Bronzezeit auf Kreta: Die Entwicklungen der Minoer im Schiffsbau


Ship_procession_fresco_Akrotiri_Yann Vergiss Das Fresko aus der minoischen Hafenstadt Akrotiri von der Insel Santorin wird meist "Schiffsfresko von Akrotiri" genannt und datiert in den Zeitraum 1.650 bis 1.500 v. Chr. Es befand sich einst im Obergeschoss eines Hauses (Westhaus). Der Luftabschluss nach den Vulkanausbruch hat es gut erhalten. Foto: Wikipedia, Yann Vergiss

Das minoische Fresko stammt aus den Ausgrabungen von Akrotiri auf der Insel Santorin. Meist wird es „Schiffsfresko von Akrotiri“ genannt und datiert in den Zeitraum 1.650 bis 1.500 v. Chr. Es befand sich einst im Obergeschoss eines Hauses (Westhaus). Der Luftabschluss nach dem Vulkanausbruch ±1.613 v. Chr. (Abweichung 13 Jahre) hat es gut erhalten. Foto: Wikipedia, Yann Vergiss

In der Bronzezeit des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. erlebten alle Ägäis-Inseln durch Innovationen im Schiffsbau ein außerordentliches Wachstum. Die Anfänge machten die Bewohner auf den Kykladen mit geruderten Einbäumen. Die Minoer auf Kreta entwickelten daraus das Plankenboot mit Segeln.

Die günstige geographische Lage von Kreta und archäologische Fundstücke über die intensiven Außenbeziehungen der minoischen Kultur zeigen: Das Meer war die treibende Kraft der wirtschaftlichen und kulturellen Erfolgsgeschichte der Minoer. Doch welche Voraussetzungen, Entwicklungen und Techniken durchlief das Seewesen? Wie sahen minoische Schiffe und Häfen aus?

Die Quellenlage zum minoischen Schiffsbau ist bruchstückhaft. Wenige minoische Häfen wurden auf Kreta gefunden. Kein Schiffswrack informiert das über Aussehen, Größe, Material, Konstruktion und Nutzung. Darstellungen von minoischen Schiffen, die einen Zeitraum von 1.600 Jahren umspannen, sind dagegen durch Fundstücke belegt, wie Abbildungen auf Siegeln, Fresken, Keramik und Tonmodelle.

In unserem Bericht geben wir einen Überblick zum Schiffsbau der Minoer. Außerdem beschreiben wir die Lage der Häfen, sowie die Schiffsrouten des bronzezeitlichen Kreta. Vielleicht wird nach der Lektüre eurer Forscher- und Entdeckergeist geweckt? Wer sich während einer Kreta-Reise auf die Suche nach minoischen Häfen machen möchte, der wird im Kapitel Wo lagen auf Kreta minoische Häfen? fündig.


buchcover_inseln der windeDie experimentelle Archäologie lässt die Flotten der Minoer wieder segeln. Das spannende Forschungsprojekt und Fachbuch „Inseln der Winde: Die maritime Kultur der bronzezeitlichen Ägäis“ widmete sich mehrere Jahre diesem interessanten Thema. Die Ergebnisse der Forschungen stellen wir in Auszügen in unserem Bericht „Bronzezeit auf Kreta: Minoische Entwicklungen im Schiffsbau“ vor.

Drei renommierte Wissenschafter realisierten sowohl Forschungs- und Buchprojekt:

  • Prof. Dr. Diamantis Panagiotopoulos: Klassische Archäologie, Ur- und Frühgeschichte, Alte Geschichte, Kunstgeschichte, Universität Heidelberg – Forschungen zu sozialen und wirtschaftlichen Strukturen der bronzezeitlichen Ägäis. Kulturelle Interaktionen im östlichen Mittelmeer im 2. Jt. v. Chr.
  • Dipl. Ing. Gerhard Plath: Ingenieur, Architekt, Stadtplaner – Feldprojekte auf Kreta, Hafen-Modelle.
  • Dipl. Des. Thomas Guttandin: Ausstellungskonzept, Modelle, Rekonstruktionszeichnungen.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden in Sonderausstellungen in Heidelberg (2010/11), Karlsruhe (2010/11), Mainz (2014/15) und Künzing (2015) gezeigt. Zusätzlich wurde ein Ausstellungskatalog „Inseln der Winde – Die maritime Kultur der bronzezeitlichen Ägäis“ veröffentlicht (siehe Quellenangaben). Infos zur Ausstellung 2020 im Archaeological Museum of Mesara in Gortyn im Kapitel: Ausstellungstipp


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Welche Bedingungen bietet die Ägäis für die Seefahrt?

reise-zikaden.de, griechenland, kreta, sitia, moni faneromenis, Blick von der Nordküste Kretas auf die ägäische Inselgruppe der Dionysaden bei Sitia. Paximada (rechts) und Gianisada sind heute Naturschutzgebiet. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Blick von der Nordküste Kretas auf einen Teil der ägäischen Inselgruppe der Dionysaden bei Sitia. Paximada (links) und Gianisada sind heute Naturschutzgebiete. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Ägäis liegt im Nordosten des Mittelmeers zwischen Griechenland und Kleinasien und ist 650 Kilometer lang, 290 Kilometer breit und bis zu 3.000 Meter tief. An den Dardanellen und am Bosporus besteht offenbar erst seit dem 6./7. Jtsd. v. Chr. eine Verbindung ins Schwarze Meer. Die großen Inseln Kreta und Rhodos bilden im Süden die Grenze vom Nebenmeer der Ägäis zum Mittelmeer.

Bis vor etwa 10.000 Jahren waren die Kykladen keine Inseln und noch mit dem Festland verbunden. Die Ägäis war durch eine Landbarriere vom Schwarzen Meer getrennt. Dies belegen Funde von neolithischen Steinwerkzeugen auf Naxos, die im Oktober 2019 publiziert wurden. Der Fundort Stelida an der Nordwestküste weist darauf hin, dass auf Naxos vor 200.000 Jahren der Homo Erectus lebte.

Minos nämlich war der erste, vor dem wir Kunde haben, dass er eine Flotte besaß, das heute hellenische Meer weithin beherrschte und die Kykladen eroberte und meistenteils zuerst besiedelte, wobei er die Karer verdrängte und seine eigenen Söhne als Fürsten einsetzte. Auch von den Seeräubern reinigte er vermutlich das Meer nach Kräften, um seine Einkünfte zu verbessern”.

Thukydides, 460 – 400 v. Chr. Auszug aus „Geschichte des Peloponnesischen Krieges“.

Geologisch ist die Erde in der gesamten Ägäis höchst aktiv. Hier treffen afrikanische, ägäische und anatolische Kontinentalplatten aufeinander. Häufige Erdbeben und teils schwere Vulkanausbrüche sind die Folge davon. Nach Ende der letzten Eiszeit stieg außerdem der Meeresspiegel stark an.

Dadurch entstanden unzählige Inselgruppen in der Ägäis: Die bedeutendsten sind Kreta, der Dodekanes mit Rhodos und die Kykladen. Der gesamte Archipel der Ägäis war ideal für die Entwicklung des Seewesens mit einem überregionalen Austausch von Technologien und Waren.

Aegeansea_ol Satellitenbild der Ägäis. Links der Peloponnes, seine Form erinnert an eine Hand mit Daumen und drei Fingern. Im Zentrum die Inseln der Kykladen. Querliegend im Westen Kreta, die größte Insel Griechenlands. Foto: Wikipedia, NASA

Satellitenbild der Ägäis. Links der Peloponnes, seine Form erinnert an eine Hand mit Daumen und drei Fingern. Im Zentrum die Inseln der Kykladen. Querliegend im Süden Kreta, die größte Insel Griechenlands. Foto: Wikipedia, NASA

Häfen, Städte und Dörfer, die in Bronzezeit an den Küsten lagen, sind aufgrund der Plattentektonik entweder im Meer versunken oder liegen heute im Landesinneren.

Auf Kreta ließen die tektonischen Bewegungen (seit dem 10. Jhd. v. Chr.) Zentralkreta und Ostkreta absinken. Westkreta dagegen wurde um maximal acht Meter angehoben. Daher verläuft die Küstenlinie auf Kreta  heute anders als während der Bronzezeit.

Wer in der Ägäis unterwegs ist, hat gleichgültig von welchem Ort, Sicht auf eine der Inseln oder dem Festland. Diese kurzen Seewege nutzten die Ägäis-Bewohner um Kontakte zu den benachbarten Regionen zu knüpfen.

Neolithische Wracks wurden bislang in der Ägäis nicht gefunden. Obsidian-Funde auf dem Peloponnes, die von der Insel Milos stammen, zeigen dass die Bewohner der Kykladen schon früh die Ägäis befuhren.

Auf Kreta belegen Siedlungsreste aus dem Neolithikum, die auf das 7. Jtsd. v. Chr. datieren, dass Ackerbau und Viehzucht mit Migranten vom Festland auf die Insel kamen. Diese Funde belegen die Existenz von seetüchtigen Kanus, Flößen oder Einbäumen in der Ägäis während der Jungsteinzeit.

Das Klima während der Bronzezeit war etwas feuchter als heute. Es entsprach aber in etwa den gleichen Wetterverhältnissen wie wir sie kennen. Im Sommer weht in der Ägäis der Meltemi, ein trockener Nord- und Nordostwind. Er ist ein Landwind der sich tagsüber aufbaut und in der Nacht legt.

Im Winter bringen Westwinde Regen und unzählige Stürme. Dann herrschen Windgeschwindigkeiten von über acht Beaufort mit über vier Meter hohen Wellen. Daher wurde in den Wintermonaten Oktober bis April, während der Bronzezeit und der gesamten Antike, die Schifffahrt eingestellt.

Mit seiner schwachen Brise und leicht bewegter See lädt der Meltemi schon immer zur Schifffahrt ein. Daher ist die Ägäis seit Jahrtausenden ein verbindendes Element. Die geographische Konstellation der Ägäis hat die Entwicklung und den Bau von hochseetüchtigen Schiffen begünstigt.


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Der Einbaum kam vor 5000 Jahren von den Kykladen

minoan boat, 2300 – 1900 BC, wikipedia Modell eines Langboots aus Ton, Mittelminoische Zeit 2.300 – 1.900 v. Chr. Bronzezeitliche Händler befuhren mit einer Besatzung von etwa zwanzig Ruderern in Langbooten die Ägäis. Das Fundstück befindet sich im Archäologischen Museum von Heraklion.

Modell eines Einbaums aus Ton, Frühminoische Zeit 2.800 – 2.300 v. Chr. Bronzezeitliche Händler befuhren mit einer Besatzung von zwanzig bis vierzig Ruderern in solchen Schiffen die Ägäis. Das Fundstück befindet sich im Archäologischen Museum von Heraklion. Foto: Wikipedia, Zde

Die ältesten Darstellungen von Langbooten aus der Bronzezeit in der Ägäis stammen von der Kykladenkultur. Die Abbildungen wurden auf Kykladen-Pfannen, flachen Griffschalen aus Ton, eingeritzt und datieren auf 2.800 – 2.300 v. Chr. Das Bootsmotiv tritt häufig auf und belegt den hohen Wert dieser Schiffe für die damalige Gesellschaft. Schiffswracks wurden bislang nicht gefunden.

Clay frying-pan-shaped vessel with ship decoration, 2800-2300 BC, Syros Kykladenpfanne mit der Darstellung eines Langbootes. Die flache Griffschale stammt aus der Nekropole von Chalandriani auf der Kykladeninsel Syros. Heute ist es in Athen im Archäologische Nationalmuseum ausgestellt. Foto: Wikipedia, Mollerus

Kykladenpfanne mit der Darstellung eines Langbootes. Die Griffschale aus Ton stammt aus der Nekropole von Chalandriani, Syros. Heute ist es im Archäologischen Nationalmuseum Athen ausgestellt. Foto: Wikipedia, Mollerus

Fast im gleichen Zeitraum begannen auch Künstler auf Kreta solche Langboote als Modelle nachzubilden. Die ältesten Fundstücke sind aus dem Frühminoikum und stellen Tonmodelle aus Palekastro und Mochlos dar.

Beide minoische Modelle zeigen Einbäume, diese wurden jedoch wesentlich kürzer dargestellt. Alle Merkmale eines Einbaumes von den Kykladen, wie hohes Heck mit Banner und einem flach aufragendes Bug wurden deutlich herausgearbeitet.

Den Anfang der ägäischen Schifffahrt bildete der große geruderte Einbaum. Dieser wurde auf den Kykladen im Zeitraum 3.000 bis 2.200 v. Chr. gebaut. Seine Bordkante wurde mit aufgesetzten Planken erhöht. Später wurde der Kiel gekrümmt und auch Segel verwendet.

Zuletzt wurden die Boote optimiert und vergrößert. In der Ägäis hatten Einbäume keine lange Tradition. Denn die Langboote konnten maximal eine Generation lang eingesetzt werden, dann begannen sie zu verrotten.

Für einen Einbaum wurden Bäume verwendet die mehrere Jahrhunderte benötigen um auf die erforderliche Größe zum Bau dieser Schiffe heranzuwachsen. Weißtannen (Abies alba) und Griechische Tannen (Abies cephalonica) wuchsen in nur in den Bergen von Nordwest-Griechenland, jedoch nicht auf den Ägäis-Inseln.

Große Einbäume boten etwa vierzig Ruderern Platz. Das Foto entstand in der Sonderausstellung „Kykladen – Frühe Kunst der Ägäis“ 2015 in München. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Große Einbäume boten etwa vierzig Ruderern Platz. Das Foto entstand in der Sonderausstellung „Kykladen – Frühe Kunst der Ägäis“ 2015 in München. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Nur Nadelbäume erreichten die erforderlichen sechzig Meter mit einem Durchmesser von zwei Metern die von den Bootsbauern auf den Inseln benötigt wurden. Entsprechende Wald-Ressourcen waren bald erschöpft. Denn die in Frage kommenden Bäume benötigten mehrere Jahrhunderte um nachzuwachsen.

Für den Bau des Einbaums wurde der Stamm grob zugeschlagen, ausgehöhlt, gewässert und zum Zielort abtransportiert. Dazu wurden Stein- Kupfer- und Bronzewerkzeuge (Beile, Keile, Bohrer, Schaber) verwendet. Das breite, niedrige Ende des Stammes bildete den Bug, der Spitz ausgearbeitet wurde.

Ein minoisches Tonmodell aus dem Ausgrabungsareal von Roussolakos bei Palekastro in Ostkreta zeigt, dass die Finne dieser Langboote am Heck war. Der Bau eines Einbaums war mit den noch einfachen Werkzeugen in dieser Epoche sehr zeitaufwändig und benötigte entsprechend viele Arbeiter.

Für die heutigen Kenntnisse über den Schiffsbau der Kykladenkultur wurden Vergleiche mit Einbäumen weit entfernter Regionen hinzugezogen. Dabei wurden Langboote der Maori auf Neuseeland und den Indianerstämmen der Haida, Nootkan und Kwakiutl aus Amerika mit den Abbildungen und Modellen aus der Ägäis verglichen.

Modell eines Kykladenschiffes

Modell eines Kykladenschiffes. Diese Rekostruktion wurde auch in der Kykladen-Ausstellung in München gezeigt. Foto: Hubert Vögele, Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg, RGZM


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Innovation im Mittelminoikum: Das Plankenschiff

mittelminoisches Schiff Modell eines mittelminoischen Schiffes. Plankenschiffe waren eine ökonomische Notwendigkeit, da sie deutlich schneller gebaut werden konnten. Foto: Hubert Vögele, Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg

Modell eines mittelminoischen Schiffes. Plankenschiffe mit Segeln waren Voraussetzung für die Entfaltung dieser Ära. Foto: H. Vögele, Institut für Klassische Archäologie, Universität Heidelberg, RGZM

Schiffe werden in der Mittelminoischen Zeit deutlich öfter abgebildet. Sicherlich spiegelt diese Häufung die Bedeutung für Handel und Fischfang in der Gesellschaft wieder. Doch liegen aus dieser Epoche kaum Modelle vor. Schiffsdarstellungen fanden sich lediglich als winzige skizzenhafte Darstellungen mit Segeln und Takelage auf Siegelsteinen, deren Durchmesser nur etwa zwei Zentimeter beträgt.

Linear_A_Sign_A086_ship_boat Das Linear A Zeichen für Boot (A086). Ideogramm: John Younger, Linear A Texts in phonetic transcription. Quelle: Wikipedia, Tomisti

Das Linear A Zeichen für Boot (A086). Ideogramm: John Younger, Linear A Texts in phonetic transcription. Quelle: Wikipedia, Tomisti

Siegel ermöglichen eine zeitliche Einordnung für die Einführung von Plankenschiffen mit Segeln auf Kreta am Ende des 3. Jtds. v. Chr. Um 2.100 v. Chr. wendeten die Minoer sich komplett vom Einbaum ab.

In allen drei minoischen Schriftsystemen, der kretischen Hieroglyphe, Linear A und Linear B existierte ein Zeichen für Schiff. Bedeutung oder Aussprache dieser Silbe (oder Wortes) sind bislang unbekannt.

Dennoch vermitteln alle bekannten Darstellungen von Schiffen eine Vorstellung von Form und Ausstattung. Wenige kleine Tonmodelle stammen aus dem 2. Jtsd. v. Chr. Der Ursprung minoischer Plankenschiffe aus den Einbäumen der Kykladenkultur lässt sich dort noch erahnen. In der Frühzeit der Epoche wurden die Steven verziert oder geschnäbelt. Ein Steven ist eine hochgezogene Kiel-Verlängerung bei Booten.

Samaria Gorge, Crete, Greece, Pinus brutia Die Kretische Kiefer (Pinus brutia) wächst bis heute in der Samaria-Schlucht in Westkreta. Seit Mittelminoischer Zeit wurden auf Kreta zum Bootsbau regionale Waldvorkommen genutzt. Foto: Wikipedia, Robert Linsdell

Die Kretische Kiefer (Pinus brutia) wächst bis heute in der Samaria-Schlucht in Westkreta. Seit Mittelminoischer Zeit wurden auf Kreta zum Bootsbau regionale Waldvorkommen genutzt. Foto: Wikipedia, Robert Linsdell

Neu waren ein kurzer, fülliger Rumpf mit Mast und Rahsegel. Der Kiel verlief gerade, später wurde er am Bug nach oben gebogen. Die Bootslängen variierten zwischen acht bis über fünfzehn Meter und fassten mehr Ladung.

Minoische Plankenschiffe wurden gesegelt und gerudert. Die Besatzung betrug fünf bis zehn Personen. Diesen Rahseglern war exaktes Ansteuern von Buchten und Segeln gegen den Wind unmöglich. Daher die Ruderbesatzung.

Diese Innovationen im Schiffsbau waren eine massive ökonomische Notwendigkeit. Der neue Bootstyp konnte von kleineren Arbeitergruppen mit verbesserten Bronzewerkzeugen (z. B. Sägen, Metallspitze am Steinbohrer) in überschaubarer Zeit erbaut werden. Dadurch stand mehr Personen der Zugang zum Meer, sowie der Weg zu Handel oder Fischfang offen.

Die Minoer wurden unabhängig vom Baumaterial. Kielhölzer und Planken wurden verlängert. Die Schiffsgröße richtete sich nach den Anforderungen an das Boot, nicht nach der Größe des Materials. Das Holz deutlich kleinerer Bäume konnte nun genutzt werden. Zum Schiffsbau wurde Kretische Kiefer (Pinus brutia), Pinie (Pinus pinea) und Phönizischer Wacholder (Juniperus phoenicea) genutzt.

Ohne diese Neuerungen hätte die rasante wirtschaftliche Entwicklung auf Kreta in der Mittleren Bronzezeit niemals stattfinden können. Bei der Weiterentwicklung der Schiffe wurden der Rumpf fülliger, die Segel größer. Verstärktes Abdriften wurde durch doppelte Steuerruder ausgeglichen. Der Holzbedarf für Schiffs- und Hausbau, sowie als Energieträger war gewaltig und veränderte die Umwelt nachhaltig.

schiff, modell, mittelminoisch, kreta, odigitrias_ol Das Tonmodell eines mittelminoischen Bootes wurde beim Kloster Moni Odigitrias in Südkreta gefunden. Sein Heck ist hochgezogen und hat eine Standfläche für den Steuermann. Die Löcher im Boden könnten seine Ladung mit runden Gefäßen darstellen. Paarweise ragen Auflanger für die Ruderer über die Bordwand. Athen, Goulandris-Museum, Sammlung Mitsotakis. Foto: Wikipedia, Zde

Das Tonmodell eines mittelminoischen Bootes (1.900 – 1.700 v. Chr.) wurde im Asterousia-Gebirge in Südkreta gefunden. Sein Heck ist hochgezogen und hat eine Standfläche für den Steuermann. Die Löcher im Boden könnten seine Ladung mit runden Gefäßen darstellen. Paarweise ragen Auflanger für die Ruderer über die Bordwand. Athen, Goulandris-Museum, Sammlung Mitsotakis. Foto: Wikipedia, Zde


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Spätminoische Zeit: Bewaffnete Handelsschiffe mit Kajüten

Ship_procession_fresco,_part_3,_Akrotiri,_Greece-ol Der Detailausschnitt aus dem Schiffsfresko von Akrotiri zeigt Schiffe aus der Spätminoischen Zeit. Eines der Boote (oben links) zeigt am Heck einen Sporn. Auch die Ikrion, die Kajüten mit Krieger sind erkennbar. Am Bug wurden florale Verzierungen angebracht. Foto: Wikipedia, Yann Vergiss. Composing: Reise-Zikaden

Der Ausschnitt aus dem Schiffsfresko von Akrotiri auf Santorin zeigt Schiffe aus der Spätminoischen Zeit. Eines der Boote (oben links) zeigt am Heck einen Sporn. Auch die Kapitänskajüte (Ikrion) ist erkennbar. Den Bug zierte oft floraler Schmuck. Foto: Wikipedia, Yann Vergiss. Composing: Reise-Zikaden

Ein einzigartiges Fundstück zum Bootsbau dieser Epoche stammt aus Santorin. In der minoischen Hafenstadt Akrotiri wurden Fresken entdeckt, die beim Vulkanausbruch um ±1.613 v. Chr. (Abweichung 13 Jahre) verschüttet wurden. Die Abbildungen stammen aus dem Westhaus und zeigen detailliert eine Flotte. Weitere Abbildungen stammen von Siegeln, dort wurden keine Ruderer abgebildet.

Zu Beginn der Spätminoischen Zeit um 1.700 v. Chr. pflegte Kreta intensive Handelskontakte im östlichen Mittelmeer. Im Schiffsbau kamen weitere Innovationen hinzu. Der Rumpf der Schiffe war nun etwa 17 bis 24 Meter lang und rund 3,5 bis 5 Meter breit. Die Verlängerungen des Kiels an Bug und Heck fielen weg. Dafür wurden sie mit Speeren und Spornen bewaffnet und mit Aufbauten ausgestattet.

Akrotiri_Westhaus_Fresko_Kapitänskajüte_ol Kapitänskajüte (Ikrion) auf einem Spätminoischen Fresko in Raum 4 im Obergeschoss des Westhauses in Akrotiri auf Santorin. Foto: Wikipedia

Das Spätminoische Fresko zeigt eine Kapitänskajüte (Ikrion). Westhaus, Raum 4, Obergeschoss, Akrotiri auf Santorin. Foto: Wikipedia

Diese Aufbauten am Heck waren Kajüten und wurden außen mit Leder verstärkt. Dort hielten sich bewaffnete Krieger auf. Kajüten dienten zum Schutz der Soldaten und trugen zur Verteidigung des Schiffes bei. Denn der Wert der Ladung einer Flotte war erheblich. Die Laderäume waren klein und wurden für den Transport von Stoffen, Gewürzen, Öle, Keramik, Stein- und Metallobjekte genutzt.

Die Schiffsbesatzungen waren mit Kapitän, Steuermann und etwa zehn Ruderern klein. Jedoch war Seeräuberei in der Ägäis weit verbreitet und bereitete den Handelsflotten schwere Verluste. Schutz bot die Reise im Flottenverbund. Daher ersannen die minoischen Ingenieure solche raffinierte Heckaufbauten (Kajüten), die möglicherweise auch abgenommen werden konnten. Diese Kajüten wurden Ikrion bzw. Ikria bezeichnet.

Außerdem wurde festgestellt, dass die Muster der Lederbespannungen eines Ikrion sich mit dem der Schilde der Krieger an Bord deckten. Schiffe mit einem Ikrion signalisierten feindlichen Schiffen bereits aus der Entfernung ihre Wehrhaftigkeit. Eine Differenzierung beim Schiffsbau in Handelsschiffe und Kriegsschiffe setzte erst im 9. Jhd. v. Chr. ein. In minoischer Zeit gab es noch keine solche Trennung.

Am Heck trugen die Schiffe einen Sporn, dieser war keilförmig und besaß Spitzen. Doch warum am Heck? Die Steven am Heck stiegen steiler an, daher konnte der Sporn dort kurz gehalten werden. Am flacheren Bug musste der Sporn deutlich länger sein, um einen Rumpf zu durchbohren. Der Hecksporn war allerdings nicht dauerhaft angebracht und wurde nur im Kriegsfall angebracht.

Ein nachträglich angebauter Hecksporn und dessen Stabilisierung funktionierte besser als am Bug. Den Bug verzierten meist Ornamente aus der Natur, wie Blumen oder Tiere. Die Spätminoischen Schiffe besaßen also mit dem Bug eine friedliche Seite und am Heck eine kriegerische Seite.

Wie erhöhten die Schiffe ihre Geschwindigkeit, ohne sie umbauen zu müssen? Mit einer Besatzung von vierzehn Mann waren die Boote manövrierfähig. Im Kriegsfall wurde die Ruderbesatzung verdreifacht um ein höheres Tempo zu erreichen. Durch die vielen Menschen war die Gewichtsverteilung an Bord ungünstig. Daher wurden die Masten umgelegt um den Gewichtsschwerpunkt zu senken.

Modell eines spätbronzezeitlichen Thera-Schiffes Foto: Hubert Vögele, Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg, RGZM

Modell eines spätbronzezeitlichen Thera-Schiffes. Für die Rekonstruktion wurde das detaillierte minoische Fresko aus dem Westhaus in Akrotiri auf der Insel Santorin genutzt. Foto: Hubert Vögele, Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg, RGZM


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Die Häfen der Minoer verfügten über Lagerhäuser

reise-zikaden.de, griechenland, kreta, kommos, minoer, hafen, Blick auf das freigelegte Lagergebäude im Ausgrabungsareal der minoischen Hafenstadt Kommos. Mit seinen bis zu 1,5 Meter dicken Mauern vermittelt die Anlage einen burgähnlichen Eindruck. Offenbar nannte sich Kommos einst Amyklaion. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Blick auf das freigelegte Lagergebäude im Ausgrabungsareal der minoischen Hafenstadt Kommos. Mit seinen bis zu 1,5 Meter dicken Mauern vermittelt die Anlage mit Lagergebäuden einen burgähnlichen Eindruck. Offenbar wurde Kommos einst Amyklaion genannt. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Wer sich mit dem Thema minoischen Schiffsbau befasst, möchte auch etwas über die Häfen und Seewege erfahren. Tektonische Ereignisse, Verlandungen und Veränderungen des Meeresspiegels auf Kreta haben nur wenig davon übrig gelassen. Dazu kommen in der Neuzeit Straßenbau, Zersiedlung und der Tourismus, die viele archäologische Fundorte beeinträchtigen.

Minoische Hafenanlagen Das Modell zeigt den minoischen Hafen Kommos an der Südküste von Zentralkreta. Vor dem großen Lagergebäude lag eine Landzunge, die heute unter Wasser liegt. Auf deren Spitze lag vermutlich ein Aussichtspunkt für ankommende Schiffe. Die Buchten boten sichere Ankerplätze, da immer eine Seite im Windschatten lag. Foto: Ausstellungskatalog - Inseln der Winde. Die maritime Kultur der bronzezeitlichen Ägäis

Das Modell zeigt den minoischen Hafen Kommos an der Südküste Zentralkretas. Vor dem Lagergebäude lag eine Landzunge, die heute unter Wasser liegt. Auf deren Spitze lag vermutlich ein Aussichtspunkt für ankommende Schiffe. Die Buchten boten sichere Ankerplätze, da immer eine Seite im Windschatten lag. Foto: Ausstellungskatalog – Inseln der Winde. Die maritime Kultur der bronzezeitlichen Ägäis

Das Westhaus-Fresko aus Thera liefert uns das Aussehen einer minoischen Hafenstadt. Dort wird eine von Mauern umgebene Stadt auf einem Hügel am Meer abgebildet. Ein Stadttor führt zum Ufer mit Kaianlagen, das Lagerhaus liegt außerhalb der Stadtmauern. An zwei Buchten liegen Schiffe mit dem Heck landwärts. Nachrichten-Läufer bewegen sich zwischen der Stadt und Aussichtsposten.

Diese Läufer überbrachten Meldungen, Nachrichten, Warnungen, Schriftstücke (Urkunden, Anweisungen) über weite Strecken zu den Machtzentren. Nachrichten-Läufer waren die „Telefonverbindungen der Bronzezeit“. Eine funktionierende Informationsstruktur war auf der gebirgigen Insel Kreta für die Herrscher unerlässlich.

Ohne Rudern oder Paddeln war mit minoischen Booten das Ansteuern von Meeresbuchten unmöglich. Die Rahsegel waren träge und waren für Fahrten gegen den Wind ungeeignet. Das Beladen oder Löschen der Fracht erfolgte im Flachwasser kurz bevor die Boote den Hafen verließen oder erreichten.

Die Handelsgüter stammten von entfernten Gebieten. Daher muss es Lagerhäuser gegeben haben. Das Beladen erforderte Sorgfalt und war zeitaufwändiger als das Löschen der Ladung. Alles wurde fest verzurrt, damit die Waren an Bord nicht bei Seegang verrutschten und das Schiff kenterte.

Das Beispiel bestätigt die Existenz von Lagerhäusern in minoischen Häfen:
Die komplette Ladung einer Schiffsflotte von sieben minoischen Booten, in durchschnittlicher Größe, hatte ein Gewicht von rund vierzig Tonnen. Der Warentransport zur Flotte im Hafen hätte dreihundert Esel in einer Karawane benötigt. Die Eselskarawane wäre insgesamt rund einen Kilometer lang gewesen.

Wie sollten die vielen Esel entladen und die Waren sinnvoll auf sieben Schiffe im Flachwasser verteilt werden? Diese Tatsachen bestätigen, dass minoische Häfen am Meer Lagerhäuser besaßen. Solche Gebäudestrukturen sind aus den minoischen Häfen von Kommos, Malia und Nirou-Chani bekannt.

reise-zikaden.de, griechenland, kreta, kommos, beach, minoan harbour Von der Steilküste im Süden von Kommos-Beach ist das Gebiet der minoischen Hafenstadt gut zu überblicken. Auch die versunkene Landzunge lugt an einer Stelle knapp aus dem Wasser. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Von der Steilküste im Süden von Kommos-Beach ist das Gebiet der minoischen Hafenstadt gut zu überblicken. Auch die versunkene Landzunge mit den einstigen Ankerplätzen lugt noch an einer Stelle knapp aus dem Wasser. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann


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Wo lagen auf Kreta minoische Häfen?

reise-zikaden.de, griechenland, kreta, kato zakros, zentralhof, Der Palast von Zakros liegt an der Ostküste von Kreta. Standort der Abbildung ist im Nordwesten des Zentralhofs. Unser Blick geht nach Südosten, direkt auf die ehemalige Hafenbucht. Lagerhäuser wurden dort nicht gefunden. Offenbar lagerten die Waren im Palastareal. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Palast von Zakros an der Ostküste von Kreta. Unser Standort ist der Nordwesten des Zentralhofs. Der Blick geht nach Südosten, direkt in Richtung der ehemaligen Hafenbucht. Die Waren wurden im Palastareal eingelagert. Nahe dem heutigen Kassenhäuschen, lagen Mole und runder Wachturm (Koordinaten 35.097565, 26.260833). Dahinter lag der minoische Hafen. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

An den Küsten der Insel Kreta gab es eine eine ganze Reihe minoischer Städte mit Palastanlagen. Minoische Machtzentren verfügten teilweise über einen großen Hafen, oder sogar mehrere Häfen. Es gab auch unselbständige Hafensiedlungen, die von den Hauptstädten abhängig waren. Minoische Zwischenhäfen waren windgeschützte Buchten, die kleinere Siedlungen mit Trinkwasser aufwiesen.


Minoische Machtzentren und Hafenstädte

Hafenstadt Zakros, Modell Gerhard Plath Das Modell der minoischen Hafenstadt Zakros zeigt die Hafenbucht mit dem dominanten Palastgebäude. Im Zentrum der Anlage lag der Hof des Palastes. Der Rundturm mit Mole (links) liegt heute beim Kassenhäuschen ins Ausgrabungsareal. Modell: Gerhard Plath, Foto: RGZM

Das Modell der minoischen Hafenstadt Zakros zeigt die Hafenbucht mit dem dominanten Palastgebäude. Im Zentrum der Anlage lag der Hof des Palastes. Der Rundturm mit Mole (links) liegt heute beim Kassenhäuschen des Ausgrabungsareals. Modell: Gerhard Plath, Foto: RGZM

  • Knossos: Drei Häfen, Nordküste, Zentralkreta, Regionalbezirk Heraklion.
  • Phaistos:  Zwei Häfen, Südküste, Zentralkreta, Regionalbezirk Heraklion.
  • Galatas: Ohne Hafen, Bergland, Zentralkreta, Regionalbezirk Heraklion.
  • Malia: Mit Hafen, Nordüste, Zentralkreta, Regionalbezirk Heraklion.
  • Gournia: Mit Hafen, Nordküste, Ostkreta, Regionalbezirk Lasithi.
  • Petras: Mit Hafen, Nordküste, Ostkreta, Regionalbezirk Lasithi.
  • Palekastro/Roussolakos: Mit Hafen, Ostküste, Ostkreta, Regionalbezirk Lasithi.
  • Zakros: Mit Hafen, Ostküste, Ostkreta, Regionalbezirk Lasithi.
  • Kydonia: Mit Hafen, Nordküste, Westkreta, Regionalbezirk Chania.
  • Monastiraki: Ohne Hafen, Bergland, Westkreta, Regionalbezirk Rethymno.

Minoische Hafensiedlungen, nicht selbstständig

hr Eine der interessantesten Ausgrabungen einer minoischen Hafenstadt auf Kreta ist Kommos. Foto: Wikipedia, Jebulon

Eine der interessantesten Ausgrabungen einer minoischen Hafenstadt auf Kreta ist Kommos an der Südküste von Zentralkreta. Foto: Wikipedia, Jebulon

  • Poros Katsambas, Amnisos, Nirou Chani: Häfen von Knossos, Nordküste, Zentralkreta, Bezirk Heraklion.
  • Kommos, Agia Triada: Häfen von Phaistos, Südküste, Zentralkreta, Regionalbezirk Heraklion.

Minoische Zwischenhäfen

reise-zikaden.de, greece, crete, lasithi, sfaka, mochlos, island, minoan excavations Die Insel Mochlos in der Mirabellobucht war einst mit dem Festland verbunden. Eine Absenkung des Meeresbodens machte sie zur Insel. Seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. bis ins 10. Jahrhundert war sie besiedelt. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Insel Mochlos in der Mirabellobucht war in der Bronzezeit mit dem Festland verbunden. Seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. bis ins 10. Jahrhundert war sie besiedelt. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

  • Lebenda/Lendas, Südküste, Zentralkreta, Regionalbezirk Heraklion.
  • Insel Gavdos, Südküste, Ostkreta, Regionalbezirk Lasithi.
  • Myrtos, Südküste, Ostkreta, Regionalbezirk Lasithi.
  • Priniatikos Pirgos, Nordküste, Ostkreta, Regionalbezirk Lasithi.
  • Insel Psira, Ostkreta, Regionalbezirk Lasithi.
  • Insel Mochlos, Ostkreta, Regionalbezirk Lasithi.
  • Agia Fotia, Ostkreta, Regionalbezirk Lasithi.
  • Makry Gialos, Ostkreta, Regionalbezirk Lasithi
  • Rethymno, Nordküste, Westkreta, Regionalbezirk Rethymno.

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Die Seerouten der Minoer

map_aegean_greece_crete_libyia_egypt-ol Die Karte vom südlichen Mittelmeer zeigt die strategisch ausgezeichnete Lage der Insel Kreta in die Ägäis, nach Kleinasien, Zypern, Libyen, Ägypten und dem Orient. Foto: Google Maps

Die Karte vom südlichen Mittelmeer zeigt die strategisch ausgezeichnete Lage der Insel Kreta in die Ägäis, nach Kleinasien, Zypern, Libyen, Ägypten und dem Orient. Foto: Google Maps

Um die Routen und Seewege der Minoer nachzuvollziehen wurden Wind, Wellen und Strömungen der Ägäis in einer Langzeitstudie (2007 – 2008) erfasst und ausgewertet. Unsere Zusammenfassung:

  • Seeweg „Western String“: Inselroute Kea-Kythera-Kreta bietet gute Bedingungen zum Segeln.
  • Seeweg „Eastern String“: Inselroute Dodekanes-Karpathos-Kreta. Nur an wenigen Tagen durchweg segelbar. Die Insel Karpathos könnte als Zwischenstopp gedient haben.
  • Seeweg „Unter Land“: Inselroute von Lesbos bis Rhodos ist gut segelbar.
  • Seeweg Thera-Kreta: Fast das ganze Jahr gute Segelverbindungen von Santorin zu Kretas Nordküste.
  • Seeweg Südküste-Nordküste Kreta: Fast unmögliche Verbindung von Kretas Südhäfen zur Nordküste der Insel. Die erreichbaren Ziele dieser südlichen Häfen lagen an der Nordküste von Afrika.
  • Seeweg Südküste Kreta-Nordafrika: Wenige geeignete Buchten. Kyrene (Lybien) und Marsa Matruh (Ägypten) könnten als Zwischenstopp auf dem Weg nach Ägypten und der Levante gedient haben.
  • Seeweg Ägypten-Levante-Zypern-Kleinasien-Rhodos: Problematisch wegen vorherrschenden Windbedingungen. Küstenlinie Kilikien, Pamphylien, Lykien mit unberechenbaren Fallwinden.
  • Südroute Ägypten-Kreta: Über offene See, Richtung Nordnordwest. Ankunft in Zakros und Kommos.
minoa ship replica-ol Die "Minoa" fährt in den Hafen von Chania in Westkreta ein. Das Schiff wurde in Chania gebaut und ist eine Nachbildung eines minoischen Plankenschiffes aus dem 15. Jhd. v. Chr. Heute ist es in der Moro-Werft im venezianischen Hafen ausgestellt. Foto: Wikipedia, Martin Belam

Die „Minoa“ bei der Einfahrt in den Hafen von Chania in Westkreta. Das Schiff wurde in Chania gebaut und ist eine Nachbildung eines minoischen Plankenschiffes aus dem 15. Jhd. v. Chr. Heute ist es in der Moro-Werft im venezianischen Hafen ausgestellt. Foto: Wikipedia, Martin Belam


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Ausstellungstipp: Mesara-Museum „Islands of the Winds“ in Gortyn

Archaeological Museum of Mesara_Gortyn_The islands of the winds. The nautical culture of the Prehistoric Aegean

Ausstellungsplakat „The islands of the winds. The nautical culture of the Prehistoric Aegean“ im Archaeological Museum of Mesara.

Am 26. Januar 2020 wurde das Archaeological Museum of Mesara in Gortyn auf Kreta neu eröffnet. Zum Auftakt wird bis 31. August 2020 die Sonderausstellung “The islands of the winds. The nautical culture of the Prehistoric Aegean” gezeigt, diese befasst sich mit den Entwicklungen des Schiffsbaus in der Ägäis.

Kern der Ausstellung ist eine Präsentation der maritimen Traditionen, wie Schiffsbau oder Navigation, in der Ägäis vom Neolithikum bis in die späte Bronzezeit. Schwerpunkt sind die Kykladen und Kreta. Dabei werden 3D-Modelle von Schiffen, Häfen und Hafenanlagen gezeigt. Dazu Fundstücke aus archäologischen Grabungen, Infotafeln und Großleinwände.

Die Museumseröffnung wurde vom Ephorate of Antiquities of Heraklion mit dem Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg in Kooperation mit der Region Kreta organisiert. Die Veranstaltung gab auch Einblicke in die Dauerausstellungen im Museum.

Prof. Dr. Diamantis Panagiotopoulos, Direktor des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg, führte am Eröffnungstag die Besucher durch das neue Museum. Bislang sind sämtliche Infotafeln der Sonderausstellung lediglich griechisch beschriftet (Stand: 31.1.20).

Adresse: Archaeological Museum of Mesara, ΕΟ Ηρακλείου Φαιστού, Straßenkreuzung Ambelouzou, Gortina 700 12, Crete. Koordinaten: 35.060401, 24.937214


Museumstipp: Nautisches Museum & Antiker Schiffsbau in Chania

minoa_minoan ship_rekonstruktion_chania_moro shipyard_crete-ol In den mittelalterlichen Schiffshallen Neorio Moro am venezianischen Hafen von Chania ist der Nachbau eines minoischen Schiffes zu sehen. Die "Minoa" ist seetüchig und war bei der Eröffnung der Olympiade 2004 im Hafen von Piräus. Foto: www.cretanbeaches.com

In den mittelalterlichen Schiffshallen Neorio Moro am venezianischen Hafen von Chania ist der Nachbau eines minoischen Schiffes zu sehen. Die „Minoa“ ist seetüchig und war bei der Eröffnung der Olympiade 2004 im Hafen von Piräus. Foto: www.cretanbeaches.com

Wer sich für die Geschichte des Seewesens von Kreta interessiert, dem möchten wir das Maritime Museum of Crete und das Museum of Ancient Shipbuilding in Chania empfehlen. Das Maritime Museum liegt an der Nordwestseite des Hafens in einer venezianischen Bastion. Auf zwei Stockwerken wird mit Modellen die Geschichte der Schifffahrt, von der Bronzezeit bis in die Neuzeit, gezeigt.

Interessant ist das Museum of Ancient Shipbuilding im Osten des Hafens, mit einer Dauerausstellung über den antiken Schiffsbau. Dort wird die Minoa ausgestellt, der Nachbau eines minoischen Schiffes aus dem 15. Jhd. v. Chr. Das Boot ist seetüchtig und wird für Veranstaltungen genutzt. Beim Bau 2001 bis 2004 wurden Techniken und Materialien verwendet, die in der Bronzezeit zur Verfügung standen.

Adressen: Maritime Museum of Crete, Akti Kountourioti, Chania. Museum of Ancient Shipbuilding, Neorio Moro, Defkalionos 16, Chania. Website: mar-mus-crete.gr


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Quellen & Buchtipp

  • Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg, Bildband „Inseln der Winde – Die maritime Kultur der bronzezeitlichen Ägäis“, von Thomas Guttandin, Diamantis Panagiotopoulos, Gerhard Plath, 205 Seiten mit Illustrationen, Diagrammen, Karten, 2011, (ISBN 9783000352164).
  • Fotomaterial: Museum für Antike Schiffahrt des Römisch-Germanische Zentralmuseums in Mainz, Sonderausstellung „Inseln der Winde. Die maritime Kultur der bronzezeitlichen Ägäis“, 2014.
  • wbg Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Fachzeitschrift „Antike Welt“, Häfen in der Antike, Ausgabe 2, Seite 15 – 24, 2014.
  • Zeitschrift Science Advances, 16 October 2019, Vol. 5, no. 10, „Earliest occupation of the Central Aegean (Naxos), Greece: Implications for hominin and Homo sapiens’ behavior and dispersals“
  • Website zu den Ausgrabungen aus dem Pleistozän auf der Insel Naxos: Stelida Naxos Archeological Project: www.stelida.org

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Bronzezeit auf Kreta: Die Entwicklungen der Minoer im Schiffsbau
Thema:
Bronzezeit auf Kreta: Die Entwicklungen der Minoer im Schiffsbau
Beschreibung:
Bronzezeit auf Kreta: Minoische Entwicklungen im Schiffsbau. Ohne Innovationen im Schiffsbau wäre die Erfolgsgeschichte der Minoer nicht möglich gewesen.
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Monika Hoffmann

Monika Hoffmann

schreibt seit 2014 auf ihrem Blog Reise-Zikaden Foto-, Natur- und historische Reportagen aus Griechenland, Italien, Österreich, Deutschland mit Schwerpunkt München und Bayern. Ihre Passion auf Reisen ist Geschichte und der Besuch archäologischer Plätze. Spezialgebiete: Ur- und Frühgeschichte & Antike Hochkulturen. Die Fotografin, Redakteurin, Köchin, Naturfreundin liebt Griechenland, Italien und ihre Heimat Oberbayern: Über die Geschichte bis zu Musik, Literatur, Filmkunst.

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