Oberpfalz: Regenburg – Die Königspfalz der Karolinger bei St. Emmeram


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Die halbrunden Doppelnischen in der Vorhalle der Basilika von St. Emmeram in Regensburg stammen vom Thronsaal der karolingischen Kaiserpfalz des 9. Jhds. Die Vorhalle wurde im 12. Jhd. umgestaltet.

Im Frühmittelalter hob sich Regensburg von allen anderen Städten in Bayern durch seine Pfalzen ab und kann sicherlich für diesem Zeitraum als Pfalzstadt bezeichnet werden. Erst in ihrer weiteren Entwicklung wurde die Donaumetropole zur Bischofsstadt und ab dem 13. Jhd. zur Bürgerstadt mit Rathaus.

Die Regensburger Herrscher errichteten zwei Pfalzen in der Stadt. Die ältere war die Herzogspfalz der Bajuwaren am Alten Kornmarkt, die auf das 6. Jhd. zurückgeht. Die Karolinger erbauten im 9. Jhd., bei der schon damals berühmten Abtei St. Emmeram, einen zweiten derartigen Palast – die Königspfalz.

Mit dieser Entscheidung werteten die Karolinger die Bedeutung der Stadt und des Klosters St. Emeram auf. Der in der Abtei verehrte Märtyrer-Bischof Emmeram wurde Parton der Karolinger. Die „alte“ Pfalz der Agilolfinger wurde weiter zu Versammlungen oder als Unterkunft für den Hochadel genutzt.

Was waren die Beweggründe des Karolingerkönigs Arnulf von Kärnten zur Errichtung einer weiteren Pfalz in Regensburg? Wie sah die Pfalz der Karolinger aus? Der Ursprung von drei Skulpturen in der Vorhalle von St. Emmeram, sowie der eines Steinthrons in der Wolfgangskrypta, ist bis heute rätselhaft.


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Arnulf von Kärnten: Erbauer der Königspfalz in Regensburg

reise-zikaden.de, oberpfalz, regensburg, bayern, donau, st. emmeram, vorhalle, eingang - Die heutige Vorhalle in die Basilika von St. Emmeram in Regensburg steht am Platz des Thronsaals (Sala Regia) aus der Zeit der Karolinger. Der Thronsaal gehörte zur von Arnulf von Kärnten erbauten Königspfalz.

Der Zugang mit Vorhalle in die Basilika von St. Emmeram in Regensburg steht am Platz des Thronsaals (Aula Regia) aus Karolingerzeit. Die Halle gehörte zur Königspfalz, die Arnulf von Kärnten errichten ließ.

Porträt_Kaiser_Arnolf_von_kärnten - Kaiser Arnulf von Kärnten (850 – 899) aus der Dynastie der Karolinger. Die Zeichnung stammt aus der Liber Augustalis des Benvenuto de Rambaldis, von Benvenuto da Imola von 1387. Foto: Wikipedia

Kaiser Arnulf von Kärnten (850 – 899) aus der Dynastie der Karolinger. Zeichnung aus „Liber Augustalis“ von Benvenuto de Rambaldis, um 1387. Foto: Wikipedia

Eine der wichtigsten Städte im Frankenreich war während der Herrschaft der Karolinger im 9. Jhd. die Donaustadt Regensburg. Als „Civis regia“ war die Stadt in diesem Zeitraum, neben Aachen und Frankfurt, einer der Hauptstädte im ostfränkischen Reich. Vierter Nachfolger des ostfränkischen Königs Ludwig II. dem Deutschen (um 806 – 876), war sein Enkel Arnulf von Kärnten (850 – 899).

Arnulf wählte Regensburg als seinen bevorzugten Aufenthaltsort und machte Bayern zum Kernland im Ostfrankenreich. In Regensburg ließ er sich von 888 – 890 bei der Abtei St. Emmeram eine Königspfalz erbauen. Damit betonte der Karolingerkönig nicht nur die Priorität seiner Politik im Südosten des Reichs, sondern auch die Traditionen seines Vorgängers in Regensburg, Ludwig dem Deutschen.

Arnulf beschenkte das Kloster St. Emmeram reich und erhob den dort verehrten Märtyrer-Bischof Emmeram (? – 652) zum Patron der Karolinger. Dadurch wollte er einen ideellen Mittelpunkt des Reichs schaffen. Die Benediktinerabtei St. Emmeram und die Königspfalz lag im 9. Jhd. noch außerhalb der Stadtmauern von Regensburg.

Möglicherweise wurde die Erweiterung der Stadtmauern Richtung Süden, um Kloster und Königspfalz abzusichern, bereits während der Amtszeit von Arnulf begonnen. In Rom wurde Arnulf von Kärnten im Jahr 896 von Papst Formosus (816 – 896) zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt.

Arnulf schenkt dem Kloster St. Emmeram den Codex Aureus

Prachteinband zum Evangeliar Codex Aureus - BSB Clm 14000-ol - Die Abbildung zeigt den Buchdeckel des "Codex Aureus". Foto: Bayerische Staatsbibliothek München

Das Evangeliar „Codex Aureus“ entstand um 870. Foto: Bayerische Staatsbibliothek München

Die Prachthandschrift Codex Aureus (lateinisch: Goldenes Buch) schenkte König Arnulf von Kärnten im Jahr 893 dem Kloster St. Emmeram. Das wertvolle lateinische Evangeliar entstand um 870, vermutlich in der Hofschule der Abtei St. Denis in Paris, für den Karolingerkönig Karl II. dem Kahlen (823 – 877).

Der Codex Aureus zählt zu den wichtigsten Werken karolingischer Buchmalerei. Der vergoldete Buchdeckel ist mit Edelsteinen und Gemmen verziert. Das Evangeliar umfasst 126 Pergamentblätter im Format 42 × 33 cm. Die Pergamenthandschrift befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

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Das Signum von Arnulf von Kärnten, um 890. Foto: Wikipedia

Regensburg: Die Lieblingspfalz von Arnulf von Kärnten

Arnulf von Kärnten ließ mindestens vier Reichsversammlungen der Karolinger in der Königspfalz bei St. Emmeram abhalten. Etwa ein Drittel der von ihm unterzeichneten Urkunden wurden in Regensburg ausgestellt.

Der Karolingerkönig hielt sich ein- bis zweimal pro Jahr mit Familie und seinem Gefolge in der Regensburger Pfalz bei St. Emmeram auf. Sechs mal feierte er das Osterfest in Regensburg, insgesamt sind vier Aufenthalte in den Wintermonaten in der „Lieblingspfalz“ von Arnulf von Kärnten überliefert.

Feldzüge im Norden, Osten und Süden des Ostfrankenreichs

Psalterium_aureum_Joab leading the Hebrew-ol - Karolingische Reiterei aus der karolingischen Bilderhandschrift "Psalterium Aureum". Das Buch enstand um 890 im Kloster St. Gallen und befindet sich bis heute in der Stiftsbibliothek. Foto: Wikipedia

Karolingische Reiterei aus der Bilderhandschrift „Psalterium Aureum“. Das liturgische Buch entstand um 890 im Kloster St. Gallen und befindet sich bis heute in der Stiftsbibliothek. Foto: Wikipedia

In seiner Regierungszeit musste Arnulf zum Schutz des karolingischen Ostfrankenreichs mehrfach Krieg führen. Im Norden plünderten Normannen immer wieder Städte. Im Jahr 891 zog der König mit seinem Heer dorthin und konnte nach einer erfolgreichen Schlacht die Überfälle der Normannen beenden.

Gegen die Mährer, einem westslawischen Stamm im heutigen Tschechien, unternahm Arnolf 892 und 893 Feldzüge und griff dazu auf die Ungarn als Verbündete zurück.

Im Jahr 893 zog König Arnulf, nach einem Hilferuf von Papst Formosus (816 – 896), nach Italien. Dort ging er gegen den Gewaltherrscher Wido von Spoleto vor und eroberte mehrere Städte in Oberitalien. 

Arnulf von Kärnten: Der letzte Karolingerkaiser

Arnulf von Kärnten starb 899, er war der letzte Kaiser aus der Dynastie der Karolinger. Sein erst sechsjähriger Sohn Ludwig IV. das Kind (893 – 911) wurde im Jahr 900 zum König gekrönt. 

Mit dem frühen Tod von Ludwig IV. im Jahr 911 erlosch die Linie der ostfränkischen Karolinger. Arnulf und sein Sohn Ludwig wurden in Basilika von St. Emmeram beigesetzt. Bei einem Brand 1642 wurden die Grablegen zerstört. An Kaiser Arnulf erinnert eine Inschrift im Boden des Hauptchors.


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Wie sah die Königspfalz bei St. Emmeram aus?

reise-zikaden.de, oberpfalz, regensburg, bayern, donau, st. emmeram, vorhalle, kaiserpfalz, arnulf von kaernten-eingang -. Das heutige Portal zur Basilika von St. Emmeram stammt aus gotischer Zeit. Es steht an gleicher Stelle wir der Zugang zur Königspfalz der Karolinger aus dem 9. Jhd.

Das heutige Portal zur Basilika von St. Emmeram stammt aus gotischer Zeit. Der Torbau steht an gleicher Stelle wie der frühmittelalterliche Zugang zur Königspfalz der Karolinger aus dem 9. Jhd.

Das gotische Portal am Emmeramsplatz in Regensburg steht am selben Ort an dem sich einst der Zugang in die Königspfalz befand. Teile der heutigen Vorhalle von St. Emmeram stammen vom Thronsaal der Pfalz aus Karolingerzeit, die im 9. Jhd. unter Arnulf von Kärnten erbaut wurde. Vor allem sind dies die runden Doppelnischen am Kircheneingang in die Basilika von St. Emmeram.

reise-zikaden.de, oberpfalz, regensburg, bayern, donau, st. emmeram, vorhalle, kaiserpfalz, arnulf von kaernten, zugang - Die halbrrunden Nischen über dem heutigen Kirchenzugang von St. Emmeram sind Bauteile aus dem karolingischen Thronsaal des 9. Jhds. An den Exedren fanden im 11./12. Jhd. lediglich Umbauten oder Sanierungen statt.

Die halbrrunden Nischen über dem Kirchenzugang von St. Emmeram sind Bauteile aus dem karolingischen Thronsaal (Aula Regia) des 9. Jhds. An den Exedren fanden im 11./12. Jhd. lediglich Umbauten bzw. Sanierungen statt.

Die Repräsentationshalle der Königspfalz von Arnulf von Kärnten in Regensburg war zwei Stockwerke hoch. Derartige Hallen wurden damals Aula Regia genannt. Vorbild war die Aula Palatina, des römischen Kaisers Konstantin I. dem Großen (um 270 – 337), in Trier. Der zweischiffige Thronsaal von Arnulf, mit sieben Jochen und einer Doppelapsis im Süden, war offenbar mit einem Flachdach abgedeckt.

Die Repräsentationsräume der Aula Regia lagen im Erdgeschoss, die Wohn- und Schlafräume des Herrschers und seiner Familie befanden sich im Obergeschoss. Die Torkapelle St. Michael war nur von den Privaträumen der königlichen Famile zugänglich.

Die Grundfläche der Halle belief sich auf rund 58 x 17 Meter und ist fast identisch mit der Pfalz in Ingelheim bei Mainz. Der Thronsaal in der Ingelheimer Pfalz besaß eine Firsthöhe von imposanten 19 Metern. Welche Höhe die Halle von Regensburg hatte ist unbekannt.

Neueste Forschungsergebnisse ergaben, dass die Doppelapsis des Thronsaals zwischen 1049 und 1060 zum Kircheneingang umgestaltet wurde. Eine dendrochronologische Untersuchung von dort verbautem Holz bestätigt die Datierung.

Der Eingang zur Basilika lag bis zu diesem Zeitpunkt im Westen der Klosterkirche von St. Emmeram. Grund für den Umbau war die Errichtung des mächtigen Westquerhauses und der fünfschiffigen Wolfgangskrypta.

Nach einer Brandkatastrophe im Jahr 1166 musste der Zugang in die Klosterkirche von St. Emmeram renoviert werden. Aus statischen Gründen wurde die Vorhalle mit zwei Jochen angelegt. In beiden Fällen handelte es sich um Umbauten bzw. Sanierungen am alten Thronsaal, nicht um Neubauten.

reise-zikaden.de, oberpfalz, regensburg, bayern, donau, st. emmeram, vorhalle, kaiserpfalz, arnulf von kaernten, zugang zum emmeramsplatz - Der Blick vom Eingang der Basilika St. Emmeram bis zum Portal der Vorhalle. Von den ehemals sieben Jochen des karolingischen Thronsaals sind noch zwei erhalten.

Blick vom Kirchenzugang von St. Emmeram bis zum Portal der Vorhalle am Emmeramsplatz. Aus statischen Gründen wurde die Vorhalle bei Renovierungsarbeiten im 12. Jhd. mit zweijochig angelegt.

Die erhaltene Westmauer und die zugemauerten Rundbogenfenster mit Säulen in der Vorhalle von St. Emmeram wurden bei der Renovierung des Thronsaals 1166 neu aufgemauert. Vorgängerbau der Kirche St. Rupert war die karolingische Pfalzkapelle St. Maria, die einst das Gefolge des Königs nutzte.

Das Nebeneinander von Königs- und Herzogspfalz wurde von Herzog Heinrich II. von Bayern (951 – 995) aufgehoben. Heinrich II. verlegte den Regierungssitz zurück in die Herzogspfalz am Alten Kornmarkt. Bis zum Ende der Stauferzeit, Mitte des 13. Jhds., hielten sich die Herrscher mit Gefolge während ihrer Besuche in Regensburg in den Pfalzgebäuden bei St. Emmeram auf.

rekonstruktion regensburg arnulfspfalz bei st. emmeram- Grundriss-Rekonstruktion der Arnulfspfalz bei St. Emmeram in Regensburg. Quelle: Klaus Gamber, Die Pfalz Kaiser Arnulfs in Regensburg und ihr künstlerischer Schmuck. Zeichnung: Robert E. Dechant.

Grundriss-Rekonstruktion der Arnulfspfalz bei St. Emmeram in Regensburg. Quelle: Klaus Gamber, Die Pfalz Kaiser Arnulfs in Regensburg und ihr künstlerischer Schmuck. Zeichnung: Robert E. Dechant.


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Zum Vergleich: Der Thronsaal der Kaiserpfalz von Ingelheim

aula regia ingelheim-ol - Die Aula Regia (Thronsaal) in der Kaiserpfalz von Ingelheim ist in ihrer Grundfläche mit der Königspfalz von St. Emmeram in Regensburg fast identisch. 3D-Rekonstruktion: Archimedix GbR, H. Grewe

Die Aula Regia (Thronsaal) in der Kaiserpfalz von Ingelheim ist in ihrer Grundfläche mit der Königspfalz von St. Emmeram in Regensburg fast identisch. 3D-Rekonstruktion: Archimedix GbR, H. Grewe

Der Saalbau (Aula Regia) in der Kaiserpfalz von Ingelheim bei Mainz wurde Ende des 8. Jhds. errichtet. Der einschiffige Apsidensaal war 40,5 Metern lang und 16,5 Metern breit. Mit ihren Maßen ist der Thronsaal von Ingelheim mit der Königspfalz von St. Emmeram in Regensburg fast identisch.

Vorgelagert war dem Hauptzugang zum Thronsaal eine Vorhalle (Narthex) im Norden. Weitere Portale lagen an der Ost- und Westseite. Die Aula regia von Ingelheim war ein prachtvoll ausgestatteter Schauplatz von Herrschertreffen, Feierlichkeiten, aber auch Gerichtsverfahren der Karolingerherrscher.

Die Errichtung einer Pfalz in Ingelheim wird vom Chronisten Einhart (um 770 – 840) als eine der wichtigsten Bauleistungen von Karl dem Großen (747 – 814) überliefert. Der Hof aus der Merowingerzeit wurde dazu abgerissen. Karl verbrachte den Winter 787 in Ingelheim und blieb bis Mitte 788.

In diesem Jahr wurde eine Reichsversammlung in der Aula Regia abgehalten. Dabei wurde der bajuwarische Agilolfingerherzog Tassillo III. (um 741 – um 796) verurteilt, abgesetzt und lebenslang ins Kloster verbannt. Von heutigen Historikern wird der Vorgang als politischer Scheinprozess gewertet.


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Die Statuen in der Vorhalle: Emmeram, Christus und Dionysius

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Die Skulpturen in der Vorhalle zur Basilika von St. Emmeram in Regensburg zeigen den Hl. Emmeram, Christus Salvator und den Hl. Dionysius (v. l. n. r.) könnten aus der karolingischen Königspfalz stammen.

In der Apsis des Thronsaals der Königspfalz von St. Emmeram könnten sich bereits in der Zeit der Karolinger drei Steinreliefs befunden haben. In der Mitte der thronende Christus, links der Hl. Emmeram, rechts der Hl. Dionysius. Die Statuetten stehen sich bis heute in der Vorhalle.

Der Ehrentitel Salvator mundi (lateinisch: Erlöser der Welt) für Jesus Christus wurde von den karolingischen Herrschern gefördert. Unter König Arnulf von Kärnten bekam Bischof Emmeram den Rang eines Reichsheiligen. Traditionell war Dionysius Schutzheiliger der Merowinger und Karolinger.

Dionysius von Paris wurde im Frankenreich als Nationalheiliger verehrt. Der Missionar lebte im 3. Jhd., war der erste Bischof von Paris und starb als Märtyrer. Dionysius war einer der vierzehn Nothelfer. Im 11. Jhd. erhob die Abtei St. Emmeram den Anspruch Reliquien des Hl. Dionysius von Paris zu besitzten.

Die Reliquien des Hl. Dionysius hatte Arnulf von Kärnten um 890 angeblich aus der Abtei St. Denis in Paris stehlen lassen. Im Regensburger Kloster St. Emmeram wurden sie versteckt und erst 1049 „wiederentdeckt“. Die Dionysius-Verehrung erhielt anschließend auch in Deutschland ihren Aufschwung. In der Wolfgangskrypta befindet sich heute der Sarkophag des Hl. Dionysius.

Regnet’s an Sankt Dionys, wird der Winter nass – gewiss“

Bauernregel für den 9. Oktober, dem Gedenktag des Hl. Dionysius

Es kursiert die These, dass die drei Figuren in der Vorhalle von St. Emmeram aus der Pfalz von Arnulf von Kärnten stammen und in der Apsis des Thronsaales angebracht waren. Dann wäre die Christusfigur im Typus des Salvator mundi genau über dem Thron des Königs platziert gewesen. Nur wenige Skulpturen aus der Zeit der Karolinger blieben erhalten, eine stilistische Zuordnung ist daher schwierig.

Stammen die Reliefs der Vorhalle aus der Zeit von Abt Reginward?

nischenportal st. emmeram regensburg_ol - So sah der Zugang in die Basilika St. Emmeram in Regensburg bis ins 19. Jhd. aus. Unter der Christusfigur stand bis 1894 der Steinthron, auch "Heinrichsstuhl" genannt.

Vorhalle von St. Emmeram im 19. Jhd., bis 1894 stand in der Mitte der Heinrichsstuhl. Zeichnung: Klaus Gamber, Die Pfalz Kaiser Arnulfs in Regensburg und ihr künstlerischer Schmuck

Die Statuen in der St. Emmeramer Vorhalle könnten auch dem 11. Jhd. entstammen. Reginward war von 1048 – 1060 Abt von St. Emmeram und könnte die Figuren für das Portal anfertigen haben lassen. Darauf weißt ein Medaillon zu Füßen der Christusfigur hin, das auch entsprechend beschriftet ist.

Das Abt-Medaillon ist nach stilistischer Betrachtung deutlich später an der Skulptur angebracht worden. Aufgrund ihrer Größe und Darstellungsform sind die Figuren sicherlich einzigartig. Die Reliefs am Eingang zu St. Emmeram zählen zu den ältesten in situ erhaltenen Portalskulpturen nördlich der Alpen.


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Der Heinrichsstuhl in St. Emmeram: Kaiserthron und Richterstuhl?

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Der legendenumwobene „Heinrichsstuhl“ in der Wolfgangskrypta von St. Emmeram.

Ein ehrwürdiger Thron aus Dolomitgestein befindet sich heute in der Westnische der Wolfgangskrypta in St. Emmeram. Der prächtige Steinsessel wird Heinrichsstuhl genannt. Doch woher stammt dieser Name?

Nutzte den Steinthron schon Arnulf von Kärnten im 9. Jhd.? Die optische Erscheinung könnte in diese Epoche passen. Seine Wächterfiguren ähneln Löwen und offensichtlich war der Sessel lange Zeit in Gebrauch.

Der Karolingerkönig hätte auf dem Thron würdevoll unter den Skulpturen in seiner Thronhalle gesessen, symbolträchtig unter der Christusfigur. Wenn der Arnulf von dort aus regiert hat, wäre der Thron über 1.100 Jahre alt. 

Bis 1894 stand der Heinrichsstuhl unter der  Christusfigur in der Vorhalle von St. Emmeram. In Fachkreisen kursiert eine Datierung des Throns auf das 10./11. Jhd. Traditionell wird er Herzog Heinrich II. von Bayern (951 – 995) zugeschrieben. Doch dieser hielt sich selten in Regensburg auf und stand eher in Ungnade. Die Sage zu Heinrich II. ist unter „Heinrichs des Heiligen Stuhl zu Regensburg“ bekannt.

Adlige die mit dem Amt eines Burggrafen, in Vertretung des Herrschers, ausgestattet wurden nutzten den Thron in St. Emmeram im 12. Jhd. als Richterstuhl. Das Burggrafenamt wurde in dieser Zeit an die Dynastie der Babonen vergeben.

Die Familie der Babonen (auch Pabonen) war eines der führenden bayerischen Adelsgeschlechter, ein Zweig der der Huosi-Dynastie. Drei Burggrafen der Babonen trugen den Namen Heinrich. Burggraf Heinrich III. (um 1100 – 1174) war 1156 Vogt (lateinisch: Advocatus) in St. Emmeram. Er könnte dort den Sessel als Richter genutzt haben und dem rätselhaften Thron seinen Namen gegeben haben.

Adresse, Öffnungszeiten, Eintritt: Basilika St. Emmeram

Adresse: Basilika St. Emmeram, Emmeramsplatz 3, 93047 Regensburg. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 10 – 16 Uhr (Sommer bis 18 Uhr), Freitag und Samstag 12 – 16 Uhr (Sommer bis 18 Uhr), Samstag 9 – 16 Uhr (Sommer bis 18 Uhr). Eintritt: Frei. Website: www.st-emmeram-regensburg.de Infos zu Führungen: domplatz-5.de


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Buchtipp

Vandenhoeck & Ruprecht Verlag, Die deutschen Königspfalzen. Beiträge zu ihrer historischen und archäologischen Erforschung, 8 Bände. Empfehlung: Band 5 – Bayern, Bayrisch Schwaben, 2016.


Quelle: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Die Pfalz Kaiser Arnulfs in Regensburg und ihr künstlerischer Schmuck, von Klaus Gamber, Universitätsbibliothek Regensburg, Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, 1977. Website: www.heimatforschung-regensburg.de 


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Reiseberichte aus Griechenland, Italien, Österreich, Deutschland
Oberpfalz: Regenburg – Die Königspfalz der Karolinger bei St. Emmeram
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Oberpfalz: Regenburg – Die Königspfalz der Karolinger bei St. Emmeram
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Herrscher errichteten im Frühmittelalter zwei Pfalzen in Regensburg. Kommt mit in die Oberpfalz: Regenburg – Die Königspfalz der Karolinger bei St. Emmeram
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Monika Hoffmann

schreibt seit 2014 auf ihrem Blog Reise-Zikaden. Ihre Passion auf Reisen ist Geschichte und der Besuch historischer Plätze. Monikas Spezialgebiet sind antike Hochkulturen in Griechenland, Italien, Österreich, Deutschland. Sie produziert Foto- und Natur-Reportagen ihrer Heimat: München & Oberbayern. Die Fotografin, Redakteurin, Köchin, Naturfreundin liebt Griechenland & Italien: Von der Antike bis zu Musik, Literatur, Filmkunst.

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