglianos die Ruinen der eindrucksvollen Anlage. Der Palast liegt auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Felsplateau.

Die Entdeckung des Nestorpalast bei Pylos

Der amerikanische Archäologe Carl Blegen entdeckte den mykenischen Palast im Jahr 1939, gemeinsam mit dem griechischen Archäologen Konstantinos Kourouniotis. Bei den schrittweisen Grabungen, von 1952 bis 1969, kam der am besten erhaltene mykenische Königspalast von ganz Griechenland zum Vorschein. Der Nestorpalast gibt uns einen vollständigen Einblick in die mykenische Gesellschaft.

Die freigelegten Mauern des Nestorpalastes kurz nach ihrer Entdeckung. Der Blick zeigt das Zentrum des Palastes von Nord-Osten, mit dem Megaron im rechten Teil des Bildes. Foto: University of North Carolina at Chapel Hill

Die freigelegten Mauern des Nestorpalastes kurz nach seiner Entdeckung. Der Blick zeigt das Zentrum des Palastes von Nord-Osten, mit dem Megaron und dem runden Feuerplatz (rechts). Foto: University of North Carolina at Chapel Hill

Es bietet sich von hier eine hervorragende Sicht über die gesamte Bucht von Navarino. Die Ruinen des Palastes liegen auf dem höchsten Punkt des Epano Eglianoshügels, mit einer Ausdehnung von 170 x 90 Meter. Der Nestorpalast wird unter einem Wellblechdach vor Witterungseinflüssen geschützt.

Im Gegensatz zu den Burgen von Mykene, Tiryns, Midea und Athen, wurde der Palast von Pylos nicht mit wuchtigen zyklopischen Wehrmauern umgeben.

Die Palastanlage besteht aus einem Komplex von verschiedenen Gebäudetrakten, mit immerhin 105 Zimmern im Erdgeschoss. Der Nestorpalast hatte seine Blütezeit zwischen 1300 und 1200 v. Chr., geht aber auf deutlich ältere Gebäude zurück.

Nestorpalast bei Pylos nestor palace pylos epano englianos navarino messinia peloponnes greece today

Der heutige Blick vom mykenischen Nestorpalast auf die Bucht von Navarino: Die langezogene Insel Sphakteria schirmt den riesigen Naturhafen zum Meer hin ab.

Das umfangreiche Tontafel-Archiv

Der Fund einer großen Anzahl von Tontafeln mit Inschriften in der mykenischen Schrift Linear-B, gleich zu Anfang der Grabungen unter Carl Blegen, unterstreichen die Bedeutung der Fundstätte.

Auf den Linear-B Tafeln werden die Verwaltungsbezirke von Pylos genau beschrieben. Das Reich bestand aus zwei Provinzen: Deweroai-Koraja im Westen um die Stadt Pylos und Perai-Koraja im Osten um die Stadt Leuktron (bei Stoupa). Diese beiden Provinzen bestanden aus sieben oder auch neun Distrikten.

Anhand der in Pylos entdeckten Tontafeln gelang es dem Sprachwissenschaftler Michael Vetris im Jahr 1952, die Linear-B Schrift zu entziffern und der Wissenschaft dadurch tiefe Einblicke in die Palaststrukturen der Mykener zu ermöglichen. Es zeigte sich, dass die Texte in einer frühen Form der griechischen Sprache (mykenisch-griechisch) abgefasst wurden.

pylos nestorpalace linear b tablet museum chora Über 1100 Tontafeln mit Linear-B Texten geben Informationen der handwerklichen Produktionen in Pylos und die Handelsaktivitäten des Palastes.

Über 1100 Tontafeln mit Linear-B Texten überliefern Informationen der Warenproduktionen in Pylos und den Handelsaktivitäten des Palastes. Die Tontafel befindet sich im Museum von Chora.

Die Linear-B Schrift

Linear-B ist eine Silbenschrift, sie wurde vom 15. bis 12. Jhd. v. Chr., ausgehend von Knossos auf Kreta, auf dem griechischen Festland verwendet. Bekannt sind etwa 90 Silbenzeichen, 160 Zeichen mit Wortbedeutung sowie Zahlen. Geschrieben wurde von links nach rechts.

Entdeckt wurde die Schrift 1878 durch einen Fund auf Kreta. Die Bezeichnung Linearschrift B wurde geprägt vom Archäologen Sir Arthur Evans, dem Ausgräber des minoischen Palastes von Knossos. Wegen der nahen Verwandtschaft mit der Linearschrift A der Minoer wurden die Tafeln aus Pylos zunächst für minoisch gehalten.

Die Baustruktur des Palastes

Der untenstehende Plan zeigt, dass der Palastkomplex von Pylos in vier Hauptbereiche unterteilt war:

  • Das Südwest-Gebäude (Alter Palast des Neleus)
  • Das Hauptgebäude (Neuer Palast des Nestor)
  • Das Nordost-Gebäude (Handwerkertrakt)
  • Das Wein-Magazin

Dazu kommt eine Anzahl weiterer, aber kleinerer Gebäude. Die verschiedenen architektonischen Bauphasen sind noch gut sichtbar. Die Verwendung von Holz im Palastgebäude war hoch entwickelt, sowohl für Holzbalken im Mauerwerk, das aus Stein oder Ziegel ausgeführt wurde, als auch für Säulen, Türrahmen, Holzvertäfelungen und Dächer.

pylos palace map messenia nestorpalace

Die Oberflächen der Räume im Palast wurden verputzt, in den Räumen des Königs wurden die Wände mit bunt bemalten Freskos verziert. Der Boden des Haupthofes der Anlage und viele Wohnräume waren gepflastert. Auch die oberen Stockwerke erhielten Wandfreskos. Das Haupt- und das Südwestgebäude hatten zwei Stockwerke. Die oberen Stockwerke waren aus ungebrannten Ziegeln erbaut und konnten über Treppen erreicht werden.

Die minoischen Bauelemente im Nestorpalast bei Pylos

Der Palast von Pylos hatte keine Verteidigungsanlagen, dies ist auch ein besonderes Kennzeichen der frühen minoischen Paläste auf der Insel Kreta. Was den plötzlichen Untergang des Nestorpalasts ausgelöst hat, ist bis heute ungeklärt.

Viele weitere minoische Elemente sind im Nestorpalast bei Pylos zu erkennen, bedeutend mehr als in allen anderen mykenischen Anlagen in Griechenland. Alle unten aufgelisteten Merkmale sind im Baustil der neuen Palastzeit (1700 bis 1400 v. Chr.) der kretischen Minoer ausgeführt worden:

  • Verwendung von Holzbalken im Mauerwerk (Fachwerkbau), zum Schutz vor Erdbeben
  • Verwendung rechteckiger Steinblöcke bei den Außenfassaden
  • Zahlreiche Innenhöfe
  • Propylon mit einer Einzelsäule zwischen zwei Türpfosten
  • Badezimmer mit Badewanne aus Terracotta
    („Asaminthos“ heißt Badezimmer und wurde in den Linear-B Texten nachgewiesen,
    Homer verwendet das Wort noch im Altgriechischen)
  • Toiletten und Waschräume
  • Brunnen
  • Lagerräume mit Vorratskrügen
  • Festsaal
  • Werkstätten für Steinmetze ect.
  • Palastschrein für Götterverehrung, in der Nähe der Lagerhäuser und Werkstätten
  • Abwasserrohre
  • Große Kulthörner, angebracht auf den Dächern des Palastes
Nestorpalast bei Pylos minoan horns pylos nestorpalace messenia peloponnese Wer den minoischen Palast von Knossos besucht hat kennt dieses Kultsymbol. Riesige Stierhörner verzierten die Palastdächer der Minoer. Diese Bruchstücke wurden bei den Ausgrabungen des Nestorpalastes entdeckt und befinden sich im Museum von Chora.

Wer den Palast von Knossos auf Kreta besucht hat kennt dieses Symbol. Riesige Stierhörner verzierten die Palastdächer der minoischen Paläste. Diese Bruchstücke wurden bei den Ausgrabungen des Nestorpalastes entdeckt, sie befinden sich heute im Museum von Chora.

Das minoische Element in der Architektur des Nestorpalastes ist auch erkennbar in einer Gravur auf einem Steinblock der Außenmauer des Palastes, auf dem eine kretische Doppelaxt abgebildet wird. Das gilt auch für die Reste der älteren Palastmauern, die ebenso im minoischen Stil erbaut wurden.

Der alte Palast des Neleus

Das südwestliche Gebäude, auch bekannt als der Palast von Neleus (Vater von Nestor), ist nach heutigen Erkenntnissen die älteste Baustruktur der Anlage. Dieses ist sicherlich vor dem Hauptgebäude errichtet worden und war vom 13. Jhd. v. Chr. bis zur Zerstörung des Palastes in Verwendung.

Interessant ist im alten Palasttrakt die geräumige Eingangshalle mit zwei Säulen an der Frontseite und einer dritten im Innenraum. Weiterhin die große Halle, mit sechs Innensäulen, die große Küche mit vielen Kochutensilien. Dazu kommt ein Nebenraum der wohl das Badezimmer war und das separate Weinlager an der Nordseite.


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Der neue Palast von König Nestor
nestor palace pylos messenia excavations greece herd Neuer Palast von Pylos: Der große kreisrunde Opferherd im großen Thronsaal des Königs mit gut erkennbarer, wellenförmiger Bemalung.

Der große kreisrunde Opferherd im Thronsaal des Königs mit gut erkennbarer Bemalung.

Das neue Palastgebäude, das immerhin eine Fläche von 50 x 32 Metern bedeckt, ist der größte Komplex und war die Residenz des Königs. Die Wohnräume sind um einen Haupthof angeordnet. Der Haupteingang zur Residenz war der Propylon im Südosten des Palastes, aber auch das Portal im Nordosten wurde extensiv genutzt.

Das Megaron ist der Kern des Palastes und beinhaltet einen Säulengang, eine Vorhalle und den großen Thronsaal in dem der mykenische König Audienz gab.

pylos nestorpalace megaron groundfloor Rekonstruktion des Fußbodens im großen Megaron des Nestorpalasts.

Rekonstruktion des farbenprächtigen Fußbodens im großen Megaron des Nestorpalastes. In der Mitte die runde Feuerstelle mit den vier Säulen die den Herd flankierten. Die Zeichnung befindet sich im Museum von Chora.

Der große Opferherd in der Mitte des Thronsaals ist der größte jemals gefundene seiner Art aus mykenischer Zeit. Er besteht aus Ton, ist mit Gipsstuck verputzt und prächtig bemalt.

Umrahmt wurde die Feuerstelle von vier Holzsäulen, ein farbenprächtiger Fußboden konnte ebenfalls nachgewiesen werden. Eine Rekonstruktion des Bodens im Megaron befindet sich im Archäologischen Museum von Chora.

Der Königsthron ist nicht erhalten geblieben, aber die Stelle an der östlichen Wand des Megarons, an welcher er stand, ist erkennbar. Der König saß der Feuerstelle genau gegenüber. Das Megaron ist von Korridoren, Treppenaufgängen, Küchen und Lagerräumen für Oliven- und Parfümöle umgeben.

Im Wohntrakt der Königin

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten gehört das geräumige Badezimmer mit feststehender Badewanne aus Terracotta und einem Wartesaal für Gäste. Im Baderaum standen außerdem zwei große eingemauerte Krüge für Wasser. Terracotta-Badewannen wurden an fünf anderen Fundstätten in Messenien entdeckt, die aber alle transportierbar waren, die Wanne in Pylos war feststehend.

Nestorpalast bei Pylos nestorpalace pylos bath messenia greece Die Badewanne im Nestorpalast: Homer überliefert uns in der Ilias, das hier Telemach, Sohn des Odysseus, von Nestors Tochter Polykaste gebadet und eingeölt wurde.

Die Badewanne im Nestorpalast: Homer überliefert uns, dass hier Odysseus‘ Sohn Telemach von Nestors Tochter Polykaste gebadet und gesalbt worden ist.

Gleich daneben befindet sich das Megaron der Königin. Der Raum hat ebenfalls einen runden Opferherd im Zentrum des Raumes, der allerdings einen kleineren Durchmesser hat.

Dazu kommen Toiletten und Waschräume und ein eigenes großzügiges Treppenhaus, das vermutlich vom Führungsstab der Palastwache genutzt wurde.

Die farbenprächtigen Freskenreste

Glanzstücke unter den Funden des Nestorpalastes sind sicherlich die vielen Freskenfragmente aus dem Thronsaal. Heute sind sie im Archäologischen Museum von Chora zu bewundern: Greifen und Löwen, Jagd- und Kriegsdarstellungen, sowie verschiedene andere Szenen. Die Bruchstücke wurden durch gelungene Rekonstruktionszeichnungen ergänzt.

Das Palastarchiv mit den wertvollen Tontafeln
nestorpalast bei pylos pylos nestopalace fresco lyraplayer Die Rekonstruktionszeichnung des Lyraspielers aus dem Nestorpalast ist besonders gelungen. Die Bruchstücke befinden sich im Archäologischen Museum von Chora.

Die Freskofragmente aus dem Thronsaal zeigen einen Lyraspieler. Die Rekonstruktionszeichnung ist besonders gelungen und befindet sich im Archäologischen Museum von Chora.

Ein weiterer Komplex der eine sehr wichtige Rolle in der täglichen Funktion des Palastes und seiner Einwohner hatte war das Palastarchiv. Es besteht aus zwei aneinanderliegenden Räumen in welchen das zentrale Verwaltungsbüro des Staates untergebracht war. Hier wurden über tausend intakte, auch teilweise zerbrochene Tontafeln, mit Linear-B Schrift gefunden. Überwiegend beschreiben die Tafeln buchhalterische Inhalte wie Wareneingänge und Warenausgänge, Zölle, Steuern und Handelsverträge.

Der Handwerkerhof und die Vorratsräume

Das nordöstliche Gebäude liegt abgetrennt vom Palast und war das Haus der Handwerker. Es hat sechs Räume mit einem zentralen Gang und einer Vorhalle mit Kolonnade.

Im kleinen Innenhof, im Vorderteil der Halle, steht ein rechteckiger Altar. Interessant sind noch der Lagerraum, die Werkstatt und die Waffenkammer, in welcher Hunderte von schmalen bronzenen Pfeilspitzen gefunden wurden.

Sechsundfünfzig Linear-B Tafeln wurden in der Nähe der Werkstatt entdeckt, darauf sind Lederreparaturen, Metallarbeiten aus Bronze, Jagdausrüstungen, Reparaturen von Streit- oder Prunkwagen verzeichnet. Inschriften zu Ehren der Göttin Potnia Hippeia (Athena?) wurden ebenfalls im Haus der Handwerker gefunden.

Eine große Speisekammer mit mehr als 850 Töpfen und Tellern wurde im Süden des Haupthauses entdeckt, auf der gegenüberliegenden Seite lag das Weinlager mit Vorraum und Hauptraum. Der Hauptraum fasste fünfunddreißig Weinpithoi, die in Regalen angeordnet waren. Sechzig der einstigen Tonabdichtungen der Pithoi mit Originalbeschriftung in Linear-B für „Wein“ sind erhalten geblieben.

Nestorpalast bei Pylos nestorpalace pottery messenia greece Im Nestorpalast müssen einst rauschende Bankette gefeiert worden sein. Die Funde aus den Palastküchen des Palasts mit großen Mengen an Kylikes, Krügen, Bechern, Schalen und Schüsseln befinden sich im Museum von Chora.

Im Nestorpalast müssen einst rauschende Bankette gefeiert worden sein. Die Funde aus den Palastküchen des Palasts mit großen Mengen an Kylikes, Krügen, Bechern, Schalen und Schüsseln befinden sich im Museum von Chora.

Die Inhalte der Tontafeln des Archivs

Die über 1100 gefundenen Tontafeln mit Linear-B Texten geben uns zahlreiche Informationen der intensiven handwerklichen Produktion und der Handelsaktivitäten des Palastes. Verwaltungs- Amts- und Regierungsaufgaben sind ebenfalls auf den Tafeln verzeichnet worden.

Wir bekommen einen genauen Einblick in die mykenische Gesellschaft von Pylos, an deren Spitze der König stand. Die Tontafeln geben auch Informationen zu den Göttern und religiösen Ritualen, andere berichten über die Effektivität der Küstenwachen an Messeniens Grenzen. Auch die Herstellung, Lagerung und der Vertrieb von Aroma-Ölen und der aufwändigen Parfümherstellung wurden detailliert beschrieben.

Das Ende des Palastes von Pylos

Der Nestorpalast bei Pylos wurde durch einen Großbrand am Ende der Späthelladischen IIIB-Periode (1300 bis 1190 v. Chr.) zerstört, also etwa am Anfang des 12. Jhd. v. Chr. Vor seiner Zerstörung hatten die Bewohner und ihr König noch Zeit um Möbel und sonstige Wertgegenstände zu retten. Das gleiche Schicksal wie Pylos ereilte wohl auch den Palaststaat von Orchomenos in Boötien.

nestor palace throneroom reconstruction pylos messenia Die Rekonstruktionszeichnung in Aquarelltechnik von Piet de Jong befindet sich ebenfalls im Museum von Chora.

Die Rekonstruktionszeichnung, in Aquarelltechnik von Piet de Jong, zeigt den bunt bemalten Thronsaal mit den vier Holzsäulen und dem Kultfeuer in seiner Mitte. Die Zeichnung befindet sich im Museum von Chora. Foto: Wikipedia

Immerhin wurden durch das Großfeuer die Tontafeln des Palastarchives gebrannt und sind dadurch erhalten geblieben. Es war bei den Mykenern nicht üblich die Tontafeln nach der Beschriftung zu brennen, sie wurden lediglich getrocknet. Eine einzelne silberne Tasse wurde beim Propylon gefunden, sie ist wohl während der Flucht aus dem Palast liegengeblieben.

Carl Blegen war davon überzeugt, dass Dorer den Palast zerstört haben. George E. Mylonas verfolgte die These, dass Piraten die mykenischen Paläste überfielen. Sicherlich lebten nach der Katastrophe noch Menschen hier, es gab aber keinerlei Palaststrukturen mehr.

Herkunft und Einordnung der Herscher von Pylos

Abschließend kann im Palast von Pylos die königliche Familie der Neideiden nachgewiesen werden. Diese Dynastie wurde von dem, aus Thessalien stammenden, Prinzen Neleus gegründet. Nach einem Streit mit seinem Bruder Pelias, der schon König von Iolkos (Volos) war, verließ Neleus Thessalien und siedelte sich in Messenien an. Später soll er Pylos gegründet haben.

Der Sohn von Neleus war der berühmte Nestor, der weise König des Reiches, der drei Generationen geherrscht haben soll. Nestor hatte eine führende Rolle im ersten Krieg der vereinten Griechen gegen Troja. Er konnte insgesamt 90 Kriegsschiffe entsenden. Nur Agamemnon, der König von Mykene, konnte mehr Schiffe aufbieten.

Homers Beschreibungen vom Nestorpalast bei Pylos decken sich übrigens ziemlich genau mit den Funden der Archäologen. So wird zum Beispiel die Steinbank im Wartesaal des Hauptgebäudes beschrieben, sowie das  Weinlager. Ebenso das Badezimmer, hier soll Polycaste, die schöne Tochter von Nestor, den hochverehrten Gast Telemachus (Sohn von Odysseus) das Bad bereitet haben.

nestor palace pylos messenia excavations greece Nestorpalast: Blick auf den „Saal der Königin“ mit Feuerplatz. Daneben das Bad mit Terrakottabadewanne, in der Ecke eingemauerte Wassergefäße. Das Foto entstand nach der ersten Freilegung unter Carl Blegen in den 60er-Jahren. Foto: University of North Carolina at Chapel Hill

Nestorpalast: Blick auf den „Saal der Königin“ mit Feuerplatz. Daneben das Bad mit Terrakottabadewanne, in der Ecke eingemauerte Wassergefäße. Das Foto entstand nach der ersten Freilegung unter Carl Blegen in den 60er-Jahren. Foto: University of North Carolina at Chapel Hill

Neue Untersuchungen im Gebiet um den Nestorpalast

Die Forscher hielten den Palast bei Pylos für eine Ausnahme, da er im Gegensatz zu anderen Anlagen keinerlei Befestigungen zu haben schien. Neue geophysikalische Untersuchungen ergaben auch, dass sich die Anlage viel weiter ausdehnte als man bisher annahm.

Der Nestorpalast lag in der Mitte einer Stadt, die sich etwa einen Kilometer am Englianos-Hügel entlangzog. Die Siedlungsgröße wird auf maximal 300 000 Quadratmeter geschätzt. Auch Reste einer Stadtmauer von etwa drei Meter Breite wurden festgestellt, ein Nachweis dass die Stadt um den Palast doch befestigt war.

Die Untersuchungen der Palastumgebung erwiesen, dass die Mykener professionelle Ingenieure waren. Sie leiteten einen nahegelegener Fluss um, dadurch wurde seine Verlandung verhindert. Außerdem legten sie einen künstlichen, besser geschützten Hafen an. In der Nähe vom Nestorpalast konnte ein kleiner, ebenfalls künstlich angelegter See, nachgewiesen werden.

Abschließend noch die Fundorte und Vergleichszahlen von Linear-B Tafeln: Knossos (ko-no-so) mit 4360 Tafeln, Pylos (pu-ro) mit 1087 Tafeln, Theben (te-qa) 337 Tafeln, Mykene 73 Tafeln (?), Tiryns 27 (?) und Chania (ku-do-ni-ja) 4 Tafeln. Die Namen in Klammern sind die mykenischen Bezeichnungen der Städte, die den Tontafeln entstammen.

Die Forschungen um den Palasthügel bei Pylos dauern an. Momentan finden umfangreiche Renovierungen am Ausgrabungsgelände statt. Das inzwischen verwitterte Wellblechdach über den Palastmauern ist durch einen Neubau ersetzt worden. Seit Mitte Juni 2016 ist das Areal für Besucher wieder geöffnet. Info: odysseus.culture.gr oder unter www.amna.gr

Yannos G. Lolos, The Capital of Nestor in its environs – Sandy Pylos, Potamos Athens 1998Buchtipp:
Yannos G. Lolos, The Capital of Nestor in its environs – Sandy Pylos,
Potamos Athens 1998 (englisch)
Die obenstehende Beschreibung des Nestorpalast bei Pylos haben wir dem Fachbuch Yannos G. Lolos (Chapter 2, 1. Epano Englianos: The Palace of Nestor) entnommen und aus dem englischen übersetzt.
Das Buch von Yannos G. Lolos entdeckten wir im Museumsshop des Archäologischen Museums von Chora.


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Nestorpalast: Archäologen entdecken intaktes Kriegergrab

nestorpalast bei pylos pylos warrior grave 2015 weapon sowrd gold Fünfunddreißig Jahrhunderte lag dieses Bronzeschwert mit vergoldetem Griff, in einem 2015 entdeckten Grab im Areal des Nestorpalastes. Foto: Department of Classics/University of Cincinnati

Sensationsfund! Fünfunddreißig Jahrhunderte lag dieses Bronzeschwert mit vergoldetem Griff, in einem Schachtgrab im Areal des Nestorpalastes. Foto: Department of Classics/University of Cincinnati

Auf dem Plateau des Nestorpalast bei Pylos machten im Mai 2015 die amerikanischen Archäologen Sharon R. Stocker und Jack L. Davis, von der University of Cincinnati, einen einmaligen Fund. Das Team entdeckte ein intaktes mykenisches Schachtgrab. Darin fanden sie das Skelett eines bedeutenden bronzezeitlichen Kriegers. Er starb im Alter von etwa 30 bis 35 Jahren und lag noch in seinem Holzsarg. Das Schachtgrab ist 2,4 Meter lang und 1,5 Meter breit.

Datiert wird der Sensationsfund auf etwa 1500 v. Chr. Mehr als 1400 kostbare Grabbeigaben wurden geborgen: goldene Siegelringe, Kelche aus Gold, Schmuck aus Bronze und Silber, Halsketten, Bronzeschwerter, Kämme aus Elfenbein, Perlen aus Edelstein und Steinsiegel mit filigranen Gravuren.

Rätselhaft ist für die Forscher noch immer die umfangreiche Schmuck- und Waffensammlung im Grab. Ist hier vielleicht eine Kriegerin beerdigt worden? Männliche Krieger wurden nicht mit einer derartig hohen Menge an Schmuck beerdigt. Weibliche Bestattungen hatten wiederum nur geringe Mengen an Bronzewaffen als Grabbeigaben.

Die geplanten DNA-Untersuchungen des Skeletts sollen hier für Klärung sorgen. Nach Aussage des Kulturministeriums in Athen, handelt es sich bei dem mykenisches Schachtgrab um den „bedeutsamsten Fund seit 65 Jahren“ auf dem griechischen Festland.

Weitere Infos: Archäologie: Zu Hause sanft, im Ausland grimmig, von der FAZ im November 2015


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Das Tholosgrab der mykenischen Könige beim Nestorpalast

tolosgrave IV pylos nestorpalace messenia greece Das eindrucksvolle Tholosgrab IV ist mit über neun Meter Durchmesser das größte in der Region von Pylos.

Tholosgrab IV ist mit über neun Meter Durchmesser das größte in der Region von Pylos.

Nestorpalast bei Pylos pylos nestorpalace tholos grave inside messenia greece Das Tholosgrab hat eindrucksvolle Dimensionen. Monika wirkt fast winzig beim Blick in die Kuppel.

Das Tholosgrab hat eindrucksvolle Dimensionen und erinnert uns an ägyptische Tempel. Monika wirkt winzig beim Blick in die Kuppel.

Dieses große mykenische Tholosgrab steht am Rand eines malerischen Olivenhains, etwa hundertfünfzig Meter nordöstlich vom Palast und nur ein paar Schritte vom Parkplatz entfernt. Es wird als „Tholostomb IV“ bezeichnet und ist das größte in der Region von Pylos.

Es wurde bereits 1953 erforscht, noch bevor der Nestorpalast bei Pylos ausgegraben wurde. Die eingefallene Kuppel (Tholos) wurde im Jahr 1957 restauriert und wieder aufgerichtet.

Der Grabgang (Dromos) der zum Eingang führt ist 10,5 Meter lang. Der Eingang in die Grabkammer ist 4,55 Meter hoch und 4,62 Meter tief. Der Durchmesser beträgt 9,35 Meter. Eine große halbkreisförmige Grube wurde wohl für sekundäre Beisetzungen verwendet.

Ein behauener Sakrophag steht noch im Grabrund. Siebzehn bestattete Personen konnten nachgewiesen werden. Die meisten Grabbeigaben wurden schon in der Antike geplündert.

Erbaut wurde das Tholosgrab in frühmykenischer Zeit, von 1550 bis 1500 v. Chr. Etwa zweithundert Jahre wurde es für Bestattungen aus dem Königshaus von Pylos verwendet. Die geborgenen Kleinfunde waren Siegelringe aus Silber, Gold, Edelsteinen und eine Perlenkette aus Bernstein, befinden sich heute im Archäologischen Museum in Athen.

Etwas unterhalb vom Palast, auf der Straße Richtung Pylos, ist ein weiteres Kuppelgrab das ebenfalls von der königlichen Familie genutzt wurde. Es ist allerdings in schlechtem Zustand und die Kuppel ist eingestürzt.


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Das Archäologische Museum von Chora

chora archaeological museum messenia pylos Das archäologische Museum von Chora ist äusserlich kein Schmuckstück, aber die Funde aus dem Nestorpalast und seiner Umgebung sind ein lohnenwerter Besuch.

Das archäologische Museum von Chora ist äußerlich kein Schmuckstück, aber die Funde aus dem Nestorpalast und seiner Umgebung sind ein lohnenwerter Besuch.

Die Funde aus dem Nestorpalast bei Pylos und der Region Westmessenien, sind seit 1969 im sehenswerten Archäologischen Museum von Chora zu bewundern. Das Museum befindet sich in einem modernen Gebäude, im oberen Teil des Dorfes und ist gut ausgeschildert.

Das landschaftlich geprägte Dorf Chora mit etwa 5 000 Einwohnern liegt malerisch am Hang an den Ausläufern des Aegaleon-Gebirges.. Mit seinen vielen Wasserquellen und Brunnen, beheimatet Chora Olivenbauern, Winzer, und andere Erzeuger, die ausschließlich von der Landwirtschaft leben.

nestorpalast bei pylos goldcup chora archaeological museum pylos messenia Ansprechendes Geschirr: Goldbecher und eine Goldblechschale aus dem 16. Jhd. v. Chr..

Ansprechendes Geschirr: Goldbecher und eine Goldblechschale aus dem 16. Jhd. v. Chr..

Die ersten Ausstellungsstücke stammen aus den Gräbern von Chora-Volimidia und Raches-Peristeri. Zwei Goldbecher und eine Schale aus Goldblech aus dem 16. Jhd. v. Chr. stammen aus Peristeri.

Auch die Kleidung der Bestatteten war mit aufgenähten Goldplättchen versehen. Gut erkennbar sind Bienen, Adler, Eulen und Meeresschnecken.

Aus dem Kammergrab von Chora-Volimidia stammt ein auffälliges dreibeiniges Tongefäß. Es hat einen Stierkopf und zwei Hirschköpfe, jeweils mit Ausgusslöchern und wurde für religiöse Zeremonien genutzt.

nestorpalast bei pylos vase chora archaeological musem messenia pylos Dreibeiniges Keramikgefäß mit Stier- und Hirschköpfen.

Dreibeiniges Keramikgefäß mit Stier- und Hirschköpfen.

Es folgen die Fundstücke aus dem Nestorpalast bei Pylos. Glanzstücke sind die Freskenfragmente aus dem Thronsaal, die durch Rekonstruktionszeichnungen ergänzt wurden. Es gibt Jagd- und Kriegsdarstellungen, Greifen, Löwen und verschiedene andere Szenen aus dem Palast zu bestaunen.

Eine große Öllampe und ein stucküberzogenes Tonbecken wurden sicherlich für religiöse Opferzeremonien der Priester oder Könige verwendet.

In den Vitrinen sind einige der vom Brand geschwärzten Linear-B Tontafeln ausgestellt. Es sind allerdings Kopien, die Originale befinden sich im Nationalmuseum in Athen.

Zum Schluss folgen riesige Pithoi (Vorratsgefäße) und große Mengen an Keramik aus den Palastküchen: Vasen, Krüge, Kylikes, Trinkgefäße, auch Schmuck und Bronzewaffen.

Website: odysseus.culture.gr

Unser Tipp: Wer sich ein umfangreiches Bild der Ausgrabungen des Palastareals machen möchte, sollte das Museum in Chora vor dem Besuch des Nestorpalastes besichtigen. Besonders die Freskenreste und gelungenen Rekonstruktionszeichnungen lassen beim Palastbesuch das mykenische Leben besser vor dem geistigen Auge auferstehen.

Nestorpalast bei Pylos mycenean warrior chora archaeological museum pylos messenia Kriegszene: Mykenische Palastkrieger, mit Lendenschurz und Eberzahnhelmen gerüstet, bekämpfen mit Speeren und Dolchen völlig ungewaffnete Männer. Diese sind lediglich mit über der Schulter geknoteten Tierhäuten bekleidet. Das Fresko aus dem Nestorpalast wird auf 1350 v. Chr. datiert.

Kriegszene: Mykenische Palastkrieger mit Lendenschurz und Eberzahnhelmen, bekämpfen mit Speeren und Dolchen einfache Männer. Diese sind lediglich mit über der Schulter geknoteten Tierhäuten bekleidet, nur einer hat eine Waffe. Das Fresko aus dem Nestorpalast wird auf 1350 v. Chr. datiert.


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Die Nestorhöhle: Steinzeitsiedlung und mykenischer Kultplatz

nestor cave viodolilia pylos romanos messenia peloponnese Die Nestorhöhle: Uralter Kult- und Siedlungsplatz mit Panoramablick auf die Voidokiliabucht. Heute lebt eine Fledermauskolonie in der Höhle.

Die Nestorhöhle: Uralter Kult- und Siedlungsplatz mit Panoramablick auf die Voidokiliabucht. Heute lebt eine Fledermauskolonie in der Höhle.

Im Norden wird die Navarinobucht vom Kap Koryphasion überragt. Am Nordhang des Kaps befindet sich die Nestorhöhle, die von der Voidokiliabucht gut sichtbar ist. Die Höhle ist zwanzig Meter lang und zwölf Meter hoch und ein uralter Siedlungs- und Kultplatz. Der Aufstieg ist entlang der Dünen der Voidokiliabucht, über einen schmalen Pfad problemlos möglich. Archäologische Ausgrabungen in der Höhle brachten Keramikreste von der Steinzeit bis in römische Zeit ans Licht.

nestor cave viodolilia pylos romanos messenia peloponnese Der Höhleneingang liegt etwas unterhalb der Burgmauern von Kap Koryphasion. Archäologische Ausgrabungen brachten Keramik von der Steinzeit bis in römische Zeit ans Licht.

Der Höhleneingang liegt etwas unterhalb der Burgmauern von Kap Koryphasion. Archäologische Ausgrabungen brachten Keramik von der Steinzeit bis in römische Zeit ans Licht.

Auch während der mykenischen Bronzezeit wurde die Höhle als Kultstätte genutzt, wie Tonscherben beweisen. Davon ist heute nichts mehr zu sehen.

Eine Fledermauskolonie und Ziegen, das sind die heutigen Bewohner. Trotzdem – ein sehr besonderer Ort und einen wunderschönen Blick über die Landschaft und auf das türkisblaue Meer gibt es mit dazu.

Bereits in den Jahren 1874 und 1888 erforschte Heinrich Schliemann die Nestorhöhle und konnte umfangreiche mykenische Keramikscherben nachweisen. Dies waren die ersten nachweislichen mykenischen Keramikfunde an der Westküste des Peloponnes.

Eine französiche Grabungskampagne konnte im Jahr 1896 Funde von frühmykenischer bis in römische Zeit bergen. Weitere Forschungen unter W. McDonald und D. Theocharis erfolgten im Jahr 1952. Möglicherweise wurde die Höhle in mykenischer Zeit, bzw. das Areal in ihrer Nähe, als Heiligtum verehrt.

Die beiden Archäologen G. Korres and A. Sampson waren im Jahr 1980 in der Nestorhöhle tätig. Die Untersuchungen ergaben, dass sie seit spätneolithischer Zeit (3500 bis 2800 v. Chr.) bewohnt wurde, allerdings haben spätere Bewohner die meisten Funde eliminiert.
Die Mythologie erzählt folgendes: In der Höhle waren die Rinder des Nestor und früher die des Neleus untergebracht. Der Gott Hermes (Schutzgott der Kaufleute, Hirten und Diebe) soll hier die Rinder, die er dem Apollon gestohlen hatte, geschlachtet haben. Die aufgehängten Felle sollen sich später in Stalaktiten verwandelt haben.

Der griechische Reiseschriftsteller Pausanias, ein Reisender des 2. Jhd. n. Chr., hat die Nestorhöhle besucht. Er schreibt in seinem Buch: Innerhalb der Stadt Pylos (oder Koryphasion) liegt eine Höhle. Hier haben die Rinder von König Neleus und später die von König Nestor ihren Stall gehabt.

Unser Tipp: Ein schmaler Pfad führt von der Nestorhöhle hinauf zur Burgruine Paleo Kastro. Der Aufstieg ist teilweise unwegsam bis steil und erfordert durchaus Klettereinlagen. Für Kinder oder Besucher mit Höhenangst ist die Route ungeeignet. Wir empfehlen den flacheren Aufstieg über die Südseite des Kap Koryphasion.

nestorcave beach voidokilia gialova pylos messenia peloponnese greece Der Aufstieg zur Nestorhöhle wird mit dieser traumhaften Aussicht auf die berühmte Voidoliabucht belohnt.

Der Aufstieg zur Nestorhöhle wird mit traumhafter Aussicht auf die berühmte Voidoliabucht belohnt.


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Koryphasion: Eine mykenische Hafenstadt

koryphasion romanos pylos voidokilia nestorcave messenia peloponnes greece Reste der Hafenstadt Koryphasion: Terrassenmauern, Scherben in Hülle und Fülle. Wer genau hinsieht findet den Eingang zur Nestorhöhle und die Zinnenmauern des Paleo Kastro.

Reste der Hafenstadt Koryphasion: Terrassenmauern, Scherben in Hülle und Fülle. Wer genau hinsieht findet den Eingang zur Nestorhöhle und die Zinnenmauern des Paleo Kastro.

Gleich unterhalb der Nestorhöhle, direkt am Meer und der Zufahrt zum Voidokilia-Strand gelegen, lag einst der Hafen der mykenischen Stadt Koryphasion. Unmengen an Keramikscherben liegen auf dem felsigen Untergrund, Felsenterrassen und Mauerreste sind ebenfalls noch auszumachen.

Diese Reste der Hafenanlagen gehörten zum Nestorpalast bei Pylos im Hinterland. Um das gesamte Kap Koryphasion lag seit mykenischer Zeit eine gleichnamige Hafenstadt. Auf der Akropolis stand ein Tempel der Athena Koryphasia, auch Reste von mykenischen Polygonalmauern um den Gipfel sind noch sichtbar.

koryphasion nestor cave pylos messenia shards Keramikscherben in der einstigen Hafenstadt Koryphasion erzählen Geschichten aus längst vergangenen Zeiten.

Keramikscherben in der einstigen Hafenstadt Koryphasion erzählen Geschichten aus längst vergangenen Zeiten.

Die Stadt Koryphasion wurde im messenischen Krieg, im 7. Jhd. v. Chr., von der Armee Spartas erobert. Die überlebenden Einwohner flohen, oder wurden zu Heloten die den Spartanern als Sklaven dienen mussten.

Heute steht auf dem Gipfel von Kap Korpyphasion das mittelalterliche Paleo Kastro, eine Burgruine, die einst von Venedig im 13. Jhd. erbaut wurde. Von der Anlage sind Türme und Teile des Mauerumgangs erhalten. Awaren, Franken, Genuesen und Türken waren hier später Burgherren.

Das Kastell verlor seine Funktion als die nördliche Hafeneinfahrt in die Navarinobucht verlandete. Dieser schmale Durchlass wird Sikia-Kanal genannt und liegt zwischen Kap Koryphasion und der Insel Sphakteria. Die Osmanen bauten daraufhin im Süden der Navarinobucht, beim heutigen Ort Pylos, das Neo Kastro das bereits die Venezianer angelegt hatten, zu einer mächtigen Bastion aus.

Unser Tipp: Die Burgruine Paleo Kastro kann am besten vom Golden Beach aus erwandert werden. Ein guter Weg führt bis ans Burgtor. Vom Parkplatz benötigt man etwa 45 Minuten für den Aufstieg, der bei großer Hitze anstrengend werden kann. Es bietet sich von oben ein fantastischer Blick über die Ochsenbauchbucht, die Lagune und die ganze Bucht von Navarino.


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Das Kuppelgrab des Prinzen Thrasymedes

thrasymedes grave tholos romanos pylos voidokilia messenia peloponnese Das Tholosgrab des Prinzen Thrasymedes ist es einer der ältesten Gräber des griechischen Festlands. Es hat sechs Meter Durchmesser und wird auf das 16. Jhd. v. Chr. datiert.

Das Tholosgrab des Prinzen Thrasymedes ist es einer der ältesten Gräber des griechischen Festlands. Mit sechs Meter Durchmesser hat es eine imposante Größe und wird auf das 16. Jhd. v. Chr. datiert.

Oberhalb des nördlichen Zugangs zum Voidokiliastrand befindet sich auf dem Plateau eines Felsriffs, ein eingestürztes mykenisches Kuppelgrab. Der Pfad dorthin ist inzwischen beschildert. Bereits Ende des 19. Jhd. entdeckte der Brite G.B. Grundy das bronzezeitliche Grabrund. Systematische Ausgrabungen erfolgten erst in den 50er-Jahren unter Prof. Spyridon N. Marinatos.

Der älteste Sohn von König Nestor, Prinz Thrasymedes, soll hier beerdigt worden sein. In Homers Ilias war Thrasymedes gemeinsam mit seinem Vater König Nestor und seinem Bruder Antilochos Teilnehmer am trojanischen Krieg. Im Gegensatz zu seinem Bruder überlebt er und kehrte mit seinem Vater wieder nach Pylos zurück.

thrasymedes grave tholos romanos pylos voidokilia messenia peloponnese Das Thrasymedesgrab wurde inmitten der Ruinen eines neolithischen Dorfs (2050-1680 v. Chr.) angelegt. Im Hintergrund das Kap Koryphasion mit der Nestorhöhle und der venezianischen Festung.

Das Thrasymedesgrab wurde inmitten der Ruinen eines neolithischen Dorfs (2050-1680 v. Chr.) angelegt. Im Hintergrund das Kap Koryphasion mit der Nestorhöhle und der venezianischen Festung.

Das Tholosgrab hat sechs Meter Durchmesser und wird auf das 16. Jhd. v. Chr. datiert. Somit ist es einer der ältesten Tholosgräber des griechischen Festlands.

Die Archäologen entdeckten in der teilweise geplünderten Grabkammer mehrere menschliche Skelette und ein mitbestattetes Rind. Die Grabbeigaben waren u.a. Pfeilspitzen, Halsketten aus Amethyst, Goldtafeln und bemalte mykenische Keramik.

Bei weiteren archäologischen Forschungen Ende der 70er-Jahre konnte nachgewiesen werden, dass das Kuppelgrab und sein umliegender mykenische Friedhof, inmitten der Ruinen eines neolithischen Dorfes (2050-1680 v. Chr.) angelegt wurden.

Obsidianfunde aus dieser Zeit belegen Handelskontakte zur Kykladeninsel Milos. Obsidian ist ein vulkanisches Gesteinsglas. Im Neolithikum, wurde Obsidian wegen seines scharfkantigen Bruches als Material für Werkzeuge geschätzt.

Die klassischen Griechen des 5. Jhd. v. Chr. verehrten hier den mythischen Helden Thrasymedes und opferten Rinder auf einem Altar vor dem Grabrund.

Fazit

Für uns zählen der Nestorpalast bei Pylos, das Museum in Chora, die beiden großen Tholosgräber, die Nestorhöhle und die wunderschöne Landschaft der Navarinobucht, in ihrer Gesamtheit zu den Highlights einer Peloponnesreise. Auch für uns Archäologiefans sind die Ruinen des bronzezeitlichen Palastes zunächst nicht so eindrucksvoll, wie die Anlagen von Knossos oder Mykene. Aber zusammen mit den zahlreichen Fundstücken im Museum, den Freskenresten und dem hohen Informationsgehalt des Palastarchives, wurde unser Besuch unvergleichlich wertvoll.


Buchtipps
  • DuMont Kunst-Reiseführer, Peloponnes, von Lambert Schneider, 3. Auflage, 2011
  • DuMont Reise-Taschenbuch, Peloponnes, von Klaus Bötig, 3. Auflage, 2016
  • Reiseführer Michael Müller Verlag,  Peloponnes, von Hans-Peter Siebenhaar, 12. Auflage, 2015
  • Spektrum der Wissenschaft, Spezial Archäologie, 1200 v. Chr.: Kriege, Hungersnöte und Erdbeben beendeten die Bronzezeit mit einem Paukenschlag, 1. Auflage, 2016
  • Theiss-Verlag, 1177 v. Chr.: Der erste Untergang der Zivilisation, von Erich H. Cline, 1. Auflage, 2015
  • Phillip von Zabern Verlag, Mykenische Paläste, von Josef Fischer, 1. Auflage, 2017
  • Osprey Publishing, Pylos and Sphacteria 425 BC: Sparta’s island of disaster, englich, 1. Auflage, 2013

pausanias beschreibung griechenlands manesseDer griechische Reiseschriftsteller Pausanias, ein Reisender des 2. Jhd. n. Chr., hat das Grab auf seiner Reise in Messenien besucht und in seinem Buch beschrieben. Pausanias‘ „Beschreibung Griechenlands“ wird der Baedeker der Antike genannt und ist ein ispirierender Reiseführer durch Griechenland und dem Peloponnes. In Schilderungen aus erster Hand wird das Altertum mit seinen Bauwerken, Orakeln und Mythen wieder sehr lebendig.

Manesse-Verlag Zürich, Beschreibung Griechenlands, von Pausanias, Ein Reise- und Kulturführer aus der Antike, Kapitel IV Messenien, 1998.


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ZDF-History: Apokalypse in der Bronzezeit

Um 1200 v. Chr. wird der gesamte östliche Mittelmeerraum von mehreren Katastrophen erschüttert. Auf Kreta verschwindet die minoische Kultur. Das Reich der Mykener in Griechenland geht unter. Das Großreich der kleinasiatischen Hethiter zerbricht. Ägypten wird durch Krisen geschwächt. Historiker und Archäologen streiten über die Ursachen. War ein Vulkanausbruch schuld? Gab es plötzliche Klimaveränderungen? Welche Rolle spielen die mysteriösen „Seevölker“, die mit ihren Überfällen die Küsten des Mittelmeers heimsuchen?


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