Kelten in Bayern: Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn


Kelten in Bayern: Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, bildstock Das kleine Dorf Fentbach bei Weyarn in Oberbayern ist ein geschichtsträchtiger Ort. Auf einer Anhöhe lag ein keltisches Oppidum, das südlichste aller bayerischen Keltenstädte. Der Tuffstein-Bildstock im Vordergrund stammt aus dem 16. Jhd. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Fentbach bei Weyarn in Oberbayern ist ein geschichtsträchtiger Ort. Auf einer Anhöhe lag ein keltisches Oppidum, das südlichste aller bayerischen Keltenstädte. Seine Befestigungswälle sind gut erhalten. Der Bildstock im Vordergrund stammt aus dem 16. Jhd. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Unser Ausflug in Oberbayern führt von München nach Weyarn. Das Ziel ist die Fentbach-Schanze aus keltischer Zeit, auf einem Geländesporn bei Fentbach. Die ehrwürdige Alte Linde mit Kapelle und Bildstock im Dorf ist die größte im Landkreis Miesbach. Prächtig ist das Alpenpanorama vom Aussichtsberg und Kultplatz Weyarner Lindl. Und zum Abschluss eine urige Einkehr bei Schanuks Gasthof Lindl.

Der weitläufige Siedlungsplatz Fentbach-Schanze hoch über dem Mangfalltal stammt aus der Eisenzeit (3. – 1. Jhd. v. Chr.) und war keine Viereckschanze, diese Bezeichnung ist irreführend. Die Fentbach-Schanze war ein wichtiges keltisches Oppidum. Unser Bericht Kelten in Bayern: Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn ist Auftakt einer Reihe historischer Ausflüge um München.

Die lateinische Bezeichnung Oppidum bedeutet „Befestige Siedlung“. Der Siedlungsplatz im Voralpenland zählt zu den eindrucksvollsten Denkmälern Südbayerns und im Landkreis Miesbach sowieso. Unter den bekannten Keltenstädten Manching, Kelheim, Staffelberg führt Fentbach ein Schattendasein. Von den bayerischen Oppida liegt das von Fentbach am südlichsten.

Das zentral gelegene Fentbacher Oppidum war ein zentraler Etappenort auf dem Weg über die Alpen nach Süden. Das Siedlungsplateau liegt oberhalb von zwei Flüssen und war durch deren Täler ausgezeichnet geschützt. Im Westen durch die Mangfallschlucht, im Norden und Osten durch das Moosbachtal. Im Süden und Osten wurde das Gelände durch doppelte Wallmauern abgeriegelt.

Beim Aufstieg zur Fentbach-Schanze passieren wir in einer Biegung einen verwitterten Bildstock aus dem 16. Jhd. Unterhalb des Marterls markiert ein überwucherter Hohlweg die Position eines dort vermuteten keltischen Zangentors (Punkt 3 im Plan). Dieser Torbau befand sich im Vorwall der Befestigunganlagen. Im Bereich des Vorwalls fehlen bislang archäologische Ausgrabungen.

Kelten in Bayern: Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, Dorf, Fentbach Oberbayern wie aus dem Bilderbuch: Fentbach liegt in schönster hügelige Voralpenlandschaft im Gemeindegebiet von Weyarn. Den schönen Ausblick bietet das Bankerl an der Fentbach-Schanze. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Oberbayern wie aus dem Bilderbuch: Fentbach liegt in schönster Voralpenlandschaft bei Weyarn. Diesen Ausblick bietet das Bankerl an der Fentbach-Schanze. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann


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Fentbacher Oppidum: Der innere Verteidigungswall

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze Die Befestigungswälle des Fentbacher Oppidums sind noch bis zu neun Meter hoch. Der Zugang in den inneren Bereich der Keltenstadt ist allerdings neuzeitlich. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Befestigungswälle des Fentbacher Oppidums sind noch bis zu neun Meter hoch. Die Zugänge in den inneren Bereich der Keltenstadt sollen neuzeitlich sein. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Das Hochplateau auf dem sich die Keltenstadt befand, liegt in wunderschöner Lage zwischen zwei steilen Flusstälern. Das Oppidum von Fentbach zählt zu den ältesten städtischen Großsiedlungen der Kelten nördlich der Alpen. Besiedelt war jedoch nicht nur der innere Bereich (12 ha), sondern auch das Gelände im Vorwall im Südosten. Offenbar haben bis zu zweitausend Menschen in der Stadt gelebt.

Befestigt war die Höhensiedlung durch einen doppelten Ringwall im Süden und Osten. Diese Wälle sind im Osten heute im Wald schwierig erkennbar. Der innere Verteidigungswall der Fentbach-Schanze ist noch bis neun Meter Höhe, sowie auf einer Länge von vierhundert Metern gut erhalten. Der Graben vor den Befestigungen ist heute nicht mehr sichtbar, er wurde im 19. Jhd. zugeschüttet.


Im höchst gelegenen Bereich der Fentbach-Schanze

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze Der innerste Bereich des Fentbacher Oppidums, war das am besten abgesicherte Terrain der Keltenstadt. Das Gelände ist leicht abfallend und zur Spitze fast eben. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Der innere Bereich des Fentbacher Oppidums, war das am besten abgesicherte Terrain. Das Gelände ist leicht abfallend und zur Spitze fast eben. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Ist der innere Bereich des Fentbacher Oppidum erreicht, sind die Wälle weniger deutlich erkennbar. Hier lag das höchst gelegene Areal der Stadt, das auch am besten abgesichert war. Das Gelände fällt um etwa zwanzig Meter ab, an der Spornspitze ist es fast eben. Im Mittelalter wurden hier Wolbäcker (Hochäcker, Ackerhochbeete) kultiviert, die noch als kräftige Parallellinien auszumachen sind.

Nach dem Oppidum Manching bei Ingolstadt, war die Anlage von Fentbach die zweitgrößte Keltensiedlung in Bayern. Fentbach war Zentrum der Region und wichtiger Knotenpunkt an der Straßenverbindung über die Alpen. Vermutlich lag in der Nähe der Höhensiedlung ein Flussübergang.

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, innerer bereich Der Blick im Innenbereich der Fentbach-Schanze von Süden nach Norden. Beim Bau des Stadels (links) im Westen wurden 1965 Steinfundamente freigelegt. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Der Blick im Innenbereich der Fentbach-Schanze von Süden nach Norden. Beim Bau des Stadels (links) im Westen wurden 1965 Steinfundamente freigelegt. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Wer lebte Oppidum von Fentbach und wie nannten seine Bewohner ihr Heimatland? Was geschah als die Legionen Roms im 1. Jhd. v. Chr. das Alpenvorland eroberten?
Mehr dazu im Kapitel Das Oppidum von Fentbach bewohnten Vindeliker


Traumhaft! Das Panorama-Bankerl von Fentbach

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, Bankerl Das Bankerl oberhalb von Fentbach liegt vor dem zweiten Zugang in das keltische Oppidum und bieten eine Panoramablick auf die bayerischen Voralpen. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Das Bankerl oberhalb von Fentbach liegt vor dem zweiten Zugang in das keltische Oppidum und bietet einen Panoramablick auf die bayerischen Voralpen. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Adresse: Fentbach-Schanze, Keltenschanze, Fentbach, 83629 Weyarn. Entfernung: Von München nach Fentbach bei Weyarn etwa 40 Kilometer. Koordinaten: 47.88560, 11.79106


Was ist ein keltisches Oppidum?

Oppidum (Mehrzahl: Oppida) ist eine lateinische Bezeichnung und bedeutet Befestigung, Schanzanlage, fester Platz. Caesar (100 – 44 v. Chr.) beschrieb im Buch „De bello gallico“ (58 – 49 v. Chr.) ein Oppidum als befestigte städtische Siedlung der keltischen Gallier in Westeuropa. 

Wichtiges Merkmal der Oppida war eine geografisch geschützte Lage. Meist auf einem Hügelplateau, z. B. einem Sporn zwischen zwei steilen Flusstälern. Keltenstädte gab es auch in der Ebene. Die Siedlungen waren groß und wurden mit Mauern und Toren abgesichert.

Westeuropäische Oppida wurden mit Murus Gallicaus-Mauern umgeben. Dies waren mit Steinen gefüllte Holzkastensysteme mit Erdrampen im Innenbereich. Osteuropäische besaßen Pfostenschlitzmauern mit senkrechten Pfosten in der Vorderfront, die Querhölzer sicherten.

Die Mauern der Oppidas waren mit einem Zangentor ausgestattet. Dazu wurden die Mauern rechtwinklig nach innen eingebogen und bildeten eine bis zu vierzig Meter lange Gasse mit dem Tor am Ende. Im Inneren der Anlagen befanden sich stadtartige Strukturen.

Keltische Wohngebäude wurden in Holzbauweise (Pfosten- und Schwellbalkenkonstruktionen) mit Wänden aus lehmbeworfenem Flechtwerk erbaut. Archäologische Funde aus Keltenstädten belegen ein hochentwickeltes Handwerk, Geldwirtschaft und Fernhandel. 


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Fentbach-Schanze: Mauern in Pfostenschlitz-Technik

Keltische_Pfostenschlizmauer_Ipf_Bopfingen-ol Die Abbildung zeigt eine rekonstruierte keltische Pfostenschlizmauer am Ipf bei Bopfingen im Ostalbkreis in Baden-Württemberg. Gut erkennbar ist Wehrgang und Graben. Foto: Wikipedia, Rau.mi

Die Abbildung zeigt eine rekonstruierte keltische Pfostenschlizmauer am Ipf bei Bopfingen im Ostalbkreis in Baden-Württemberg. Gut erkennbar ist der Wehrgang und Graben. Foto: Wikipedia, Rau.mi

Die trapezförmige Befestigung vom Fentbacher Oppidum verläuft 500 Meter in Nord-Süd-Richtung, sowie 375 Meter nach Ost-Westen. Das gesamte Areal um die Fentbach-Schanze war baumlos und sah deutlich anders aus. Die Steilhänge der beiden Flüsse boten im Norden und Westen perfekten Schutz. Vor den Stadtmauern des Oppidums wurde ein tiefer Graben ausgehoben, der heute zugeschüttet ist.

Die Verteidigungsmauern wurden in der keltischen Pfostenschlitzmauer-Technik erbaut. Dabei wurden Holzpfosten vertikal ins Erdreich versenkt und in Aussparungen in der Steinverkleidung der Außenmauern eingelassen. Der Wall dahinter bestand aus einer mit Erde und Schutt aufgefüllten Holzkonstruktion. Pfostenschlitzmauern ähneln keltischen Murus-Gallicus-Mauerwerk in Westeuropa.

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, vorwall osten Die Abbildung zeigt den südöstlichen Teil des Vorwalls der heute als Viehweide genutzt wird und daher nicht von Wald bedeckt ist. Die Wallkrone war mit Pfostenschlizmauern verstärkt. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Abbildung zeigt den südöstlichen Teil des Vorwalls der heute als Viehweide genutzt wird und daher baumlos ist. Die Wallkrone war mit Pfostenschlitzmauern verstärkt. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann


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War das Fentbacher Oppidum durch ein Zangentor gesichert?

Keltisches Zangentor, Zeme Keltu, Nasavrky, Tschechische Republik-ol Im Freilichtmuseum von Zeme Keltu bei Nasavrky in der Tschechischen Republik wurde ein keltisches Zangentor des 1. Jhds. v. Chr. rekonstruiert. Foto: Wikipedia, Vyskovakcz

Im böhmischen Freilichtmuseum von Zeme Keltu bei Nasavrky in Tschechien wurde ein keltisches Zangentor mit Pfostenschlitzmauer des 1. Jhds. v. Chr. rekonstruiert. Foto: Wikipedia, Vyskovakcz

Die Zugänge zur Fentbach-Schanze erfolgen heute durch den inneren Wall im Süden. Ein Zangentor wird in der Mitte des Vorwalls vermutet, etwas unterhalb eines Bildstocks. Heute ist die Stelle ein überwachsener Hohlweg. Die Lage der Toranlage (Punkt 3 im Plan) war knapp dreihundert Meter vom inneren Wall entfernt. Ausgrabungen fehlen, um die Existenz des Zangentors zu belegen.

Bei einem keltischen Zangentor führen die Pfostenschlitzmauern rechtwinklig zum Inneren der Siedlung. Am Ende der dadurch entstandenen Gasse lag das Stadttor. Von den Mauerkronen konnten Krieger vordringende Feinde beidseitig „in die Zange nehmen“. Keltische Zangentore besaßen meist als zusätzlichen Schutze einen querliegenden überdachten Aufbau.

Kelten in Bayern: Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, süden, zangentor Archäologen vermuten am Vorwall der Fentbach-Schanze ein keltisches Zangentor. Der Torbau lag im linken Bereich der Abbildung bei einer Baugruppe. Heute ist die Stelle ein überwachsener Hohlweg. Ein Bildstock steht in der Nähe. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Archäologen vermuten am Vorwall der Fentbach-Schanze ein keltisches Zangentor. Der Torbau lag im linken Bereich der Abbildung bei einer Baugruppe, nach der Rechtskurve. Heute ist die Stelle ein überwachsener Hohlweg. Ein Bildstock steht in der Nähe. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann


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Archäologische Forschungen an der Fentbach-Schanze

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, vorwall, zangentor, marterl Ehrwürdig bewacht ein Tuffstein-Bildstock aus dem 16. Jhd. den Zuweg zum Fentbacher Oppidum. Rechts vom Standort soll einst das Zangentor gestanden haben. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Ehrwürdig bewacht ein Tuffstein-Bildstock aus dem 16. Jhd. den Zuweg zum Fentbacher Oppidum. Rechts vom Standort soll einst das Zangentor gestanden haben. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Datiert wird das Oppidum Fentbach-Schanze auf die Mittel- bis Spätlatenézeit (Latène C – D, 250 – 15 v. Chr.). Das Plateau wird heute als Grün- und Weideland genutzt. Die Einzel- und Begehungsfunde stammen aus der Mittleren Bronzezeit (1.600 – 1.300 v. Chr.), der Urnenfelderzeit (1.300 – 800 v. Chr.), sowie der Mittel- bis Spälatenézeit. Auch in der römischen Kaiserzeit war das Areal besiedelt.

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Die Karte der der Fentbach-Schanze zeigt die wichtigsten Orientierungspunkte:
1 Hauptwall, 2 Südwestlicher Teil des Vorwalls, 3 Zangentor, 4 Südöstlicher Teil des Vorwalls, 5 Stadel mit Profil, 6 Wasserleitungsgraben. Im Plan gerasterte Flächen a, b, c, prospektiert. Plan-Nr. 632: W. Holzner, A. Weihrauch, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

  • 1877: Die ersten und bislang einzigen Ausgrabungen fanden unter der Leitung von Ludwig Auer statt. Dabei wurden Funde aus Eisen, Holzkohle, Knochen, Hüttenlehm gesichert.
  • 1965: Beim Bau des Stadels am westlichen Steilabfall zur Mangfall wurden Steinfundamente freigelegt und die Profile dokumentiert, allerdings ohne erkennbare Befunde.
  • 1973: wurden die obere Siedlungsterrasse, sowie ein Wasserleitungsgraben untersucht. Bei Untersuchungen am Hauptwall wurden die bislang ältesten Siedlungsschichten im Areal festgestellt. Fundstücke waren Keramik die auf die Mittlere Bronzezeit (1.600 – 1.300 v. Chr.) datiert.
  • 1991: Messungen im Innenbereich (7 von 12 ha) mit Magnetometer: Pfostenreihen von Holzgebäuden, Gruben, Feuerstellen und Öfen, gleichmäßig auf dem inneren Plateau verteilt.
  • 1994: ergaben Magnetometer Messungen (1,5 von 11,5 ha) an den Weiden des südöstlichen Vorwalls, dass auch hier Holzgebäude, Pfostenreihen, Gruben, Feuerstellen standen.
reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, irschenberg, kaisergebirge

Die Abbildung zeigt den Blick von Fentbacher Oppidum nach Osten. Erkennbar ist die Pfarrkirche von Irschenberg, im Hintergrund das schneebedeckte Kaisergebirge. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Prospektionen erbrachten die Erkenntnis, dass ein Gebiet von knapp 24 Hektar besiedelt gewesen war. Die Funde von der Fentbach-Schanze waren Metallgegenstände wie Schmuck (Armring mit Tierköpfen, Nauheimer Fibel, Schüsselfibel, Fibeln in der Form Almgren 65), Mühlsteinfragment, Knochen, Münzen und Keramik. Die Relikte befinden sich in der Prähistorischen Staatssammlung in München.

Archäologische Untersuchungen und entsprechende Grabungen im Geländedenkmal von Fentbach fehlen bislang. Daher bleibt leider vieles unklar. Besonders gefährdet sind die Fundstücke aus dem Oppidum von Fentbach durch heutige illegale Sondengänger. Dies veranlasste das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege zur Prospektion des Gebiets in den 1990er-Jahren.


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Der Keltenstamm der Vindeliker lebte im Fentbacher Oppidum

Model_Oppidum_ Die Rekonstruktion des Oppidums von Manching bei Ingolstadt zeigt die Keltenstadt im 2. Jhd. v. Chr. So ähnlich könnte die Siedlung von Fentbach ausgesehen haben. Foto: Wikipedia: Wolfgang Sauber

Die Rekonstruktion des Oppidums von Manching bei Ingolstadt zeigt die Keltenstadt im 2. Jhd. v. Chr. So ähnlich könnte die Siedlung von Fentbach ausgesehen haben. Foto: Wikipedia: Wolfgang Sauber

Im Alpenvorland zwischen Inn und Bodensee lebten in der späten Eisenzeit die keltischen Stammesgruppen der Vindeliker. Diese setzten sich aus neun Unterstämmen zusammen. Ihr Land wurde Vindelikia genannt, so überliefern es die Römer. Die Region wurde im Norden von der Donau, im Osten vom Inn begrenzt. Im Süden lag die Provinz Raetien, im Westen das Gebiet der Helvetier.

Heute sind das in etwa die Gebiete im Süden von Bayern und Baden-Württemberg, das südöstliche Baden und der Nordosten der Schweiz. Hauptstadt der keltischen Vindeliker war bis etwa 30 v. Chr. das Oppidum Manching bei Ingolstadt. Manching war bereits vor Eintreffen der Römer aufgegeben.

Für die keltische Bevölkerung hatten die imperialen Pläne Roms eine schicksalhafte Bedeutung. Der Bereich zwischen Ober- und Mittelrhein und den Alpen sollte in das Imperium eingegliedert werden. Römische Feldzüge vernichteten die Keltenherrschaft von Helvetien bis in die Vindelikia.

roman_legion_trajan_column_rome Römische Legionäre an der Trajanssäule in Rom. Foto: Wikipedia, Rabax63

Römische Legionäre an der Trajanssäule in Rom. Foto: Wikipedia, Rabax63

Im Sommer 15 v. Chr. wurde die gesamte Region der keltischen Vindelikia, unter dem römischen Kaiser Augustus (63 v. Chr. – 14. n. Chr.) in nur einem Feldzug zügig unterworfen. Diesen Vorstoß leiteten seine Stiefsöhne die Feldherren Tiberius (42 v. Chr. – 27 n. Chr.) und Drusus (38 v. Chr. – 9. v. Chr.).

Der römische Feldherr Drusus leitete die Ostflanke und kam mit seinen Legionen über den Brenner und Reschenpass in das Gebiet im Norden der Alpen. Tiberius kam von Westen über den Bodensee in die Region. Nachdem das Imperium Romanum das Gebiet erobert hatte, entstand in Augusta Vindelicorum (Augsburg) ein Militärlager. Um 95 n. Chr. wurde Augusta Vindelicorum die Hauptstadt der römischen Provinz Raetia.

Viereckschanzen sind in der Region um München besonders häufig. Die Errichtung dieser Anlagen wird dem vindelikischen Unterstamm der Benlauni (altgriechisch: Βενλαῦνοι) zugeschrieben. Daher müsste das Fentbacher Oppidum Hauptsitz der Fürsten des Benlauni-Stammes gewesen sein. Offenbar wurde es während der römischen Eroberung durch Brände beschädigt oder zerstört.

Das antike Ortslexikon „Geographike Hyphegesis“ des Geographen Claudius Ptolemaios (100 – 170 n. Chr.), erschien um 150 n. Chr. und liegt heute in Kopien und Landkarten aus dem Mittelalter vor. Ptolemäus erwähnte in seinem Werk die Ortsbezeichnung Medullum für die Fentbach-Schanze.

Mitte des 1. Jhds. n. Chr. wurde das Gebiet in die Provinz Raetia et Vindelicia einbezogen. Das Land wurde befriedet und romanisiert. Die keltische Sprache und Kultur nahm ab. Von den Vindelikern hat sich der Städtename Augusta Vindelicum erhalten. Aus den Vindeliker-Stämmen wurden zwei römische Auxiliareinheiten aufgestellt: Die Cohors I Vindelicorum und die Cohors IV Vindelicorum.

Römische_Provinzen_im_Alpenraum Die Karte zeigt römischen Provinzen im Alpenraum Mitte des 1. Jhds. n. Chr. Farblich pink markiert ist die Provinz Raetia et Vindelicia. Foto: Wikipedia, Marco Zanoli

Die Karte zeigt die römischen Provinzen im Alpenraum Mitte des 1. Jhds. n. Chr. Pink markiert im Plan ist die Provinz „Raetia et Vindelicia“. Unter Kaiser Diokletian wurde 297 n. Chr. das Gebiet geteilt: Raetia prima (Curiensis) und Raetia secunda (Vindelica). Foto: Wikipedia, Marco Zanoli


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Fentbach: Die alte Linde aus dem 11. Jahrhundert

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, alte linde Ein ehrwürdiger Baumriese ist die Alte Linde von Fentbach. Sie soll über 900 Jahre alt sein, wird im Dorf erzählt. Schon immer war die Linde mit dem Schaidl-Anwesen eng verbunden. Die Kapelle Heilige Drei Könige stammt von 1884. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Ein ehrwürdiger Baumriese ist die Alte Linde von Fentbach. Sie soll über 900 Jahre alt sein, wird im Dorf erzählt. Schon immer war die Linde mit dem Schaidl-Anwesen eng verbunden. Die Kapelle Heilige Drei Könige stammt von 1884. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Sehenswert in Fentbach ist die Alte Linde mit hübscher Kapelle von 1884. Der Baum stammt aus dem 11. Jhd. und ist gleichzeitig die größte Linde im Landkreis Miesbach. Die Linde war immer eng mit dem daneben liegenden Schaidl-Anwesen verbunden. Auch nach mehreren schweren Blitzschlägen (1835 und 1954) erholte sich die Linde immer wieder und trieb neu aus.

Am Ortsrand steht an einem Hof ein Tuffstein-Bildstock aus dem 16. Jhd. Die Bildnische zeigt ein Kreuzweg-Motiv. Die kleinere Nische trägt den Bibelspruch „Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst“. Der Ausflug hat unsere die Phantasie beflügelt: Als wir im Dorf Fentbachern begegneten, waren wir uns sicher, direkte Nachfahren der Keltenstadt getroffen zu haben.

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, bildstock, fentbach

Der Bildstock aus Tuffstein stammt aus dem 16. Jahrhundert und steht am Ortsausgang von Fentbach nach Weyarn. Gleich danach ist Schanuks Gasthof Lindl erreicht! Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann


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Einkehrtipp: Schanuks Gasthof Lindl

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze Schanuks Gasthof Lindl vor der prächtigen Alpenkulusse zwischen Fentbach und Weyarn. Im Hintergrund ist die Autobahn A 8 erkennbar. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Schanuks Gasthof Lindl zwischen Fentbach und Weyarn mit dem prächtigen Mangfallgebirge. Im Hintergrund ist die Autobahn A 8 erkennbar. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Wer die Hauptstraße Richtung Weyarn weiterfährt erreicht den Gasthof Lindl. Bekannt ist das Wirtshaus unter dem Spitznamen des Wirtes, dem Schanuk. Der Chef steht selbst in der Küche der urigen Wirtschaft und kocht bodenständige bayerische Küche. Unser Tipp: Knoblauchsuppe, Wiener Schnitzel, Apfelstrudel und Maxlrainer Bier. Reservieren! Schanuks Lindl ist längst kein Geheimtipp mehr.

Adresse: Gasthof Lindl, Fentbach, Mittenkirchner Str. 1, 83629 Weyarn.


Extra-Tipp: Das „Weyarner Lindl“ in Standkirchen

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Alpenpanorama erster Klasse bietet das „Weyarner Lindl“. Der von Linden bestandene Hügel soll ein Kultplatz aus fernen Zeiten sein. Links im Bild ist Weyarn erkennbar. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Im Ortsteil Standkirchen, südlich von Fentbach, befindet sich der Aussichtsberg Weyarner Lindl. Der Hügel soll ein alter Kultplatz sein. Sicherlich ist der von Linden bestandene Hügel einer der schönsten Panoramapunkte im Oberland. Mindestens seit dem 15. Jhd. stehen hier Linden, die bestätigen Urkunden aus dieser Zeit. Ein malerisches Ensemble ist Opferstein, Marterl, Maibaum und Linden.

Das Lindl-Plateau ist mit 712 Metern unwesentlich niedriger als der Irschenberg mit 730 Metern. Deutlich geringer ist jedoch der Verkehrslärm am Aussichtsberg, denn es existiert keine Straße hinauf zum „Weyarner Lindl“. Beschilderung? Fehlanzeige! Vor Ort trifft der Besucher meist Einheimische.

Heute schmücken den Platz mehrere Linden. Der Lindl-Verein kümmert sich um die Pflege der Bäume und des Kreuzes. Hier oben steht auch der Maibaum vom Dorf. Vom Hügel breitet sich ein Panorama vom Kaisergebirge, Chiemgauer Alpen, Mangfall- und Wettersteingebirge bis zur Zugspitze.

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze Herrliche Aussichten nach Südosten! Hinter dem Landschaftsschutzgebiet Seehamer See mit Wattersdorfer Moor liegen die Chiemgauer Alpen. Überragt vom Kaisergebirge in Tirol. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Herrliche Aussichten nach Südosten! Hinter dem Landschaftsschutzgebiet Seehamer See liegen die Chiemgauer Alpen, überragt vom Kaisergebirge in Tirol. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Wenn das Oppidum von Fentbach einen wichtigen Kultplatz besaß, dann war es das „Weyarner Lindl“. Linden galten einst als Heilig. Für die Kelten war die Linde Beschützerin des Lebens und der Liebe. Vermutlich war das Plateau in keltischer Zeit eine Kult-, Gerichts- und Versammlungsstätte. Bis in die Neuzeit genossen Linden im Brauchtum eine Sonderstellung als Gerichts- oder Tanzlinden.

Die heutige Linde auf dem Hügel stammt aus den 1970er-Jahren. Daneben liegt ein Felsbrocken – der geheimnisvoll durchlöcherte Opferstein. Es handelt es sich vermutlich um einen Schalenstein (auch Näpfchenstein) aus der Stein- oder Bronzezeit, in den muldenförmige Vertiefungen getrieben wurden.

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze Mit ein wenig Vorstellungskraft werden sogar noch die Festtagsprozessionen der Kelten sichtbar. Sie führten vom Fentbacher Oppidum hinüber zum Kultplatz "Weyarner Lindl". Der genaue Beobachter findet den Maibaum. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Mit ein wenig Vorstellungskraft werden sogar noch die Festtagsprozessionen der Kelten sichtbar. Sie führten vom Fentbacher Oppidum hinüber zum Kultplatz „Weyarner Lindl“. Der genaue Beobachter findet den Maibaum rechts vom Bauernhof. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Adresse: Am Lindl, Standkirchen, 83629 Weyarn. Koordinaten: 47.87422, 11.79377


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Zuletzt aktualisiert am 30. Mai 2020 um 12:55 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Quellen & Buchtipps

  • Verlag Edition Lipp, Archäologische Prospektion Luftbildarchäologie und Geophysik, Hrsg. Helmut Becker, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Arbeitsheft 59, „Die Fentbachschanze – Keltisches Oppidum im Voralpenland“, von Jörg Fassbinder und Walter Irlinger, Seiten 199-202, 331 Seiten.
  • Pustet Verlag, Die Kelten in Bayern: Archäologie und Geschichte, von Markus Schußmann, Durchgehend farbig bebildert, 416 Seiten, 1. Auflage, 2019.
  • AiD, Archäologie in Deutschland, Oppidum. Website: www.aid-magazin.de

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Kelten in Bayern: Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn
Beschreibung:
Ein historischer Ausflug ins bayerische Voralpenland bei Weyarn im Landkreis Miesbach - Die Kelten in Bayern: Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn.
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Monika Hoffmann

Monika Hoffmann

schreibt seit 2014 auf ihrem Blog Reise-Zikaden Foto-, Natur- und historische Reportagen aus Griechenland, Italien, Österreich, Deutschland mit Schwerpunkt München und Bayern. Ihre Passion auf Reisen ist Geschichte und der Besuch archäologischer Plätze. Spezialgebiete: Ur- und Frühgeschichte & Antike Hochkulturen. Die Fotografin, Redakteurin, Köchin, Naturfreundin liebt Griechenland, Italien und ihre Heimat Oberbayern: Über die Geschichte bis zu Musik, Literatur, Filmkunst.

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