Schlosspark Nymphenburg: Einzigartiges Naturparadies mitten in München

Der Badenburger See mit Apollontempel ist einer der schönsten Plätze im Schlosspark Nymphenburg.

Münchner Idylle: Der Badenburger See ist einer der schönsten Plätze im Schlosspark Nymphenburg.

Jeder sucht sich sein kleines Paradies. Wir haben es mit dem Schlosspark Nymphenburg gefunden, fast vor unserer Haustüre. Seit langem ist er unser Ruhepol in München, hier sind wir in einer anderen Welt, weit weg von der Hektik der Großstadt. Die Nymphen der griechischen Mythologie gaben dem Park seinen Namen, für uns als bekennende Freunde Griechenlands ist alleine schon der Ursprung des Parknamens Inpiration. Unsere Liebeserklärung an den Park ist längst überfällig.

Denn der ist eine prachtvolle Schloss- und Parkanlage, ein historisches Denkmal der Gartenbaukunst und ein wertvolles Landschaftsschutzgebiet. Besonders das Naturerlebnis ist hier für uns der höchste Genuss, denn der Schlosspark bietet vielen Pflanzen und Tieren wichtigen Lebensraum. Natürlich lassen sich Begegungen mit Tieren nicht im voraus planen, aber gerade diese Überraschungen machen jeden Besuch so einzigartig.


Rundweg durch den Schlosspark Nymphenburg

Wir stellen unseren Lieblingsspaziergang durch den weitläufigen Englischen Landschaftsgarten des Schlosspark Nymphenburg vor, mit Natur- Fotografie- und Einkehrtipps. Der Besuch des Parks ist ein absolutes Muss einer München-Reise – vielleicht können wir unsere Leser sogar zu einer Reise inspirieren. Möglicherweise lassen sich auch Münchner Naturliebhaber von unseren Tipps anregen.

Möglich ist Rundweg das ganze Jahr, da die Wege im Winter ebenfalls gut begehbar sind. Er führt durch den Eingang am Laimer Tor an der Zuccalistraße, um den Badenburger- und Pagodenburger See, weiter zum Schlosscafe im Palmenhaus und den nahegelegenen historischen Gewächshäusern.

Am Ende des Rundwegs passieren wir die Amalienburg und erreichen nach etwa zwei Stunden (ohne Aufenthalt im Schlosscafe) wieder den Ausgangspunkt am Laimer Tor. Der angegebene Zeitraum wird für Naturfotografen zu kurz sein, sie sollten etwa drei Stunden einplanen.

Als Besuchszeiten für Naturbeobachtungen empfehlen wir die Morgenstunden bis zum frühen nachmittag, idealerweise an einem Wochentag. An den Wochenenden, besonders Nachmittags ist der Park bei schönem Wetter sehr gut besucht, so dass individuelle Tierbeobachtungen eher unwahrscheinlich sind.

Tipp für Autofahrer: In der Zuccalistraße oder den angrenzenden Nebenstraßen sind genügend Parkplätze vorhanden.


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Der Schlosspark Nymphenburg: Ein Landschaftsschutzgebiet

Mit seinen Landschaftselementen bietet der Park vielen Pflanzen-, Säugetier- und Vogelarten einen Lebensraum. Immerhin leben hier 17 Säugetier- und 175 Vogelarten auf einer Fläche von 180 Hektar. Für uns begeisterte Naturfotografen ist der Park das ganze Jahr eine unendliche Fundgrube. Wir betreten das Gelände und schon nach wenigen Schritten umfängt uns die Stille und Magie der Natur.

Die teilweise dreihundert Jahre alten Mischwaldbestände bieten Nistmöglichkeiten für Höhlenbrüter und Fledermäuse, wie Abendsegler und Zwerg-Fledermaus. Auch Rehe sind, seit der Zeit als der Park königliches Jagdrevier war, hier beheimatet. Die Rehe sind scheu, wir haben schon längere Zeit keine mehr beobachten können. Außerdem leben Füchse, Kaninchen und Iltisse im Park.

Brutvögel sind, von den Wasservögeln abgesehen, beispielsweise Baumfalken, Sperber, Eisvögel, Waldkäuze, Trauerschnäpper und Waldlaubsänger. Als Winterquartier für Zugvögel ist hier ebenfalls ein wichtiger Lebensraum, auch für die seltene Kolbenente. Seidenschwänze nutzen den Park ebenfalls zum Überwintern.

In den Wiesen leben zahlreiche Schmetterlingsarten: Großes Ochsenauge, Kaisermantel, Zitronenfalter, Aurorafalter, Schillerfalter. Im Kugelweiher, ganz im Norden des Parks, können Erdkröten, Grasfrösche, Ringelnattern und Libellen gut beobachtet werden.

Der Schlosspark Nymphenburg ist mittlerweile durch das Vorrücken der städtischen Bebauung vollständig von Siedlungsflächen umgeben. Daher ist ein biologischer Austausch mit Populationen außerhalb, außer bei Vögeln, kaum möglich. Der Nymphenburger Kanal nach Osten und die Achse zur Blutenburg nach Westen bieten die einzigen Verbindungen.


Am südlichen Kanal und dem Dörfchen

Unser Rundweg beginnt in Richtung Westen zum Badenburger See. An der Weggabelung auf Höhe der Amalienburg, passieren wir eine einzeln stehende Farnblättrige Buche, die auch als ein Naturdenkmal gekennzeichnet ist. Im ganzen Park sind mehrere Bäume mit Metallschildern an den Baumstämmen als Naturdenkmäler ausgewiesen. Die alten Mischwaldbestände empfinden wir gerade zu Beginn des Spaziergangs zu jeder Jahreszeit besonders eindruckvoll.

Wir erreichen den südlichen Kanal und sehen bereits die Häuser des sogenannten Dörfchens. Im zweistöckigen „Grünen Brunnhaus“ wurde im 18. Jahrhundert eine zweiteilige Pumpanlage installiert, die später erneuert wurde. Sie wurde schon zur Zeit ihrer Entstehung als Meisterwerk betrachtet und gilt als Meilenstein der Ingenieurkunst. Die Anlage versorgt seither die große Fontäne im Gartenparterre des Schlosses.

Das Pumpwerk kann von Ostern bis Mitte Oktober besichtigt werden.  Im Dörfchen gab es eine Schmiede, einen Teich mit Bibergehege und Biberwärterhaus. Einige der idyllischen Häuschen sind bis heute bewohnt. Eine prachtvolle Stieleiche steht in eindrucksvoller Größe zwischen den Gebäuden.

Am südlichen Kanal sind die Wasservögel verwöhnt durch Brotwürfel und anderem Futter, daher sind sie besonders im Winter dezent aufdringlich. Dennoch, bereits hier können seltenere Wasservögel und Zwergtaucher beobachtet werden. In den Wiesenflächen neben dem Kanal blühen im Frühjahr Schlüsselblumen, Veilchen, Leberblümchen und Primeln.


Der Waldkauz Kasimir und seine Familie

Unser Weg geht am südlichen Kanal weiter bis zu einer großen alten Linde. Sie liegt direkt vor der Brücke zur Badenburg. Die Linde hat mehrere Höhlen, in denen oft gut getarnte Waldkäuze (Strix aluco) sitzen. Auch tagsüber kann man sie mit etwas Glück beobachten. Stadtbekannt und oft fotografiert, fast schon ein Prominenter Münchens, ist der Waldkauz Kasimir. Regelmäßig sitzt er in seiner Höhle in der Linde, in etwa zehn Meter Höhe.

Wenn Menschentrauben an der Linde stehen, alle den Kopf in den Nacken legen und nach oben blicken, dann ist dies ein gutes Zeichen: „Kasimir ist da!“ Wer ein Teleobjektiv auf seinem Fotoapparat hat, ist in einem solchen Moment natürlich besonders glücklich. Zumal sich außerdem das eine oder andere Gespräch unter „Fans“ ergeben kann.

Im Spätherbst beginnt die Balz der Waldkäuze. Dann ist meist ein Weibchen in der Nähe, es mag offensichtlich keine Höhlen, denn es sitzt hoch oben auf den Ästen der naheliegenden Bäume. Es wird von Eulenliebhabern auch „Karoline, die Höhlenlose“ genannt. Waldkäuze leben streng monogam, haben sich zwei Partner einmal gefunden, bleiben sie ein Leben lang zusammen. Die Brutzeit beginnt im März. Im Frühling 2015 hat es auch wieder Nachwuchs gegeben.

Der Schlosspark Nymphenburg ist auch ein hervorragender Lebensraum für Waldkäuze. Es gibt genügend Nahrung und jede Menge alte Bäume mit großen Höhlen. Die Raubvögel sind nachtaktiv und fangen Mäuse und Insekten. Angestammte Lebensräume werden über Generationen besiedelt. Die Vögel werden etwa vierzig Zentimeter groß. Ihr Federkleid changiert zwischen Grau und Rotbraun. Ihre Flügelspannweite beträgt fast einen Meter. Weitere Beobachtungspunkte sind der Kabinettsgarten (nahe der alten Gewächshäuser, nur mit Führung zugänglich) und der Bereich um die Pagodenburg.

Info: Der Landesbund für Vogelschutz in München bietet ornithologische Führungen an: LBV München


Der große See mit Badenburg und Apollotempel

Einer der schönsten Plätze des Parks ist der große See oder Badenburger See im Süden. Im See liegen drei Inseln die besonders im Frühjahr beliebte Brutplätze für Wasservögel sind. Fast das ganze Jahr über können verschiedene Entenarten, Blässhühner, Schwäne, Grau-, Kanada- und Nonnengänse, Hauben- und Zwergtaucher gut beobachtet werden. Die hübschen Gänsesäger sind im Winterhalbjahr als Durchzügler im Park. Mittlerweile brüten sie hier auch erfolgreich.

Die Badenburg passieren wir gleich zu Beginn unseres Parcours um den See. Die Badenburg wurde im 18. Jahrhundert erbaut und diente ausschließlich dem Zweck, hier ein komfortables Bad genießen zu können. Damals ein wahrhaft königlicher Luxus!

Für eine erste Rast locken, gleich gegenüber der Badenburg, verführerisch mehrere schön gelegene Parkbänke am Seeufer. Hier steht auch eine knorrige Sommerlinde, die mit ihrem dichten Blätterdach angenehme Schattenkühle spendet und ein weiteres Naturdenkmal im Park ist.

An der Westseite des Sees blühen ab März ganze Wiesen mit gelben Narzissen. Schneeglöckchen und Schlüsselblumen sind hier die ersten Frühlingsboten. Besonders gerne sitzen wir auf einer etwas versteckten Parkbank, schräg gegenüber des Apollotempels. Sie ist nur wenige Meter vom Hauptweg entfernt zu finden. Hier können wir den schönen Blick auf die Inseln, den Tempel und den Mischwald genießen. Zusätzlich sind natürlich immer neugierige Wasservögel in der Nähe.

Auf einer Landzunge steht der Apollotempel, von verschiedenen Stellen des Ufers ist er gut sichtbar. Genau betrachtet ist es ein Monopteros mit zehn Säulen. Im Inneren befindet sich eine Marmorstele, auf der eine Widmung von Ludwig I. angebracht ist. Ein perfekter und beliebter Platz im Frühjahr zum Einfangen der ersten warmen Sonnenstrahlen.

Die beiden Seen prägen den Nymphenburger Park und seine Natur maßgeblich. Manchmal vergisst man dass es künstliche Gewässer sind, die erst im Zuge der Umgestaltung angelegt wurden. Der Erdaushub lieferte das Material, das im Anschluß zur Gestaltung der Wiesentäler diente.

Karpfenabfischen im Herbst

Mittlerweile zur Tradition ist im Oktober das Abfischen der Karpfen geworden. Am Badenburger See haben wir es einmal miterleben können. Übers Jahr mit den Brotwürfeln der Parkbesucher aufgepäppelt, sind die Karpfen ausgesprochen stattliche Exemplare. Mit großen Keschern werden die Fische in geräumige Bottiche umgesetzt.

Nach dem Abfischen werden wieder junge Spiegel- und Schuppenkarpfen und Schleien eingesetzt, da Jungfische im Wachstum die Algen in den Seen besser abweiden als erwachsene Exemplare. Manche der ausgewachsenen Karpfen werden in andere Gewässer im Umland umgesiedelt, ein Teil der Fische wird auch verkauft.


Der kleine See und die Pagodenburg

Nach der Umrundung des großen Sees überqueren wir auf der Brücke den Hauptkanal des Schlossparks und gelangen in den nördlichen Teil. Hier liegt der kleinere See, auch Pagodenburger See genannt. Auch hier bietet sich eine Rast auf den Parkbänken des Seeufers an. Es lassen sich, wie am Badenburger See, auch hier alle Arten von Wasservögeln gut beobachten und fotografieren.

Ein kleiner Schilfsaum im Osten rahmt den See ein, in dem manchmal schwimmende Ringelnattern zu sehen sind. Die sehr scheuen, ungefährlichen Schlangen ernähren sich überwiegend von Amphibien – und finden in den flachen Seen genügend Nahrung. Aber keine Angst, Ringelnattern sind für Menschen und Haustiere nicht bedrohlich.

Als Lustschloss wurde die zweistöckige Pagodenburg errichtet. Sie wurde nur für exklusive Feste in entspannter Atmosphäre genutzt. Das Erdgeschoss besteht aus einem Raum mit orientalischem Dekor, einer Deckenmalerei und prächtigen Kacheln. Das obere Stockwerk bekam einen fernöstlichen Stil mit exotischen Verzierungen.

Überraschungsgast im Park – Ein Eisvogel

Nahe den Kanälen und Brücken hinter dem Pagodenburger See haben wir im Spätherbst mehrmals einen Eisvogel (Alcedo atthis) beobachten können. Es war genau genommen ein Zufall, denn sein leuchtendes blaues Federkleid war ein Farbtupfer im Mischwald. Sein schriller Pfiff hat ihn ebenfalls „verraten“.

Den genauen Platz möchten wir nicht nennen, da Eisvögel scheue und in Bayern sehr seltene Vögel sind. Das Stativ der Kamera war ärgerlicherweise nicht dabei, so dass die Fotos mit hohen ISO-Werten aus der freien Hand geschossen wurden, daher sind die Ergebnisse entsprechend mittelmäßig.

Eisvögel leben bevorzugt an mäßig fließenden oder stehenden Gewässern mit Kleinfischbestand und lieben Sitzwarten über dem Wasser. Auch Eisvögel müssen sich anpassen, denn natürliche Lebensräume für sie sind rar geworden. Die vielen Flussbegradigungen machen es ihnen schwer. Wie gut, dass der Nymphenburger Schlosspark hier einen annähernden „Ersatz“ bieten kann.

Der Spaziergang führt uns weiter nach Osten in Richtung Schloss und kurz davor zu den historischen Palmenhäusern.


Neu: Gondelfahrten am Canale Grande del Castello di Nymphenburg

Nicht umsonst wird München als die nördlichste Stadt Italiens gehandelt. Bevor wir zu den Palmenhäuser gelangen können wir auf dem Mittelkanal, oder besser gesagt „Canale Grande del Castello di Nymphenburg“, die neueste Attraktion gewundern: Eine venezianische Gondel. Seit April 2015 können sich Besucher auf dem breiten Mittelkanal entlangschippern lassen. Bei schönem Wetter genießt man für eine halbe Stunde barockes Flair und schwebt auf dem Schlosskanal dahin.

Die Gondelfahrten auf dem Mittelkanal haben bereits eine lange Tradition: Schon Kurfürst Max-Emanuel und seine Hofgesellschaft genossen in goldenen Prunk-Gondeln sitzend den Blick auf die Parkanlage. Besonders die romantische Atmosphäre verführt die heutigen Besucher zum Gondelfahren. Eine venezianische Gondel ist rund elf Meter lang und etwa siebenhundert Kilogramm schwer. Übrigens: Die Gondolieri wurden selbstverständlich in Venedig ausgebildet.

Unser Fazit: Der Festpreis ist mit 15 Euro pro Person für eine halbe Stunde Gondelfahrt nicht besonders günstig. Dennoch: In Venedig würden wir mindestens den doppelten Preis pro Person zahlen und müssten vor Beginn der Fahrt noch mit dem Gondolieri den Preis aushandeln. Für Romantiker ist eine also Gondelfahrt im Nymphenburger Schlosspark eine echte Empfehlung!

Info: Gondelfahrten Schloss Nymphenburg


Schlosscafe im Palmenhaus

Vom Mittelkanal sind es nur noch wenige Meter zu den Gewächshäusern im Norden des Parks. Eine lange Runde mit umfangreicher Fotoausrüstung weckt immer Lust auf eine Einkehr. Hier empfehlen wir das Schlosscafe im Palmenhaus. In der warmen Jahreszeit kann man wunderbar im Freien sitzen und vielleicht den ersten Sprizz des Frühjahrs genießen. Wenn es kalt ist lässt es sich im Wintergarten, umgeben von tropischen Palmen, gut aushalten.

Das Preis-Leistungsverhältnis des Speisecafes ist zwar etwas gehoben, aber nicht abgehoben, der Service professionell. Das Palmenhaus war früher ebenfalls ein Gewächshaus. Im Innenraum stehen Palmen und andere exotische Pflanzen. Große Kronleuchter und goldgerahmte Bilder an den Wänden, dazu dezentes Licht – Ein gediegener Platz für Kaffee und Kuchen. Zusätzlich wird im Sommer im Freien ein Selbstbedienungs-Kiosk angeboten.


Die historischen Gewächshäuser mit vorgelagertem Blumengarten

Das östliche Gewächshaus wurde nach einem Brand aus Eisen und Glas neu erbaut und hat seither den Namen Eisernes Haus. Die Räume unter dem Dach waren die Wohnräume der Gärtner, die für konstante Temperaturen sorgten. So war es möglich exotische Pflanzen zu kultivieren. Vor dem Eisernen Haus befindet sich ein hübscher Brunnen mit der Skulptur eines Knaben, der von einem Delphin in die Tiefe gezogen wird.

Vor dem Eisernen Haus befindet sich ein runder Brunnen mit einer Knabenskulptur und einem Delphin.

Alle vier historischen Gewächshäuser des Schlosspark Nymphenburg stehen in einer Reihe, parallel zum Grundriss des Gartenparterres, meist Blumengarten genannt. Sie wurden im Zeitraum von 1755 bis 1867 erbaut.

Das östliche Gewächshaus wurde nach einem Brand aus Eisen und Glas neu erbaut und hat seither den Namen Eisernes Haus. Die Räume unter dem Dach waren die Wohnräume der Gärtner, die für konstante Temperaturen sorgten. So war es möglich im Eisernen Haus exotische Pflanzen zu kultivieren. Davor befindet sich ein hübscher runder Brunnen mit der Skulptur eines Knaben, der von einem Delphin in die Tiefe gezogen wird. Besonders schön sind die bequemen weißen Sitzbänke die im Frühsommer den Blumengarten und die Gewächshäuser zu einer erholsamen Oase machen.

Gleich daneben steht das sogenannte Geranienhaus in dem sich heute die Dauerausstellung über den Gartenarchitekten von Sckell befindet. Die beiden Pavillons waren Aufenthaltsräume der bayerischen Könige. Ein weiterer Brunnen befindet sich auch vor dem Geranienhaus. In seiner Mitte ist die Skulptur eines Knaben, der auf einem Delphin reitet.

Eine weitere Statuengruppe mit vier Figuren schmückt den Blumengarten. Sie stellt das Urteil des trojanischen Prinzen Paris dar. Die Statuen zeigen Paris mit dem Apfel als Gegenstand des Streits, Aphrodite, Hera und Pallas Athene (von links nach rechts). Westlich davon steht das Palmenhaus in dem sich heute das „Cafe im Palmenhaus“ befindet. Nördlich davon liegt das Schwanenhals-Gewächshaus. Es ist das älteste der vier Gebäude, auch hier wurden exotische Früchte für die Hofküche gezogen.

Im Blumengarten gedeihen verschiedene exotische Bäume, die besonders im Frühjahr eine eindrucksvolle Blütenexplosion hervorbringen. Wir möchten das Areal vor den Gewächshäusern besonders Fotografen mit Makro-Objektiven und einem Hang zur Blumen- und Pflanzenfotografie ans Herz legen. Am östlichen Ende sind ab Februar/März großflächige Blütenteppiche mit Krokussen und Schneeglöckchen zu bewundern.


Ausstellung im Geranienhaus: Geschichte, Gestaltung und Pflege des Schlossparks

Der bayerische Kurfürst Max IV. Joseph erteilte 1799 den Auftrag zur Umgestaltung des barocken Schlossparks. Davon unberührt blieben die Teile des Gartens direkt am Schloss. Zwischen 1804 und 1823 führte der Gartenarchitekt Friedrich Ludwig von Sckell, die Umgestaltung zum Englischen Landschaftsgarten aus. Bei der Gestaltung eines solchen Gesamtkunstwerks geschieht nichts aus Versehen, alles ist bewusst vom Gartenkünstler komponiert. Dadurch wird ein besonderes Raumgefühl geschaffen.

Sckell ersetzte die vorhandenen Beete und Hecken durch natürliche Gestaltungselemente: Verschiedenartige Gehölze, Wiesen mit Bodenmodellierungen, Seen und Bäche mit natürlich wirkenden Ufern und Inseln, Wege mit geschwungenen Verläufen. Dadurch schuf er abwechslungsreiche Landschaftsbilder, wirkungsvoll wurden die barocken Parkschlösschen in seine Kompositionen einbezogen.

Die Fotografien der Schlossparkpläne und Gemälde stammen aus der empfehlenswerten Ausstellung im Geranienhaus. Inhalt der Ausstellung ist nicht nur Historie, sondern auch die heutige Situation des Parks, im Hinblick auf Denkmal- und Naturschutz.

Info: Dauerausstellung im Geranienhaus “Friedrich Ludwig von Sckell und Nymphenburg. Zur Geschichte, Gestaltung und Pflege des Schlossparks.” Öffnungszeiten: Anfang April bis Mitte Oktober, täglich 9 bis 18 Uhr.


Der Kronprinzengarten und die Amalienburg

Der Kronprinzengarten ist ein Holzbau und war das Spielhaus des jungen Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I.

Der Kronprinzengarten war das Spielhaus des jungen Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I.

Auf unserem Rückweg zum Laimer Tor überqueren wir das gut besuchte Gartenparterre vor dem Hauptgebäude des Schlosses und nehmen den Weg Richtung Süden. Zunächst kommen wir am Kronprinzengarten, nordöstlich der Amalienburg vorbei. Der zweigeschossige Pavillon ist ein Holzbau mit zwei Stockwerken und war das ehemalige Spielhaus des jungen Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I.

Der Garten wird durch einen Holzzaun vom übrigen Amalienburger Garten abgegrenzt. Wir besuchen die Anlage gerne, da sie von den meisten Besuchern übersehen wird und eher ruhig ist. Wie eine Lichtung im Wald wirkt der offene Teil des Kronprinzengartens mit der Felsenquelle, dahinter stehen in ehrwürdiger Stille betagte Bäume.

Kurz nach dem Kronprinzgarten sehen wir bereits die Amalienburg durch eine breite Waldschneise. Die Amalienburg zählt zu den kostbarsten Schöpfungen des Rokoko und wurde als Jagdschloss für die Fasanenjagd erbaut. Grundriss, Außenbau und Raumfolge formen ein Gesamtkunstwerk von erlesener Schönheit.

Eine Plattform mit Gitter die in der Dachmitte aufgesetzt ist, diente als Hochstand für die Fasanenjagd: Die Vögel wurden von der damaligen Fasanerie zur Amalienburg getrieben. Da die Amalienburg durch die im Hause befindliche Küche versorgt werden konnte, war kein eigenes Wirtschaftsgebäude erforderlich.

Bei allem Trubel an der Amalienburg im Sommer, so still ist es dann hier im Winter. Eine kleine Entdeckung konnten wir im schneereichen Winter 2014/15 machen. Direkt unter den ausladenden Ästen der Nadelbäume nahe der Amalienburg, fanden wir Dutzende von Schlafmulden, die von Rehen stammen mussten. An den Spuren der Rehe im Schnee konnten wir gut erkennen, dass sie hier in der Nacht geschlafen hatten.


Wie Nymphenburg seinen Namen erhielt

Badende Nymphen, Ölgemälde von Carl Spitzweg aus dem Jahr 1873.

Badende Nymphen, Ölgemälde von Carl Spitzweg aus dem Jahr 1873.

Schloss Nymphenburg wurde 1664 durch Kurfürst Ferdinand Maria in Auftrag gegeben. Als imposantes Geschenk an seine Gemahlin Henriette Adelheid von Savoyen, nachdem sie den lang ersehnten Thronerben Max Emanuel geboren hatte. Die Grundsteinlegung für den „Schwaigbau zu Nymphenburg“ erfolgte noch im gleichen Jahr. Hier schuf sie sich die Kurfürstin ein Sommerschloss und gab ihm den Namen Nymphenburg.

Eine Sage aus dem Haus Savoyen erzählt folgendes: Der erste Graf von Savoyen erhielt von einer Nymphe den Herrschaftsring für sein Landgut. Mit der Übergabe des Ringes haben die Nymphen ihre Macht an den Grafen übergeben. Denn Nymphen sind die eigentlichen Herrscherinnen und Behüterinnen des Landes und Garantinnen der Fruchtbarkeit. Der Ring ist also ein Symbol dafür, dass das Landgut als Lehen vom Grafen übernommen wird.


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Mit dem Namen Nymphenburg drückte also Henriette Adelheid von Savoyen, in Anlehnung an die Sage aus, wie sie sich als Eigentümerin ihres Schlosses verstand. Durch die Gunst der Nymphen wurde ihr das Landgut übergeben, hierin lag der Segen für ihre rechtmäßig ausgeübte Herrschaft, für eine verantwortlich gelebte Nutzung und Pflege der Natur. Der Name ist also nicht aus einer romantischen Gedankenspielerei entstanden, sondern der Name war für die Kurfürstin Auftrag und Verpflichtung.

Nymphen sind Naturgeister aus der griechischen Mythologie. Sie sind Beschützerinnen der Berge, Bäume, Wiesen, Quellen oder Grotten. Nymphen schweifen gerne im Wald umher und führen Tänze auf, manchmal pflanzen sie auch Bäume. Sie sind auf verschiedene Weise den Menschen hilfreich. Geräuschvolle Tätigkeiten der Menschen meiden sie aber. Nymphen sind wie Menschen sterblich, sie leben allerdings wesentlich länger. Der Tod einer Nymphe wird meist mit dem Ende dessen, was sie beschützte gleichgesetzt. Beispiele dafür sind versiegte Quellen oder gefällte Wälder.

Wir spannen mit unserem Spaziergang durch den Landschaftsgarten des Schlossparks Nymphenburg einen weiten Bogen zu unserem Reiseblog, der eigentlich die mediterranen Länder zum Inhalt hat. Die Nymphen der griechischen Mythologie verbinden auf wunderbare Weise unsere Themen.


Infos Schlosspark Nymphenburg

Parköffnungszeiten:

Januar bis Februar von 6.30 bis 18 Uhr
März von 6 bis 18.30 Uhr
April von 6 bis 20.30 Uhr
Mai bis August von 6 bis 21.30 Uhr
September von 6 bis 20.30 Uhr
Oktober von 6 bis 19 Uhr
November von 6.30 bis 18 Uhr
Dezember von 6.30 bis 17.30 Uhr
Die oben angegebenen Uhrzeiten beziehen sich auf das Haupttor am Schloss, alle übrigen Tore werden eine halbe Stunde vorher geschlossen. Der Eintritt zum Schlosspark ist frei. Die Fontänen sind von Ostern bis Mitte Oktober in Betrieb. Hunde an der Leine dürfen mit in den Park. Fahrräder müssen am Eingang abgestellt werden.

Grafik Nymphenburger Schlosspark München

In der Karte sind die wichtigsten Punkte des oben beschriebenen Rundwegs angegeben.

Links-Tipps:

Website der Bayerischen Verwaltung der Schlösser, Gärten und Seen mit umfangreichen Besucherinfos, Öffungszeiten, Eintrittspreisen und Führungen.

Der Verein Schlosspark-Freunde-Nymphenburg widmet sich dem Geist der Parkgründer und setzt sich für die Zukunft des Schlossparks ein. Konzepte zur nachhaltigen Parkpflege wie Naturschutz, Landschaftspflege, Denkmalschutz und Programme zur kulturellen Wiederbelebung.

Buch-Tipps:

Fachbuch „Die Vogelwelt des Nymphenburger Schlossparks in München“ von Thomas Grüner, Franz Hammerl-Pfister, Hildegard Pfister, Manfred Siering, Ornithologische Gesellschaft in Bayern, Sonderheft des Ornithologischen Anzeigers,  2013
Bildband „Schloss Nymphenburg , Geschichte – Bauwerke – Menschen“ von Doris Fuchsberger und Albrecht Vorherr, Allitera Verlag, 2015
BildbandSchloss Nymphenburg“ von Klaus G. Förg, Rosenheimer Verlagshaus, 2012
BildbandEin Garten der Natur: Friedrich Ludwig von Sckell und die Parklandschaft zu Nymphenburg“ von Sigrid Neubert,  Albrecht Knaus Verlag, 2010


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