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Von Drena im Sarcatal fahren wir auf der Landstraße SP84 weiter ins grüne Tal von Cavedine. Das Valle di Cavedine liegt abseits der großen Besucherströme, in traumhaft schöner Gebirgslandschaft. Von Riva del Garda sind es etwa zwanzig Kilometer hierher. Das Cavedinetal ist uraltes Siedlungsgebiet, die kleinen Dörfer sind noch unberührt und ziehen sich verschachtelt die Talhänge hinauf.
Das römische Imperium hatte im Tal von Cavedine eine befestigte Straße angelegt um damit das damals unpassierbare Sarcatal zu umgehen. Diese Römerstraße verband die Stadt Tridentum (Trento) mit dem nördlichen Gardasee. Der archäologische Wanderweg beim Dorf Cavedine, führt entlang dieser Römerstraße zu drei interessanten archäologischen Fundstätten.
Das Dorf Cavedine ist mit 3.000 Einwohnern das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum im Tal. Die Verbindung von Argarlandschaft und bäuerlicher Gesellschaft ist in den Dörfern erhalten geblieben. Die alten Baustrukturen der Palazzi, Brücken, Bogengängen und Steintreppen wird liebevoll bewahrt.
Schönster Dorfplatz im ganzen Tal ist die Piazza Italia in Cavedine. In der Bar „Caffe Pedro“ lässt es sich entspannt einkehren und das Ensemble der Piazza betrachten. Rund um das Dorf erheben sich der Monte Bondone, Monte Casale, Monte Gazza-Paganella und dahinter die Brenta-Dolomiten.
Lest dazu unsere 10 Touren-Vorschläge im Norden vom Gardasee. Wir möchten eure Reiselust zu den verborgenen Schätzen der Region wecken. Die Extra-Tour führt in ein idyllisches Dorf abseits der Massen, am Ostufer des Sees. Extras: Empfehlungen zur Reisezeit, Anfahrt, Restaurants, Einkaufen, Parkmöglichkeiten. Garda Trentino: 10 Ausflugstipps im Norden vom Gardasee – plus Extra-Tour bei Malcesine
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Archäologische Wanderung: Von der Steinzeit zu den Römern
Der archäologische Wanderweg führt entlang der Hochebene von Cavedine. Beginn der Rundwanderung ist die Piazza Italia, der Hauptplatz von Cavedine, der Weg führt auch wieder hierher zurück. Von der Piazza Italia biegen wir in die Via Ospedale, dieser folgen wir bis zum Ende.
Wir biegen rechts ab auf die Via Fraitelli, bis die Via Amando Diaz erreicht ist. Auf dieser gehen wir links hinauf, zur barocken Pfarrkirche Santa Maria Assunta. Der erste Vorgängerbau der Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und spielte eine wichtige Rolle in der mittelalterlichen Geschichte des Tals.
Entlang der Kirche verläuft die Piazza Guispeppe Garibaldi, dieser folgen wir weiter. Dann biegen wir links in die Via Carnion an der wir weitergehen, bis die Straße Via dei Romani heißt. Hier steht ein großer Wegweiser mit der Beschriftung „Passeggiata touristica archeologica“ und „Fonte Romana“, diesem folgen wir. Nun verlassen wir das Dorf Cavedine und erreichen einen breiten Feldweg.
Mehr Info (italienisch): www.archeotrentino.it/passeggiata-archeologica-di-cavedine
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Der römische Brunnen
Der sogenannte „römische Brunnen“ unter schattigen Bäumen ist bald erreicht. Der breite Zugang zum Wasserbecken ist auf beiden Seiten mit massiven Steinmauern eingefasst, die sich in Richtung Brunnen verjüngen. Rechts vom Brunnenhaus führt eine Steintreppe nach oben. Im ganzen Trentino ein einzigartiges Bauwerk.
Die ganze Konstruktion erinnert uns an einen Zugang (Dromos) zu einem bronzezeitlichen Kuppelgrab (oder Tholosgrab), einer antiken Grabform. Solche Grabbauten wurden vom Volk der Etrusker angelegt, wie z. B. in der etruskischen Nekropole von Vetulonia in der Toskana. Etrusker besiedelten auch das Trentino. Forschungen vor Ort bestätigen einen Ursprung in vorrömischer Zeit.
Am Ende des Zugangs zum Brunnen befindet sich ein kurzes, exakt gemauertes Gewölbe, Teppen führen bis zum Wasserbecken hinab. Hier wird das Wasser, das aus einer Grundwasserschicht stammt, unter einem Steinbogen in einem rechteckigen Becken gesammelt.
Vielleicht haben die römischen Bauherren die Anlage von den Etruskern übernommenen und für ihre Zwecke umgestaltet? Der Eingang zum heutigen Brunnenhaus könnte auch einst der Zugang zu den Grabkammern eines etruskischen Kuppelgrabes gewesen sein.
Mit völliger Sicherheit kann das Ensemble nicht der Römerzeit zugeordnet werden – sein hohes Alter ist offensichtlich. In der Nähe befinden sich Picknicktische für eine Pause und eine Infotafel. Nach etwa einer halben Stunde entlang der alten Straße wandern wir am Bildstock Maria Assunta vorbei.
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Die Höhle „La Cosina“
Der Feldweg wird zum Pfad und geht einen Felsrücken hinauf. Unter uns, im Tal von Cavedine, sehen wir das Dorf Stravino. Die kleine Kalksteinhöhle „La Cosina“, auch „Cosina di Stravino“ genannt, ist bald erreicht. Eng und niedrig ist es im Inneren der Höhle, eine Taschenlampe wäre hilfreich gewesen.
Während der Kupfersteinzeit (Äneolithikum) und der Frühbronzeit, im Zeitraum vom 3. bis zum 2. Jahrtausend v. Chr., wurde die Cosina-Höhle als Bestattungsplatz genutzt. Dies war offenbar in diesem Zeitraum im südlichen Alpenraum traditionell verbreitet.
Der Archäologe Giacomo Roberti (1874 – 1960) aus Rovereto konnte während der Grabungskampagne im Jahr 1912, insgesamt fünf unversehrte Gräber mit Grabbeigaben freilegen. In den Gräbern fanden sich verschiedene Steinwerkzeuge, Tongefäße und eine Dolchklinge.
In den folgenden Epochen wurde die Cosina di Stravino bevorzugt von Jägern und Hirten genutzt, die hier Feuer entfachten und ihre Mahlzeiten zubereiteten.
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Die „Carega del Diaol“ – Der Teufelssessel
Nachdem wir die eindrucksvolle Felsenlandschaft mit der Höhle hinter uns gelassen haben, erreichen wir die „Carega del Diaol“. Der Felsblock, der ein wenig dem Rest eines Dolmen oder einem Megalithgrab ähnelt, befindet sich ein wenig versteckt neben der Römerstraße unter Bäumen.
Die Anlage wird von den Bewohnern des Cavedinetals, wegen ihrer merkwürdigen bank-ähnlichen Form, „Carega del Diaol“ (Teufelssessel) oder „Trono della Regina“ (Thron der Königin) genannt. An seiner Ostseite des Felsblocks ist eine Ausbuchtung, dort ist keilförmig eine Vertiefung eingeschlagen worden, auf der eine Inschrift steht.
Auf der „Carega del Diaol“ steht folgende Inschrift:
Originaltext (latein):
Pliammus Terti M
andilonis f(ilius) sibi et P
rimae Libertae ux(ori)
Übersetzung:
Pliammus, Sohn von Tertius
Mandilonis, für sich und seine
Frau zur Verfügung gestellt.
Diese Inschrift wird von den Forschern in das 1. Jhd. n. Chr. datiert, dem Beginn der Romanisierung des Trentinos. Der Text beinhaltet eine Grabinschrift. Das eigentliche Grab des Pliammus und seiner Frau konnte trotz archäologischer Ausgrabungen nicht gefunden werden. Die Namen der beiden Personen bezeugen ihre Herkunft aus der Region.
Auch von Resten einer vermuteten Aschenkiste für eine Urnenbeisetzung, die einst oberhalb der Inschrift in den Felsen geschlagen war, wurde nichts entdeckt. Möglicherweise wurde auch der obere Teil des Grabsteins zur Gewinnung von Baumaterial abgetragen. Bald erreichen wir wieder das Dorf Cavedine und kommen zurück zur Piazza Italia.
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Essen und Trinken in Cavedine
In der angenehmen Bar Caffe Pedro an der Piazza Italia lässt es sich entspannt einkehren. Gemütlich kann der Gast das Geschehen auf dem Platz rund um den Dorfbrunnen betrachten. Faire Preise, viele Einheimische im Caffe. Adresse: Piazza Italia 22, 38073 Cavedine
Die geräumige Pizzeria Genzanella liegt zwischen Cavedine und Drena, im Ortsteil Vigo. Bereits seit 1986 werden hier hervorragende, knusprige Pizzen gebacken. Wir hätten das Lokal selbst nicht entdeckt, es wurde uns empfohlen. Extra: Montag bis Mittwoch wird der Pizzateig aus fünf Getreidesorten, Donnerstag bis Samstag aus Vollkornmehl hergestellt. Sehr familienfreundlich, großer Spielplatz im Garten am Haus. Adresse: Via Zurlon 1, Frazione Masi di Vigo, 38073 Cavedine. Dienstags am Abend geschlossen. Website: www.pizzeria-genzianella.com
Einkaufen in Cavedine
Panificio Pasticceria Tecchiolli: Im Familienbetrieb von Sergio, Adriano und Aldo Tecchiolli in Cavedine werden ausgezeichnete Backwaren, aus regionalen Produkten in riesiger Auswahl, hergestellt. Sehr beliebt im Valle di Cavedine! Zu Kuchen, Torten und sonstigen süßen Leckereien können wir nur sagen – Bella Italia! Auch Gnocchi di Patate, Strangolapreti und Canederli werden angeboten. Modernes Produktions- und Verkaufgebäude mit großem Parkplatz vor dem Haus. Adresse: Via Alcide De Gasperi 1, 38073 Cavedine. Samstag/Sonntag geschlossen. Website: www.tecchiolli.it
Buchtipp
Michael Müller Verlag, Wanderführer – Gardasee MM-Wandern, von Florian Fritz, 228 Seiten + Karte, 2. Auflage 2015. Auch als App für Android und iOS. Inhalt: 35 Touren rund um den Gardasee hat der Autor im handlichen, schön illustrierten und mit vielen Infos ergänzten Wanderführer zusammengestellt.
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