Buchtipp: Griechische Passion, von Nikos Kazantzakis –
Ein Meisterwerk der Hoffnung und ein Weckruf zur Wandlung


Nikos Kazantzakis Buch Griechische Passion, Buchcover Ullstein Verlag, 1990, Foto: Szene Jules Dassin-Films "Der Mann, der sterben muss" (links). Filmplakat "He Who Must Die" aus dem Jahr 1957 (rechts).

Nikos Kazantzakis – Griechische Passion, Cover Ullstein Verlag, 1990, Foto: Szene aus dem Jules Dassin-Film „Der Mann, der sterben muss“ (links). Filmplakat „He Who Must Die“ aus dem Jahr 1957.

Griechenland ist im Frühling am schönsten. Wenn sattes Grün Täler und Hügel überzieht und die Erde noch nicht von der Hitze ausgedörrt ist. Genauso faszinierend wie die Landschaft ist das alte Brauchtum, das gerade in der Osterzeit auflebt. Ostern ist das Fest aller Feste für die Griechen. Auch wir reisten nach Kreta – in den Osten sollte es diesmal gehen, ab dem griechischen Ostersonntag waren wir dort.

Während der Reisevorbereitungen, bin ich auf ein hochaktuelles Werk von Nikos Kazantzakis gestoßen. Das Buch Griechische Passion. Es enthält eine zeitlose Botschaft an die Menschheit, eine Mahnung an die Zukunft, einen Weckruf zur Wandlung. Für jeden von uns. Griechische Passion ist unsere Buchempfehlung. Nikos Kazantzakis schenkt uns in einer Zeit der Verwirrung und Verzweiflung ein Meisterwerk des Trostes und der Hoffnung. Seine Figuren lassen uns nicht nur ihre Tragik, sondern auch ihre Heiterkeit mit- und nacherleben.

Sein Werk wird zum Gleichnis für das Geschehen unserer Zeit. Eine Welt im Verfall vermag immer nur durch geistige Menschen gerettet zu werden. Egal in welcher Position sie sind – ob Politiker, Normalbürger oder Priester. Nach dieser Lektüre wissen wir es hoffentlich ein bisschen besser. Dieses Buch hat nichts mit Kreta und Griechenland allein zu tun. Aber es geht uns alle an, in unserem Glauben, immer das Richtige zu tun.

Die Handlung: Nikos Kazantzakis – Griechische Passion

Das Dorf Likovrisi, unter osmanischer Herrschaft, griechisch und doch besetzt, möchte ein Passionsspiel aufführen. Bei der Auswahl der Darsteller möchte zunächst niemand Jesus oder Judas spielen, aber als dann eine Wahl getroffen wird, gehen die Personen in ihren Rollen auf. Die Apostel und Jesus werden auch im Alltag zu „Heiligen“ und bemühen sich nach der Bibel zu leben.

In diese Idylle kommt ein ausgemergelter Flüchtlingstreck mit Griechen aus Kleinasien und bittet im Dorf um Nahrung und Unterkunft. Doch plötzlich sind die Heiligen so gar nicht mehr heilig und versuchen unter den fadenscheinigsten Gründen die Flüchtlinge zur Weiterfahrt zu ermuntern. Der Hirte Manolis verkörpert in den Passionsspielen die Rolle des Christus. In der Vorbereitungszeit hört er auf zu stottern, wird zu einem freien Mann und macht es sich zu seiner Mission, die Flüchtlinge aufzunehmen. Es kommt daraufhin zu einem Drama.


Nikos Kazantzakis Kirchenkonflikt

Nikos Kazantzakis hatte das Buch „Griechische Passion“ 1948 zu Ende geschrieben. Der Roman gehört zu seinen bekanntesten und wurde von der internationalen Presse als Meisterwerk gefeiert. Nicht jedoch in seiner Heimat Griechenland. Die orthodoxe und auch die katholische Kirche verfolgten Kazantzakis, aufgrund der darin bestehenden Auslegungen des Lebens Christi und der kritischen Darstellung der großen Kirchen. Papst Pius XII. setzt im Jahr 1954 das Buch „Die letzte Versuchung Christi“ sogar auf den Index der Verbotenen Bücher. Dies macht Kazantzakis endgültig weltbekannt.


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Locker geschrieben, schwer zu verstehen, einfach zu begreifen

Ein Buch, das begeistert? Aber ja – unbedingt lesen! Es ist locker geschrieben, doch schwer zu verstehen, aber zugleich einfach zu begreifen. Nikos Kazantzakis schaut den Menschen seines Volkes nicht nur aufs Maul, sondern in die Seele. Es gibt überall einen Sturen, der mit seinem Tun mehr Gutes tut, als diejenigen die nur darüber reden. Nur wer andere rettet, kann auch sich selbst retten.

Ein spannungsgeladenes Buch, das den Leser nicht mehr loslässt. Es beschreibt die völlig gegensätzliche Haltung eines Volkes: Hier die aufopfernde Demut eines Hirten, der den Menschen dient, indem er Gott gehorcht. Auf der Gegenseite steht der herzlose Priester, der seinen Clan beschützen will. Einmal begonnen will man wissen, wie die Figuren ihre Aufgaben lösen werden, oder sich aus der Pflicht herauswinden. Zu selten halten wir uns selbst den Spiegel vor. Sind wir bei der Interpretation unserer Taten immer ehrlich?

Wie sollen wir Gott lieben?
Indem wir die Menschen lieben.
Wie sollen wir die Menschen lieben?
Indem wir sie auf den rechte Weg führen.
Welches ist der rechte Weg?
Der Weg empor.

Nikos Kazantzakis


  • Titel: Griechische Passion
  • Autor: Nikos Kazantzakis
  • Verlag: Ullstein Verlag, 1990
  • Gebundene Ausgabe: 458 Seiten
  • ISBN: 3548223400
  • Originaltitel: Ο Χριστός ξανασταυρώνεται (O Christos xanastavronete), 1948

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Die Buchverfilmung von Jules Dassin: Der Mann, der sterben muss

Das kretische Dorf Kritsa diente im Sommer 1956 als Kulisse für die Dreharbeiten zu dem Film „Der Mann, der sterben muss“. Romanvorlage war das Buch „Griechische Passion“ von Nikos Kazantzakis. Nachdem Jules Dassin mit seinem Film „Rififi“ (1955) weltberühmt und in Cannes für die beste Regie ausgezeichnet wurde, wagte er sich mit diesem Stoff auf schwieriges Terrain. Dassin gewann Nikos Kazantzakis‘ Buch eine glühende und kühl komponierte Bildersprache ab, es ging ihm dabei nicht um fromme Erbaulichkeit.

Das Drehbuch verfasste Dassin in Zusammenarbeit mit Nikos Kazantzakis. Die Bilder behielten unter dem Licht der kargen Berglandschaft Kretas ihre elementare Kraft. Der Film ist eine moderne Variante des Christusdramas, in deren Mittelpunkt ein einfacher Hirte steht. Die Schauspieler wirken neben den vielen kretischen Statisten ebenfalls wie Einheimische. Der Schauspieler Pierre Vaneck (in der Rolle des Manolis) als stotternder, aber weiser Hirte entwickelt sich zu einem Christus, der in nichts an Heiligenbildchen erinnert. Der Film schließt mit einem Appell zum kollektiven Widerstand ab.


Originaltitel: Celui qui doit mourir
Englisch: He Who Must Die/Deutsch: Der Mann, der sterben muss
Genre: Drama
Romanvorlage: Griechische Passion (Originaltitel: „O Christos xanastavronete“: Christus wird wieder gekreuzigt), Nikos Kazantzakis, 1948
Drehbuch: Jules Dassin, Ben Barzman, Andre Obey
Regie: Jules Dassin
Land/Jahr: Frankreich, Griechenland (Kreta), 1957
Länge: 135 Minuten
Darsteller: Pierre Vaneck, Melina Mercouri, Jean Servais, Carl Möhner, Grégoire Aslan, Gert Fröbe, Teddy Bilis, René Lefèvre


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Info: Der Film ist auf YouTube, mit englischen Untertiteln, in voller Länge zu finden. (Keyword: Jules Dassin He Who Must Die)


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