Stoizismus: Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann


reise-zikaden.de, Stoizismus, Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann, Freiheit Wir befassen uns mit der Philosophie der Stoa aus der Epoche des Hellenismus. Sieben Übungen können euch in der Corona-Krisenzeit helfen. Mit Verstand und der Logik erlangen wir Freiheit, Lebensqualität und Glück. Foto: Pixabay

Die Philosophie der Stoa stammt aus der Epoche des Hellenismus. Nicht nur in der Corona-Zeit könnten sieben Übungsthemen helfen. Mit Verstand und Logik erlangen wir Freiheit und Glück. Foto: Pixabay

Cool bleiben ist ein antiker Klassiker! Zeitlose Weisheiten für schwierige Lebenssituationen sind auch im 21. Jahrhundert eine Stütze. Wer möchte das nicht, ein zufriedenes und standhaftes Leben in Gelassenheit.

Unser Artikel Stoizismus: Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann befasst sich mit der Philosophie der Stoa aus der Zeit des Hellenismus. Sieben Übungsthemen könnten in Krisenzeiten helfen.

Unser Leben wird durch äußere Ereignisse erschwert. Inmitten der Corona-Krise fühlen wir uns ausgeliefert. Wir fragen, was ist wesentlich im Leben? Haben wir die Kontrolle verloren? Nein!

Schon die antiken Philosophen der Stoa erkannten: Das was im Moment passiert ist von uns nicht beeinflussbar. Wie wir diese Faktoren jedoch auffassen, können wir sehr wohl beeinflussen.

Auf Ereignisse nicht mit negativen Emotionen zu reagieren lehrt die Stoa. Unsere Handlungsweise sollte dem Verstand und der Logik folgen. Dadurch erlangen wir Freiheit, Lebensqualität und Glück.

Der Stoizismus begeistert uns persönlich, seit wir auf Reise-Zikaden die Serie Zitate aus der Antike starteten. Erstaunlich wie gut die Lehre der Stoa in die heutige Zeit und der COVID-19-Pandemie passt.

Jeder Aspekt der Natur beinhaltet eine Kraft,
die in letzter Instanz auf das Gute ausgerichtet ist.“

Zenon von Kition (334 – 262 v. Chr.), hellenistischer Philosoph, Begründer der Stoa

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Was ist Stoizismus?

reise-zikaden.de, Stoizismus: Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann, Stoa Poikile, Zenon von Kition Zenon von Kiton begann um 308 v. Chr. auf der Agora in Athen Philosophie zu lehren. Dazu nutzten Zenon und seine Schüler die Stoa Poikile, eine bemalte Säulenhalle. Fotos: Wikipedia, Fondo Paolo Monti (Portrait), assassinscreed.fandom.com (Stoa Poikile)

Zenon von Kition begann um 308 v. Chr. auf der Agora in Athen Philosophie zu lehren. Dazu nutzten Zenon und seine Schüler die Stoa Poikile, eine freskierte Säulenhalle aus dem 5. Jhd. v. Chr. Fotos: Wikipedia, Fondo Paolo Monti (Zenon Büste), assassinscreed.fandom.com (Stoa Poikile)

In den schwächelnden griechischen Stadtstaaten des 4./3. Jhds. v. Chr. entwickelte sich der Stoizismus. Die Epoche des Hellenismus war geprägt von politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Umbrüchen.

Die Menschen gewannen den Eindruck, dass der Einzelne nichts ändern konnte und dem Geschehen ausgeliefert sei. Die Zeiten damals waren ähnlich unübersichtlich und dynamisch wie heute.

Der Name Stoizismus geht auf eine überdachte und bunt freskierte Säulenhalle (ἡ ποικίλη στοά, Stoa Poikile, Bunte Halle), aus dem 5. Jhd. v. Chr., an der Nordseite der Agora von Athen zurück.

Der Gründer des Stoizismus war der Philosoph Zenon von Kition (Ζήνων ὁ Κιτιεύς). Er nutzte um 308 v. Chr. diese Säulenhalle, in Ermangelung einer Alternative für seine Lehrtätigkeit.

Der Kaufmanns-Sohn Zenon von Kition (334 – 262 v. Chr.) stammte aus Zypern. Als er nach Athen kam, studierte er elf Jahre bei den Philosophen Krates von Theben, Stilpon, Diodoros Kronos und Polemon.

Danach suchte Zenon auf der Agora den Dialog mit anderen und gab seine persönlichen Ansichten in der Stoa weiter. Daher wird der Stoizismus nach seinem philosophischen Lehrgebäude Stoa genannt.

Das oberste Ziel eines idealen Menschen sei stets die Tugendhaftigkeit und der gelassene Umgang mit den Wechselfällen des Lebens“.

Zenon von Kition (334 – 262 v. Chr.), hellenistischer Philosoph, Begründer der Stoa

Stoizismus ist Krisenphilosophie, Anker und Rettungsring. In unruhigen Zeiten steigt das Verlangen nach innerer Ruhe. Der stoische Philosoph zieht sich auf das einzig Kontrollierbare zurück: Das eigene Selbst.

Vertreter der stoischen Lebensphilosophie nennen sich auch Stoiker. Berühmtheiten der Stoa der Kaiserzeit waren der römische Kaiser Marc Aurel, sowie die Philosophen Epiktet und Seneca.

Die Schule der Stoa wandelte sich im Lauf der Geschichte und gliedert sich in drei Perioden:

  1. Alte Stoa (um 308 bis um 150 v. Chr.): Zenon von Kition, Kleanthes, Chrysippos
  2. Mittlere Stoa (um 150 v. Chr. bis Zeitenwende): Panaitios, Poseidonios
  3. Jüngere Stoa, Stoa der Kaiserzeit (um 50 bis 180 n. Chr.): Seneca, Epiktet, Marc Aurel

Angesehene Stoa-Philosophen der Neuzeit waren René Descartes, Philipp Melanchthon, Immanuel Kant und auch Friedrich der Große. Die Stoa geriet in über zweitausend Jahren nie in Vergessenheit.

Inmitten der Corona-Pandemie, in unserer schnelllebigen und stressigen Zeit, werden sich viele wieder der Wichtigkeit dieser antiken Lebens- und Krisenphilosophie bewusst.

Wenn dir jemand mitteilt, dir sage jemand Böses nach, dann rechtfertige dich nicht, sondern antworte: Er kannte wohl meine anderen Fehler nicht; denn sonst würde er nicht nur diese hier erwähnen.“

Epiktet (um 50 – um 135), ehemaliger Sklave und Philosoph, Handbuch der Moral

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Was kennzeichnet einen Stoiker?

reise-zikaden.de, Stoizismus: Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann italy, rome, marc aurel, equestrian Statue, capitoline hill Die Kopie der berühmten Reiterstatue von Mark Aurel steht auf dem Kapitolsplatz in Rom. Die rechte Hand hat der römische Kaiser zur Begrüßung erhoben. Die Originalstatue befindet sich heute im Hof des Konservatorenpalastes der Kapitolinischen Museen. Foto: Monika Hoffmann

Die Kopie der Reiterstatue von Mark Aurel steht auf dem Kapitol in Rom. Seine „Selbstbetrachtungen“ sind das letzte bedeutende literarische Werk der jüngeren Stoa. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Ein Stoiker (στωϊκός, Stoikos) folgt der Lehre und Weltanschauung des Stoizismus. Eine tiefe Gleichmut der Seele, die selbstbeherrscht und unerschütterlich ist, dominiert den Philosophen.

Neben Tugendhaftigkeit und permanenter Entwicklung folgt der Stoiker als wichtiges Ziel der Eudaimonia (εὐδαιμονία, Eudämonia, Guter Dämon), ein Begriff aus der antiken Philosophie.

Übersetzt könnte man Eudaimonia als gelungene Lebensführung bezeichnen. Ziel ist, ein konstant glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Dies kennt weder Habgier, Hass, Wut oder Materialismus.

Kern der Eudaimonia: Materielle Dinge lösen weder innere Konflikte, noch spenden sie Lebensglück. Ziel ist, den „eigenen guten Geist“ auszuleben und mehr gute Taten als schlechte zu vollbringen.


Lest dazu im Blog: Zitate aus der Antike: Sei wie ein Fels – Promontorii instar esse, von Marc Aurel


Wichtig ist die Oikeiosis (οἰκείωσις, Oikeiosis, zu eigen machen). Die Ethik der Stoa versteht darunter das ursprüngliche Selbstverhältnis der Lebewesen, das zugleich der Ursprung ihres Selbsterhaltungstriebs ist.

Stoiker erkennen, dass Realität eine eigene Dynamik hat. Sie konzentrieren sich auf Dinge deren Ausgang beeinflussbar ist, dies erzeugt Klarheit. Leugnen der Pandemie, lässt diese nicht verschwinden.

Von Dingen oder Zuständen deren Ausgang nicht beeinflussbar ist, wendet der Stoiker sich ab. Je klarer und fokussierter seine Herangehensweise, desto besser kann er auf die Situationen reagieren.

Ein weiteres Grundprinzip ist die Ataraxie (ἀταραξία, Ataraxia, Unerschütterlichkeit). Damit wird das Idealbild der Seelenruhe beschrieben. Ataraxie beschreibt einen Zustand der Gelassenheit.

Problemen und Schicksalsschlägen begegnet der Stoiker gelassen und ruhig. Er akzeptiert was geschehen ist und versucht nicht wütend, traurig oder gestresst zu reagieren.

Ein Stoiker versucht seine Emotionen zu benennen und in seine Denkweise einzubeziehen. Dadurch vermeidet er emotionale Schlussfolgerungen, die nicht immer der Logik folgen.


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Die vier Lebensgrundsätze der Stoiker

reise-zikaden.de, Stoizismus, Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann Weiheit ist eine der Kardinaltugenden der Stoa. Sie ist eine durch Erfahrung gewonnene Lebensklugheit oder eine innere Reife. Foto: Pixabay

Weisheit ist eine der vier Kardinaltugenden der Stoa. Sie ist eine durch Erfahrung gewonnene tiefe Lebensklugheit. Das Buch mit Baum in einer Blumenwiese symbolisiert diese Tugend. Foto: Pixabay

Wer dem Stoizismus folgt, strebt nach Tugend und Freiheit, sowie sich immer weiterzuentwickeln. Die folgenden vier Kardinaltugenden integriert der Stoiker sowohl in Charakter und seine Lebensweise.

1. Gerechtigkeit

Gerechtigkeit (δικαιοσύνη, Dikaiosyne) ist die erste Tugend und kann mit dem Begriff Fairness übersetzt werden. Dabei wendet der Stoiker seine Fähigkeit an, mit jedem gut umgehen zu können.

Freundlich nimmt er die Bedürfnisse seines Gegenübers wahr und behandelt diesen unabhängig von seinem Status oder Ansehen. Auch dann, wenn der Stoiker sich unfair behandelt fühlt.

Die beste Art, sich an jemand zu rächen, ist, es ihm nicht gleich zu tun.

Marc Aurel (121 – 180), römischer Kaiser und Philosoph

2. Mut

Das zweite Grundprinzip eines Stoikers ist Mut (aνδρεία, Andreia) zu haben. Der Begriff lässt sich mit mit Zivilcourage, Beherztheit, Tapferkeit, Unerschrockenheit übersetzen.

Denn es gehört Mut dazu, in Problem-Situationen stets nach den Überzeugungen der Stoa besonnen zu handeln und das Richtige zu tun. Der Stoiker hat dabei keine Angst seine eigene Meinung zu sagen.

Auch wenn der Stoiker dafür eigene Vorurteile in Frage stellen und über den eigenen Schatten springen muss. Alternative Perspektiven überzeugen den Stoiker, wenn sie logisch sind.

Wer tapfer ist, ist ohne Furcht. Wer ohne Furcht ist, ist ohne Traurigkeit.
Wer ohne Traurigkeit ist, ist glücklich.“

Seneca der Jüngere (4 v. Chr. – 65), römischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher

3. Selbstbeherrschung und Besonnenheit

Um in schwierigen Situationen richtige Entscheidungen zu treffen, sind Selbstbeherrschung (ἐγκράτεια, Enkrateia) und Besonnenheit (σωφροσύνη, Sophrosyne) wichtige Charakterzüge eines Stoikers.

Das Ziel der Stoa ist die Freiheit. Doch Emotionen können die Freiheit beeinträchtigen. Wer emotional reagiert, denkt unlogisch und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Fehleinschätzung.

Die Kontrolle über äußere Reize sind dem Stoiker wichtig. Hat er seine innere Mitte gefunden, kann er ruhig und besonnen reagieren, ohne überschwänglich oder temperamentvoll zu sein.

Vertraue nicht auf deinen Ruf, auf dein Geld oder deine Stellung, sondern auf deine innere Stärke: Deine Einschätzung dessen, was unter deiner Kontrolle steht und was nicht. Denn das allein macht uns unabhängig und frei, es zieht uns beim Schopf aus den Tiefen empor bis auf Augenhöhe mit den Reichen und Mächtigen.“

Epiktet (um 50 – um 135), ehemaliger Sklave und Philosoph

4. Weisheit

Im antiken Verständnis ist mit Weisheit (φρόνησις, Phronesis) weniger wissensbasierte Weisheit gemeint, sondern eine eine durch Erfahrung gewonnene Lebensklugheit – auch innere Reife.

Sämtlichen Problemen versucht der Stoiker mit Ruhe, Sachlichkeit und Logik zu begegnen. Er lässt sich durch seine Abgeklärtheit keinesfalls in Stress, Wut oder Angst versetzen.

Meist bestimmen uns Emotionen oder wir ziehen in einer unangenehmen Situation voreilige Schlüsse. Dabei ist vor allem die richtige Wahrnehmung wichtig und entscheidend.

Es wird sehr wenig benötigt, um ein glückliches Leben zu führen.
Es ist alles in dir, in deiner Art zu denken.“

Marc Aurel (121 – 180), römischer Kaiser und Philosoph

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Mit der Stoa durch die Krise

reise-zikaden.de, Stoizismus: Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann Drei Smileys zeigen in Symbolen das Ziel der Philosophie der Stoa: Traurig (links), Stoiker (Mitte) und Wütend. Der rote Virus (rechts) symbolisiert die Pandemie als nicht beeinflussbaren Faktor. Fotos: Pixabay, Composing Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Trauriger Smiley (links), glücklicher Smiley (Mitte) und wütender Smiley zeigen: Der Glückliche hat das Ziel der Philosophie des Stoizismus erreicht. Der rote Virus (ganz rechts) symbolisiert die Corona-Pandemie als nicht beeinflussbaren Faktor. Fotos: Pixabay, Composing Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Ars Vivendi ist ein lateinischer Begriff aus der Philosophie und bedeutet übersetzt die Kunst zu leben. Gut zu leben ist kein Zufall. Diese Lebenskunst erfordert tägliches Üben und geistige Disziplin.

Wir können an uns arbeiten und immer weiter verbessern – wie ein Maler sein Kunstwerk. Im folgenden haben wir sieben Übungen zusammengestellt, die in Krisenzeiten helfen könnten.

Carpe diem: Pflücke den Tag

reise-zikaden.de - Griechenland, Kreta, Osten, Sitia, Lasithi, Palekastro, Roussolakos, Kouremenos Beach, Strand, Tafelberg Kastri. Strandlandschaft bei Palekastro im Osten von Kreta. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Carpe diem: „Nimm das Leben als Geschenk“. So empfanden wir diesen Strand auf Kreta. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Das wichtigste im Leben sollte keiner von uns vergessen: Pflücke den Tag (Carpe diem). Denn unser Sein droht uns schon in alltäglichen und banalen Szenen oft als erstes zu entgleiten.

Daher sollten wir wenigstens einmal täglich intensiv innehalten. Dabei vergewissern wir uns einem tiefen Glück: Der Freude zu Sein. Dabei hilft es auf wertvolle Momente im Leben oder Weisheiten zurückzugreifen.

Wenn in einer Situation Wut aufsteigt, sollten wir uns fragen, ob der Konflikt überhaupt einer Aufregung wert ist. Inne halten, den Blick auf das Wesentliche richten und gelassen bleiben.

Übe dich deine Fassung zu bewahren, nimm dich zusammen!
Zorn wenn er warten muss hört auf.“

Seneca der Jüngere (4 v. Chr. – 65), römischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher

Die Welt geistig aus der Vogelperspektive betrachten

reise-zikaden.de, Stoizismus, Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann, Vogelperspektive Die Welt aus der Vogelperspektive - und der Alltag bringt uns nicht mehr aus der Ruhe. Foto: Pixabay

Die Welt aus der Vogelperspektive – und der Alltag bringt uns nicht mehr aus der Ruhe. Foto: Pixabay

In einer schwierigen Situation, sollten wir versuchen eine Vogelperspektive einzunehmen. Dadurch können wir mit Abstand eine besonnene Sicht auf die Dinge umsetzen.

Dazu hilft eine bildliche Selbstbetrachtung, die sich immer weiter aus dem Gebäude, der Stadt, dem Land und der Erde entfernt – bis in die Weiten des Universums. Alles steht dann in einer winzigen Ecke des Kosmos.

Vogelperspektive hilft sich vom Festhalten am Trivialen zu lösen. Der Geist bewegt sich über das Banale hinaus und weitet die Perspektive. Alltägliches bringt uns nicht aus der Ruhe.

Betrachte das Universum, die Materie und wie wenig du daran Anteil hast. Denke an die Zeitläufe und wie kurz – nur ein Augenblick – dein Anteil daran ist. Denke an die Fügungen des Schicksals und wie unendlich klein deine Rolle darin ist.“

Marc Aurel (121 – 180), römischer Kaiser und Philosoph

Schwierige Situationen in neuem Licht sehen

reise-zikaden.de, Stoizismus, Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann Die Lehre des Stoizismus Die Lehre der Stoa versucht in Einschränkungen Potenzial zu erkennen. Foto: Pixabayversucht sogar in Einschränkungen Potenzial zu erkennen. Foto: Pixabay

Die Lehre der Stoa versucht in Einschränkungen Potenzial zu erkennen. Foto: Pixabay

Stoiker versuchen in Herausforderungen eine Chance, in Einschränkungen Potenzial zu erkennen. Ein Perspektivwechsel ermöglicht eine schwierige Situation in neuem Licht zu sehen.

Dabei werden alle Widrigkeiten im Alltag genutzt. Dies ist nicht einfach, denn wir reagieren auf Widrigkeiten stets mit Abwehr, Wut, Ärger. Gute Gelegenheiten zum „Training“.

Dieser Perspektivenwechsel kann nicht durch Wissenserwerb erlernt, sondern muss durch ständige Übung trainiert werden. Dies ist vermutlich die schwierigste stoische Übung.

Die Lebenskunst ist der Kunst eines Ringers ähnlicher als der Kunst eines Tänzers, insofern sie auf die Schläge und nicht vorhersehbaren Ereignisse vorbereitet ist und fest dasteht, ohne zu wanken.“

Marc Aurel (121 – 180), römischer Kaiser und Philosoph

Sich von Abhängigkeiten befreien

reise-zikaden.de, Stoizismus: Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann Beim Fasten werden Süßigkeiten weggelassen, um davon unabhängig zu werden. Foto: Pixabay

Beim Fasten werden Süßigkeiten weggelassen, um davon unabhängig zu werden. Foto: Pixabay

Dass die Zeiten unsicher sind, hat jeder von uns im Corona-Jahr erfahren. Verluste jeglicher Art können jederzeit eintreffen. Diese Übung geschieht nicht im Kopf, sondern wird gelebt.

Für einen begrenzten Zeitraum wird Verlust simuliert und gefastet. Es geht nicht nur um Gesundheit, sondern um Abhängigkeit bewusst zu machen und davon unabhängig zu werden.

Beim Fasten können z. B. auch Süßigkeiten oder Soziale Medien weggelassen werden. Übe, was du fürchtest! Emotionen wie Angst haben ihre Wurzeln in Unsicherheiten, selten in Erfahrungen.

Hier ist eine Lektion, um den Eifer deines Verstandes zu prüfen: Verbringe eine Woche mit dem magersten und einfachsten Essen, kleide dich spärlich in schlichten Lumpen, und dann frage dich, ob dies wirklich das Schlimmste ist, was du zu befürchten hast.

 

Wenn die Zeiten gut sind, dann solltest du dich bereit machen für die schwierigeren Phasen in der Zukunft, denn während Fortuna uns hold ist, können wir unsere Verteidigung gegen ihre Attacken aufbauen.

 

Deshalb üben Soldaten im Frieden, bauen Bunker, obwohl kein Feind in Sicht. Strapazieren sich, obwohl niemand angreift, damit sie nicht müde werden, wenn es soweit ist.“ 

Seneca der Jüngere (4 v. Chr. – 65), römischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher

Der Vergänglichkeit bewusst werden

reise-zikaden.de, Stoizismus, Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann, schwere Zeiten, Vergänglichkeit "Schnell flieht die Zeit - sei bereit" steht an einer Hausfassade in Oberammergau. Foto: Pixabay

„Schnell flieht die Zeit – sei bereit“ steht an einer Hausfassade in Oberammergau. Foto: Pixabay

Alle Dinge sind vergänglich – das ist eine grundlegende Erkenntnis. Wir können nichts auf Dauer festhalten. Diese Tatsache soll nicht die Freude am Leben nehmen oder ängstigen.

Ein Stoiker verwendet „Memento Mori-Gedanken“ (Sei dir der Sterblichkeit bewusst), um wertvolle Augenblicke zu schätzen. Oder um Dankbarkeit für Schönes zu empfinden.

Ein zentraler Gedanke der Stoa ist, dass wir eine tiefe Zufriedenheit erleben können mit dem was wir haben. Ohne dabei darauf zu schielen, was wir morgen noch Besseres erlangen könnten.

So entwickelt man einen perfekten Charakter: indem man jeden Tag verbringt, als sei es der letzte – ohne Hast, ohne Faulheit, ohne Vortäuschung.“ 

Marc Aurel (121 – 180), römischer Kaiser und Philosoph

Die Folgen eigener Handlungen überdenken

reise-zikaden.de, Stoizismus, Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann, pirat Wenn dem Stoiker Böses begegnet, setzt er mit Vernunft und Weisheit an. Foto: Pixabay

Wenn dem Stoiker Böses begegnet, setzt er mit Vernunft und Weisheit an. Foto: Pixabay

Bei unserem Handeln bleiben oft Vernunft und Weisheit auf der Strecke. Die Gründe sind unterschiedlich. Emotionen reißen uns zu unvernünftigem Handeln hin.

Manchmal sind unsere Handlungen kaltblütig, aber ohne Weisheit. Ein Stoiker übt sich immer wieder darin, vor seinem Handeln den Verstand einzuschalten und Nachzudenken.

Meist geschieht nicht mutwillig Böses, sondern aus Unwissenheit. Wenn Böses das Ergebnis von Unwissenheit und mangelndem Nachdenken ist, setzt der Stoiker mit Vernunft und Weisheit an.

Kann dieser Mensch vielleicht gar nicht anders? Bedenke, dass auch du nicht unfehlbar bist und so, wie er dich ärgert, auch du andere Menschen verärgert hast. Das Leben ist kurz, und wenn du dich noch länger ärgerst, hast du deine Zeit vergeudet.“

Marc Aurel (121 – 180), römischer Kaiser und Philosoph

Sich in Selbstbeherrschung üben

reise-zikaden.de, Stoizismus, Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann_disziplin Selbstbeherrschung ist eine der vier Kardinaltugenden der Stoa. Foto: Pixabay

Selbstbeherrschung ist eine der vier Kardinaltugenden der Stoa. Foto: Pixabay

Selbstbeherrschung gehört zu den vier Kardinaltugenden der Stoa. Sie ist kein Selbstzweck, sondern notwendige Voraussetzung um tugendhaft zu handeln.

Wenn persönliche Provokation stattfindet (z. B. Beleidigung, Anfeindung), ist die einfache Lösung: Nichts tun! Dazu hilft die Selbstbeobachtung um Impulsauslöser kennenzulernen, mit denen wir uns reizen lassen.

Am Provokateur kann man das Widerstehen üben. Selbstbeherrschung richtet sich nicht nur gegen äußere, sondern auch gegen innere Herausforderungen (z. B. Heißhunger, Sucht).

Die größte Herrschaft ist die Selbstbeherrschung.“

Seneca der Jüngere (4 v. Chr. – 65), römischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher

Um im Stoizismus eine persönliche Weiterentwicklung zu erreichen, schlagen die Philosophen der Stoa mehrere Verfahrensweisen bzw. Übungen vor:

  • Regelmäßige Meditation
  • Selbstreflexion
  • Literatur über den Stoizismus lesen
  • Spaziergänge mit offenen Sinnen
  • Inspirierende Gespräche mit Freunden
  • Eigene Lebensweisheiten notieren
  • Stoa-Tagebuch führen

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ARD-alpha Video: Denker des Abendlandes – Stoa

Faszinierende Gespräche in der Sendereiche Denker des Abendlandes (30 Minuten). Der Physiker Harald Lesch und der Philosoph Wilhelm Vossenkuhl vermitteln leicht verständlich das geistige Erbe Europas. „Es gibt kaum einen antiken Teil der Philosophie, der so unglaublich aktuell ist.“ – Harald Lesch

Ich schreite vorwärts in meinem naturgemäßen Lauf, bis ich hinsinke und ausruhe und meinen Geist in dasselbe Element aushauche, aus dem ich ihn täglich einatme, und zur Erde zurückkehre, von der mein Vater den Zeugungsstoff, meine Mutter das Blut und meine Amme die Milch erhielt, von der ich täglich so viele Jahre hindurch Speise und Trank empfange, die mich trägt, während ich sie mit Füßen trete und so vielfach mißbrauche.“

Marc Aurel (121 – 180), römischer Kaiser und Philosoph, Selbstbetrachtungen, fünftes Buch

Quellen


Buch-Tipps – Stoizismus: Wie antike Philosophie in Corona-Zeiten helfen kann

  • FinanzBuch Verlag, Der tägliche Stoiker: 366 nachdenkliche Betrachtungen über Weisheit, Beharrlichkeit und Lebensstil, von Ryan Holiday und Stephen Hanselman, 432 Seiten, 1. Auflage 2017.
  • Reclam Verlag, Stoische Philosophie: Eine Einführung, von Anna Schriefl, 203 Seiten, 1. Auflage 2019.
  • Insel Verlag, Epikur: Philosophie der Freude, von Paul M. Laskowsky,131 Seiten, 1. Auflage 1999.
  • Reclam Verlag, Seneca: Briefe an Lucilius, von Marion Giebel, 780 Seiten, 1. Auflage 2014.
  • Reclam Verlag, Epiktet: Handbüchlein der Moral, von Kurt Steinmann, 108 Seiten, 1992.
  • Reclam Verlag, Marc Aurel: Selbstbetrachtungen, von Gernot Krapinger, 252 Seiten, 1. Auflage 2019.
  • Reclam Verlag, Michel de Montaigne: Essais, von Arthur Franz, 400 Seiten, 1. Auflage 1986.
  • Reclam Verlag, Blaise Pascal: Gedanken, von Jean-Robert Armogathe, 571 Seiten, 1. Auflage 1997.
  • Reclam Verlag, Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit, von Arthur Hübscher, 247 Seiten, 1. Auflage 1986.

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Zuletzt aktualisiert am 7. Dezember 2021 um 8:44 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

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Monika Hoffmann

schreibt Foto-, Natur- und historische Reportagen aus Griechenland, Italien, Österreich, Deutschland mit Schwerpunkt München und Bayern. Passion auf Reisen: Geschichte und archäologische Plätze. Spezialgebiete: Ur- und Frühgeschichte & Antike Hochkulturen. Die Fotografin, Redakteurin, Köchin, Naturfreundin liebt Griechenland, Italien und ihre Heimat Oberbayern: Über die Geschichte bis zu Musik, Literatur, Filmkunst.

2 Kommentare:

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