Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München


reise-zikaden.de, Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München Zehn Tourenvorschläge um München führen Bodendenkmälern aus der Zeit der Kelten in Bayern. Die außergewöhnlichen Orte in historischen Kulturlandschaften ermöglichen zu Expeditionen in die Geschichte. Foto/Montage: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Unsere zehn Tourenvorschläge um München führen zu Bodendenkmälern aus der Zeit der Kelten in Bayern. Die außergewöhnlichen Orte in historischen Kulturlandschaften ermöglichen interessante Exkursionen in die Geschichte. Foto/Montage: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Im Bericht Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München möchten wir inspirierende Streifzüge durch die schönsten Bodendenkmäler aus keltischer Zeit empfehlen. Alle von uns besuchten Fundplätze liegen in stillen, harmonischen Kulturlandschaften. Wir stellen zehn historische Ausflüge zu den Kelten um München aus der Urnenfelder-, Hallstatt- und Latènezeit (1.600 bis 50 v. Chr.) vor.

  • Sechs Viereckschanzen: Utting, Gauting, Oberhaching, Kreuzpullach, Oberbiberg, Erding.
  • Zwei Oppida: Weyarn/Fentbach, Manching mit Kelten + Römer Museum.
  • Zwei Hügelgräber-Nekropolen: Starnberg/Leutstetten, Pfaffenhofen an der Ilm/Geisenfeld.
Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München Kelten_Stele_Holzgerlingen Die keltische Stele mit Doppelgesicht trägt eine Blattkrone und zeigt eine keltische Gottheit. Fundort: Holzgeringen, Baden-Württemberg. Ausstellungsort: Wüttembergisches Landesmuseum. Datierung: 4. Jhd. v. Chr. Foto: Manuel Fernandez-Gotz, www.researchgate.net

Die keltische Sandstein-Stele mit Doppelgesicht und Blattkrone zeigt eine Gottheit. Fundort: Holzgeringen, Baden-Württemberg. Ausstellungsort: Landesmuseum Württemberg. Datierung: LT A, 4. Jhd. v. Chr. Foto: Manuel Fernandez-Gotz, www.researchgate.net

Die Kelten zählten in Mitteleuropa zu den bedeutendsten Völkern der Antike und waren Zeitgenossen der Griechen, Etrusker und Römer. Diese Hochkulturen nannten sie Keltoi, Keltai, Celtae, Galatei und Galli. Für die Bevölkerung am Mittelmeer waren die Kelten im Norden meist friedliche Nachbarn und wertvolle Handelspartner, in Konflikten aber auch gefürchtete Feinde.

Als einheitliches Volk oder Staat sollten Kelten jedoch nicht verstanden werden. Allerdings verband sie eine gemeinsame Sprach- und Kulturgemeinschaft. Übereinstimmungen in Sprache und Kultur sind von Irland, England, Spanien, Frankreich, Deutschland bis Ungarn, Slowenien und Oberitalien erkennbar.

Das heutige Bayern war einer der Schwerpunkte keltischer Kultur. Im Südbayern lebten beispielsweise in der späten Eisenzeit (Spätlatènezeit, 150 – 50 v. Chr.) die Stammesgruppe der keltischen Vindeliker. Ihr Siedlungsraum wurde im Norden von der Donau und im Osten vom Inn begrenzt.

Die Bezeichnung „Baiern“ stammte offenbar vom keltischen Stamm der Boier. Auch das angrenzende „Böhmen“ (heute Tschechien) wurde nach den Boiern benannt. Dort siedelte der Stamm ursprünglich. Um München sind Viereckschanzen besonders häufig. Die Errichtung dieser Anlagen wird im Münchner Raum dem vindelikischen Unterstamm der Benlauni zugeschrieben.

Lebensgrundlage der keltischen Bevölkerung war stets die Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht. Dadurch konnte sich ein hoch spezialisiertes Handwerk entwickeln. In den keltischen Werkstätten entstanden beispielsweise meisterhafte Produkte in der Metall- oder auch Textilverarbeitung.

Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München Vindeliker, Kleinsilbermünze, Typ Manching II-ol Die Abbildung zeigt eine keltische Kleinsilbermünze vom Stamm der Vindeliker mit Kopf und Pferd, Typ Manching II. Foto: www.kuenker.de

Die Abbildung zeigt eine keltische Kleinsilbermünze vom Stamm der Vindeliker mit Kopf und Pferd, Typ Manching II. Foto: www.kuenker.de

Auf Handelsrouten in den Süden wurde z. B. Eisen, Zinn, Salz, Holz, Flachs, Wolle, Waffen, Werkzeuge, Prunkwagen, Textilien und Schuhe exportiert. Gefragte Importgüter der Kelten waren Wein, Glas, Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum und Nahen Osten. Keltische Oppida (befestigte Städte) prägten eigene Münzen und waren Produktions- und Handelszentren, Markt- und Warenumschlagplätze.

Julius Caesar (100 – 44 v. Chr.) überliefert, dass sowohl Krieger aus dem Adelstand als auch Druiden (Priester) an der Spitze der keltischen Gesellschaft standen. Druiden waren hoch angesehen und nicht nur für religiöse Zeremonien zuständig, sie waren auch Lehrer und Richter. Druiden mussten weder Steuern zahlen, noch Kriegsdienst leisten. Ihr Wissen gaben sie nur mündlich weiter.

Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München Keltensiedlung Altburg Das Freilichtmuseum Altburg bei Bundenbach im Hunsrück zeigt eine typische Keltensiedlung der Spätlatènezeit des 1. Jhds. v. Chr. Foto: www.urlaub-in-rheinland-pfalz.de

Das Freilichtmuseum Altburg bei Bundenbach im Hunsrück zeigt ein typisches Keltendorf mit Palisadenzaun aus der Spätlatènezeit im 1. Jhd. v. Chr. Foto: www.urlaub-in-rheinland-pfalz.de


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Viereckschanzen um München: Keltische Spätlatènezeit

Welche Funktion hatten keltische Viereckschanzen?
Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München viereckschanze_kelten_rekonstruktion_swr-ol Die Rekonstruktion zeigt eine keltische Viereckschanze mit Wall, Wassergraben und Zangentor. Um die Befestigung hat sich ein Dorf mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden entwickelt. Grafik: SWR, Planet Schule

Um die keltische Viereckschanze mit Wall, Holzpalisade, Wassergraben und Zangentor hat sich ein Dorf mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden entwickelt. Rekonstruktion: SWR, Planet Schule

Spätkeltische Viereckschanzen datieren auf das 2. und 1. Jhd. v. Chr. (Latène C2 – D2, 150 – 50 v. Chr.). Ihr Verbreitungsgebiet verläuft über Nordfrankreich, Süddeutschland, Schweiz, Österreich bis Tschechien. Ihre größte Dichte liegt in Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg)

Viereckschanzen waren rechteckige oder quadratische Grabenanlagen, mit Seitenlängen von 80 bis 120 Metern. Entlang der Innenseite eines Grabens (Tiefe 3 Meter, Breite 7  Meter) wurde mit dem Aushub ein Wall erbaut. Dieser war 3 bis 4 Meter hoch, Tiefe am Grabenfuß 6 bis 8 Meter.

Seit hundert Jahren werden sie archäologisch untersucht und ihre Funktion diskutiert. Anfangs galten sie als römische Militärbauten. Später als keltische Kultplätze, da Hügelgräber in der Nähe lagen. Heute werden Viereckschanzen als multifunktionale keltische Gutshöfe interpretiert.

Der Zugang einer Viereckschanze lag meist in der Mitte der Ost- oder Westseite, nie im Norden. Eine Holzbrücke überquerte den Graben, auch Tore wurden nachgewiesen. Oft lag das größte Gebäude dem Eingang gegenüber, kleinere Bauten standen in den Ecken.

Das Zentrum war meist unbebaut. Warum die Wallanlagen in der Mitte des 1. Jhds. v. Chr. aufgegeben wurden ist ungeklärt. Forscher unterscheiden um München zwei Gruppen dieser Anlagen: Südlich von München „Isargruppe“. Östlich von München „Erdinger Gruppe“. 


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Utting, Ammersee: Viereckschanze mit Seeblick bei Achselschwang

Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Utting am Ammersee, Viereckschanze, Gut Achselschwang Die keltische Viereckschanze von Utting liegt in wunderschöner Lage über dem Ammersee. Der einstige Eingang lag an der Westseite der Wallanlage. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Viereckschanze von Utting liegt in wunderschöner Lage über dem Ammersee. Der einstige Eingang lag im Westen der Wallanlage. Wir waren Mitte Mai 2020 vor Ort. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Westlich von Utting am Ammersee befindet sich auf einer sanften Anhöhe über dem See eine gut erhaltene keltische Viereckschanze. Die Wallanlage wurde offenbar zusätzlich zu sakralen Zwecken mit Brandopfern genutzt. Herrliche Höhenlage mit Blick auf Ammersee, Utting und Andechs.

Ideal ist der Zugang vom Wanderparkplatz am Hottenbach im Osten (siehe unten). Guten Überblick bietet die große Eiche im Südwesteck der Schanze. Zugang: Westen. Datierung: Spätlatenezeit (Latène C2 – D2, 150 – 50 v. Chr.). Maße: 110 – 120 Meter Seitenlänge. Wallhöhe: 3 Meter. Graben: Eingeebnet.

Wer mag kann bis Gut Achselschwang weiterwandern, mit Pferdeställen, Wirtshaus und Biergarten.

Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Utting am Ammersee, Viereckschanze Die Viereckschanze liegt zwischen Utting und Achselschwang und zählt zu einer der größten in Bayern. Der Feuchtbereich an der Westflanke wurde früher als Quelle und Tränke benutzt. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Viereckschanze zwischen Utting und Achselschwang und ist eine der größten in Bayern. Der Feuchtbereich im Westen wurde lange Zeit als Viehtränke genutzt. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Adresse: Keltenschanze, 86919 Utting am Ammersee. Koordinaten: 48.030411, 11.064234
Entfernung von München-Zentrum: 50 Kilometer.
Wanderparkplatz: St2347, Landsberger Straße. Koordinaten:
48.033259, 11.075358
Einkehrtipp: Alte Villa, Wirtshaus mit Biergarten, Seestraße 32, 86919 Utting am Ammersee.


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Gauting, Buchendorf: Die Viereckschanze ist ausgezeichnet erhalten

Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Gauting, Die Viereckschanze von Buchendorf Die keltische Viereckschanze bei Buchendorf nahe Gauting zählt zu den am besten erhaltenen Anlagen in Süddeutschland aus der Spätlatenezeit. Wir waren Mitte März 2020 vor Ort. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die keltische Viereckschanze bei Buchendorf nahe Gauting zählt zu den am besten erhaltenen Anlagen in Süddeutschland. Wir waren Mitte März 2020 vor Ort. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

In der Gemeinde Gauting (Landkreis Starnberg) liegt nordöstlich von Buchendorf eine große keltische Viereckschanze. Die Wallanlage mit typisch überhöhten Ecken zählt zu den am besten erhaltenen in Süddeutschland. Die Anlage datiert in die Spätlatenezeit (Latène C2 – D2, 150 – 50 v. Chr.).

Die antike Fernstraße „Via Julia“ (Augsburg – Salzburg) aus der römischen Kaiserzeit führte am Torbau im Westen vorbei. Im Frühjahr blühen an den Wällen Windröschen und Schlüsselblumen. Maße: 110 – 120 Meter Seitenlänge. Wallhöhe: 3 Meter. Graben: Eingeebnet. Zugang: Westen.

Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Gauting, Die Viereckschanze von Buchendorf Die Wälle der keltischen Viereckschanze von Buchendorf sind an den Ecken deutlich überhöht. Die Römerstraße führte am Zugang im Westen an der Wallanlage vorbei. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Wälle der keltischen Viereckschanze von Buchendorf sind an den Ecken deutlich überhöht. Die Römerstraße führte am Zugang im Westen an der Wallanlage vorbei. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Adresse/Parkplatz: Buchendorf, Keltenschanze, 82131 Gauting. Koordinaten: 48.060556,11.409722
Entfernung von München-Zentrum: 19 Kilometer.
Einkehrtipp: Forsthaus Kasten mit Biergarten, zwischen Neuried und Gauting.


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Oberhaching, Deisenhofen: Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld

Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Deisenhofen, Viereckschanze Lanzenhaarer Feld, Oberhaching Die Viereckschanze von Deisenhofen liegt im Lanzenhaarer Feld bei Oberhaching. Ihre Besonderheit ist ein rechteckiger Annex oder Vorbau mit rund fünfhundert Meter Seitenlänge. In keltischer Zeit lag hier offenbar ein größeres Dorf mit schützenden Wallanlagen. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Viereckschanze von Deisenhofen liegt im Lanzenhaarer Feld bei Oberhaching. Ihre Besonderheit ist ein rechteckiger Annex oder Vorbau mit rund fünfhundert Meter Seitenlänge. In keltischer Zeit lag hier offenbar ein Dorf innerhalb der schützenden Wallanlagen. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Östlich von Deisenhofen liegt die Viereckschanze im Lanzenhaarer Feld. Ihre Seitenlänge mit Vorwerk im Nordosten beträgt imposante fünfhundert Meter. Damit zählt sie zu den größten keltischen Schanzanlagen in Süddeutschland. Wall und Graben sind heute nicht mehr vollständig erhalten.

Die antike Fernstraße der römischen Kaiserzeit verläuft wenige hundert Meter südlich. Zugang: Osten. Innenschanze: 133 x 114 Meter. Vorwerk/Außenschanze: 480 x 550 Meter. Wallhöhe: 2 – 3 Meter. Nord- und Südwall erhalten. Graben: Eingeebnet. Datierung: Spätlatenezeit (Latène C2 – D2, 150 – 50 v. Chr.).

reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Deisenhofen, Viereckschanze Lanzenhaarer Feld, Oberhaching Die eindrucksvolle Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld bietet auf ihrer Wallkrone unter schattigen Bäumen einen gemütlichen Pausenplatz. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die eindrucksvolle Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld bietet auf ihrer Wallkrone unter schattigen Bäumen einen gemütlichen Pausenplatz. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Adresse: Deisenhofen, Viereckschanze, 82041 Oberhaching. Koordinaten: 48.013985,11.602507
Ausgangspunkt: Vor
Pension Schelle, Tölzer Str. 65, Oberhaching. Koordinaten: 48.015621, 11.596636
Entfernung von München-Zentrum: 16 Kilometer.
Einkehrtipp: Biergarten Kugler Alm, Linienstraße 93, 82041 Oberhaching


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Oberhaching, Deisenhofen: Viereckschanze im Wald bei Kreuzpullach

reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Deisenhofen, Viereckschanze von Kreuzpullach bei Oberhaching Der dichte Wald hat die Viereckschanze von Kreuzpullach gut konserviert. Eine Begehund der Wälle ist nur im Süden und Osten möglich. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Der dichte Wald hat die Viereckschanze von Kreuzpullach gut konserviert. Eine Begehung der Wälle und Ecken der Anlage ist nur im Süden und Osten möglich. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Zwischen Deisenhofen und Kreuzpullach liegt eine Viereckschanze im dichten Wald. Vom Parkplatz die Hauptstraße überqueren und dem Weg ins Hachinger Holz folgen. Nach 300 Metern ist die Anlage rechts vom Weg erreicht. Die überhöhten Ecken der Südwest-Ecke sind von aussen einsehbar.

Das Innere ist ein herrlich geschützter Platz in dem gerne Wild rastet. Datierung: Latène C2 – D2, 150 – 50 v. Chr. Maße: 75 x 90 Meter Seitenlänge. Wallhöhe: 3 Meter. Graben: Gut erhalten. Zugang: Osten.

Drei Hügelgräber aus der Bronze- und Hallstattzeit liegen westlich der Schanze. Dazu dem Weg nach Westen folgen. Links liegen nach 300 Metern die kleinen Grabhügel. Leider sind sie fast eingeebnet.

reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Deisenhofen, Viereckschanze von Kreuzpullach bei Oberhaching Die steilen Wälle der Viereckschanze von Kreuzpullach sind ausgezeichnet erhalten. Hans dient der Fotografin auf der Wallkrone zum Größenvergleich. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Wälle der Viereckschanze von Kreuzpullach sind ausgezeichnet erhalten. Hans dient vom Standort auf der Wallkrone dem Größenvergleich. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Adresse: Kreuzpullach, Hachinger Holz, 82041 Oberhaching. Koordinaten: Keltenschanze 47.997276, 11.573810. Hügelgräber 47.996736, 11.569988
Entfernung von München-Zentrum: 20 Kilometer.
Ausgangspunkt: Wanderparkplatz Deisenhofener Forst an der ST 2368/Dietramszeller Straße. Koordinaten: 47.996653, 11.577258
Einkehrtipp: Siehe Kapitel Oberbiberg oder Deisenhofen.


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Oberhaching, Oberbiberg: Die Viereckschanze im Dorfkern

reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Oberhaching, Die Viereckschanze liegt mitten in Oberbiberg Von der keltischen Viereckschanze in Oberbiberg bei Oberhaching ist von außen noch die Ost- und Nordflanke einsehbar. In der Südwest-Ecke der Anlage steht bis heute die Dorfkirche. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Von der keltischen Viereckschanze in Oberbiberg ist von außen die Ost- und Nordflanke einsehbar. In der Südost-Ecke der Anlage steht bis heute die Dorfkirche. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Viereckschanze von Oberbiberg ist eine Besonderheit. Denn die keltische Anlage ist in den Dorfkern einbezogen. Im Zentrum steht das Anwesen „Beim Hofberger“. In der Südost-Ecke die Kirche Mariä Geburt. Eine erste Holzkirche wurde 778 geweiht. Die heutige Kirche wurde Mitte des 15. Jhds. erbaut.

Datierung: Latène C2 – D2, 150 – 50 v. Chr. Maße: 75 x 90 Meter Seitenlänge. Wallhöhe: 2 – 3 Meter. Graben: Eingeebnet. Zugang: Unklar, vermutlich in der Mitte der Ostflanke.

Unsere Empfehlung ist eine Sonntags-Einkehr im Gasthaus Kandler mit Biergarten und Holzkegelbahn von 1905. Mehrfach diente die urige Wirtschaft als Filmkulisse: Markus H. Rosenmüllers Kinofilm „Wer früher stirbt ist länger tot“ (2006), Szenen für „Forsthaus Falkenau“ und „Meister Eder und sein Pumuckl“.

reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Oberhaching, Die Viereckschanze von Oberbiberg Eine Institution seit über hundert Jahren ist in Oberbiberg das Gasthaus Kandler, gleich neben der Kirche. Mit einem ehrwürdigem Holzofen wird in der Küche gebraten, geschmort und gebrutzelt. Auf der Straßenseite gegenüber wartet die Holzkegelbahn von 1905 aufs "Oschiam". Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Eine Institution in Oberbiberg ist seit über hundert Jahren das Gasthaus Kandler neben der Kirche. Auf einem Holzofen wird in der Küche gebraten, geschmort und gebrutzelt. Auf der Straßenseite gegenüber wartet die Holzkegelbahn von 1905 aufs „Oschiam“. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Adresse: Viereckschanze Oberbiberg, Filialkirche Mariä Geburt, Oberbiberg, 82041 Oberhaching. Koordinaten: 47.980935, 11.571599
Entfernung von München-Zentrum: 20 Kilometer.
Einkehrtipp: Gasthaus Kandler, Marienplatz 1, Oberbiberg, 82041 Oberhaching. Nur an Sonn- und Feiertagen von 11.30 bis 15 Uhr geöffnet. Empfehlung: Schweinsbraten mit Kartoffelknödel 8,50 Euro. 


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Erding, Walpertskirchen: Viereckschanze im Wald beim Weiler Urtl

reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Erding, Viereckschanze von Walpertskirchen Die Viereckschanze von Walpertskirchen liegt beim Weiler Urtl und ist dicht von Fichtenwald bestanden. Gut erkennbar ist der Graben und das Zugangstor im Osten. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Viereckschanze von Walpertskirchen liegt beim Weiler Urtl und ist dicht von Wald bestanden. Gut erkennbar ist der Graben und das Zugangstor im Osten. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Nordöstlich von Walpertskirchen bei Erding liegt eine keltische Viereckschanze. In der Gemarkung Lohholz beim Weiler Urtl befindet sich der Fundort im dichten Fichtenwald. Erst 2018 fanden an der Schanze Magnetometer-Messungen des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege statt.

Die Ergebnisse zeigen folgende Bebauung: Torbau im Osten. Neun bis zehn Gebäude auf sechs Anwesen bzw. Höfen. Vier große Feuerstellen. Die Bebauung war nicht aufeinander oder entlang der Wälle ausgerichtet. Das Hauptgebäude (14 x 12 Meter) wurde durch Brand zerstört. Drei Gebäude und die Toranlage brannten jedoch nicht ab. Brandschutt und Ascheschichten wurden später entfernt.

Maße: 100 x 110 Meter Seitenlänge. Wallhöhe: 2,8 Meter. Zugang: Osten, mit Torbau. Datierung: Spätlatenezeit (Latène C2 – D2, 150 – 50 v. Chr.). Zusätzlich: Kleinere „Nebenschanze“ für Kulte.

Einmalig in Bayern ist eine kleine Wall-Graben-Anlage in der Nähe. Sie misst etwa ein Viertel der Viereckschanze und diente offenbar kultischen Zwecken. Zugang: Osten. Die Nebenschanze soll etwa hundert Meter entfernt liegen. Der Wall ist auf dem Waldboden schwer auffindbar. Ein Gebäude von 6 x 10 Metern im Inneren wurde nachgewiesen. Wir konnten Mini-Schanze nicht entdecken.

reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Erding, Viereckschanze von Walpertskirchen Im Lohholz beim Anwesen Urtl liegt die keltische Viereckschanze. Das große Anwesen von Urlt wurde in der frühen Neuzeit erbaut und entstand aus einem aufgegebenen Hof des Spätmittelalters. Unser Standort lag im Südosten beim Fischweiher von Urtl. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Im Lohholz nordöstlich vom Anwesen Urtl liegt die keltische Viereckschanze. Urtl wurde in der frühen Neuzeit (18./19. Jhd.) neu erbaut. Vorgänger war ein verfallener Bauernhof aus dem Spätmittelalter. Unser Standort lag im Südosten beim Fischweiher von Urtl. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Adresse: Am Schrankberg, Ortsteil Urtl, 85469 Walpertskirchen. Koordinaten: 48.265310, 11.985690
Entfernung von München-Zentrum: 50 Kilometer.
Einkehrtipp: Gaststätte zum Erdinger Weißbräu, Lange Zeile 1-3, 85435 Erding


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Oppida um München: Keltenstädte der Spätlatènezeit

Was ist ein keltisches Oppidum?
oppidum_wildfiregames-ol Die Abbildung zeigt ein keltisches Oppidum der Spätlatènezeit mit Wall, Wassergraben, Zangentor, Befestigungsmauern und Siedlung. Screenshot: Open-Source-Spiel "0 AD", wildfiregames.com

Ein keltisches Oppidum der Spätlatènezeit mit Wällen, Wassergräben, Toren, Befestigungsmauern und Siedlung. Screenshot: Open-Source-Spiel „0 AD“, wildfiregames.com

Oppidum (Mehrzahl: Oppida) ist eine lateinische Bezeichnung und bedeutet Befestigung, Schanzanlage, fester Platz. Cäsar (100 – 44 v. Chr.) beschrieb in seinem Buch „De bello gallico“ (58 – 49 v. Chr.) ein Oppidum als befestigte städtische Siedlung der keltischen Gallier in Westeuropa. 

Wichtiges Merkmal der Oppida war eine geografisch geschützte Lage. Meist auf einem Hügelplateau, z. B. einem Sporn zwischen zwei steilen Flusstälern. Keltenstädte gab es auch in der Ebene. Die Siedlungen waren groß und wurden mit Mauern und Toren abgesichert.

Westeuropäische Oppida wurden mit Murus Gallicus-Mauern gesichert. Dies war ein mit Steinen gefülltes Holzkastensystem mit Erdrampe im Innenbereich. Osteuropäische besaßen Pfostenschlitzmauern mit senkrechten Pfosten in der Vorderfront, die Querhölzer sicherten.

Die Mauern der Oppida waren mit Zangentoren ausgestattet. Dazu wurden die Mauern rechtwinklig nach innen eingebogen und bildeten eine bis zu vierzig Meter lange Gasse mit dem Tor am Ende. Im Inneren der Anlagen befanden sich stadtartige Strukturen.

Keltische Wohngebäude wurden in Holzbauweise (Pfosten- und Schwellbalkenkonstruktionen) mit Wänden aus lehmbeworfenem Flechtwerk erbaut. Archäologische Funde aus Keltenstädten belegen ein hochentwickeltes Handwerk, Geldwirtschaft und Fernhandel. 


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Weyarn, Fentbach: Das Oppidum Fentbachschanze

Kelten in Bayern: Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, bildstock Fentbach bei Weyarn in Oberbayern ist ein geschichtsträchtiger Ort. Auf einer Anhöhe lag ein keltisches Oppidum, das südlichste aller bayerischen Keltenstädte. Seine Befestigungswälle sind gut erhalten. Der Bildstock im Vordergrund stammt aus dem 16. Jhd. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Ein geschichtsträchtiger Ort ist Fentbach bei Weyarn. Auf einer Anhöhe lag vor über zweitausend Jahren ein keltisches Oppidum, das südlichste der bayerischen Keltenstädte. Der Bildstock im Vordergrund stammt aus dem 16. Jhd. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Fentbachschanze liegt auf einem Geländesporn nordwestlich von Fentbach bei Weyarn. Der Fundort ist keine Viereckschanze sondern ein keltisches Oppidum (befestige Stadt). Das Plateau auf dem sich die Siedlung befand liegt in schönster Lage zwischen Mangfalltal und Moosbach.

Das Oppidum von Fentbach zählt zu den ältesten städtischen Großsiedlungen der Kelten nördlich der Alpen. Offenbar haben in der Keltenstadt mit Vorwall einst bis zu zweitausend Menschen gelebt. Nach Manching bei Ingolstadt war es die zweitgrößte Keltensiedlung in Bayern.

Fentbach war Zentrum der Region und wichtige Etappe an der Handelsstraße über die Alpen. In der Nähe war vermutlich ein Flussübergang. Der Wall ist gut erhalten. Der Graben ist heute nicht mehr sichtbar. Der Zugang zur Fentbachschanze erfolgte von Süden, einst lag dort ein keltisches Zangentor.

Trapezförmige Befestigungswälle verlaufen 500 Meter in Nord-Süd-Richtung, sowie 350 Meter nach Ost-Westen. Steilhänge boten im Norden und Westen Schutz. Im Süden wird das Gelände durch einen Vorwall gegliedert. Datierung: Mittel- bis Spätlatenézeit (Latène C – D, 250 – 50 v. Chr.).

Mehr dazu: Kelten in Bayern: Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn

reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Sc

Weyarn: Die Befestigungswälle des Fentbacher Oppidums sind auf bis neun Meter Höhe erhalten. Der Zugang in den inneren Bereich der Keltenstadt ist neuzeitlich. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Adresse: Keltenschanze, Fentbach, 83629 Weyarn. Koordinaten: 47.88560, 11.79106
Entfernung von München-Zentrum: 38 Kilometer.
Einkehrtipp: Gasthof Lindl, Fentbach, Mittenkirchner Str. 1, 83629 Weyarn.

Extra-Tipp: Das „Weyarner Lindl“ in Standkirchen
reise-zikaden.de, Die Kelten in Bayern - Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn, weyarner lindl

Alpenpanorama erster Klasse bietet das „Weyarner Lindl“. Der von Linden bestandene Hügel soll ein Kultplatz aus fernen Zeiten sein. Links im Bild ist Weyarn erkennbar. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Der Kulthügel „Weyarner Lindl“ mit Lindenbaum, Marterl, Alpenpanorama und Opferstein in Fentbach-Standkirchen. Koordinaten: 47.87422, 11.79377

Mehr Infos: Kelten in Bayern: Das Oppidum Fentbach-Schanze bei Weyarn


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Ingolstadt, Manching: Oppidum und Hauptstadt der Vindeliker

Manching, Oppidum, Museum, Besucherparkplatz Keltenwall_ol Das Oppidum von Manching umgab ein eindrucksvoller Ringwall. Gut erforscht ist das einstige Osttor, das als Zangentor ausgeführt war. Heute kann es als Rekonstruktion besichtigt werden.

Das Oppidum von Manching umgab ein eindrucksvoller Ringwall. Gut erforscht ist das einstige Osttor, das als Zangentor ausgeführt war. Heute kann es als Rekonstruktion besichtigt werden.

In Manching, südöstlich von Ingolstadt, lag das Oppidum der Vindeliker. Der Vindelikerstamm besiedelte das Alpenvorland zwischen Bodensee und Inn. Die Keltenstadt wird als ihre Hauptstadt gedeutet. Gegründet wurde das Oppidum im 3. Jhd. v. Chr. und florierte bis 50/30 v. Chr.

In der Spätlaténezeit erreichte Manching mit 380 Hektar seine größte Ausdehnung. Mit 5.000 bis 10.000 Einwohnern war es eine der größten Städte Europas, sowie Handels- und Handwerkszentrum. Keltische Münzen regelten den Handel. In der Stadtmitte lag ein Tempel der auf das 3. Jhd. v. Chr. datiert.

Ab 150 v. Chr. entstand eine Ringmauer von über sieben Kilometer Länge. Der Innenbereich wurde durch eine Rampe verstärkt. Zangentore lagen im Süden und Osten. Das rekonstruierte Osttor kann besichtigt werden. Das Original-Osttor mit Mauerresten ebenfalls (Koordinaten, siehe unten).

Im Nordosten lag der Flusshafen an der Paar („Dürre Au“), einem Nebenfluss der Donau. Der Hafen war Warenumschlagplatz. Dort wurden z. B. Wein, Glas und Luxusgüter aus Italien und Südfrankreich angeliefert. Der Niedergang der Keltenstadt setzte ab der Mitte des 1. Jhds v. Chr. ein.

Von 50 bis 30 v. Chr. wurde das Oppidum verlassen. Bei der Ankunft der Römer 15 v. Chr. waren von der Stadt nur Wälle erhalten. Die Römer richteten im Stadtgebiet die Station Vallatum ein. Ein Kastell entstand bei Oberstimm. Dies lag daran, dass die Flussverbindung zur Donau nicht mehr intakt war.

Einmalige Fundstücke im Kelten + Römer Museum Manching
manching kelten roemer museum ingolstadt Das Kelten + Römer Museum Manching befindet sich in landschaftlich reizvoller Lage innerhalb der Wallanlagen der ehemals größten Keltenstadt in Mitteleuropa.

Das Kelten + Römer Museum Manching befindet sich in landschaftlich reizvoller Lage innerhalb der antiken Wallanlagen der einst größten Keltenstadt von Mitteleuropa.

Erste Ausgrabungen im Oppidum von Manching begannen Ende des 19. Jhds. Beim Bau eines Militärflughafens wurde Ende der 1930er-Jahre vieles zerstört. Notbergungen sicherten die wertvollen Funde. Ab Mitte der 1950er-Jahre wurde der Flughafen im Ausgrabungsgebiet renoviert.

Großflächige Grabungen fanden durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (1955 – 2018) statt. Manching ist das am besten erforschte Oppidum in Mitteleuropa. Wer sich einen Überblick über die Kultur der Kelten und Römer machen möchte ist im Kelten + Römer Museum Manching richtig.

Die eindrucksvollsten Fundstücke aus Manching sind:

  • Keltischer Kultbaum: Baumstamm einer jungen Eiche, mit Blattgold überzogen. Seitenast mit Bronzeblättern, vergoldeten Früchten und Knospen. Datierung: 3. Jhd. v. Chr.
  • Keltischer Pferdekopf: Skulptur aus Eisenblech. Datierung: 2. Jhd. v. Chr.
  • Goldmünzendepot: 450 Goldstratere aus Böhmen, ein Goldklumpen. Datierung: 2. bis 1. Jhd. v. Chr.
  • Römische Schiffswracks: Zwei Wracks von antiken Patroullienbooten aus einem Seitenarm der Donau. Länge: 15 Meter. Datierung: 1. Jhd. v. Chr. Trajanische Zeit, zwischen 98 bis 117.

Adresse: Museum Manching, Im Erlet 2, 85077 Manching. Koordinaten: 48.713012, 11.493234.
Koordinaten Osttor-Rekonstruktion: 48.707001,11.504223.
Koordinaten Osttor-Original: 48.715524,11.525466.
Entfernung von München-Zentrum: 73 Kilometer.
Einkehrtipp: Manchinger Hof, Geisenfelder Str. 15, 85077 Manching

Extra-Tipp: Archäologischer Lehrpfad um das Oppidum Manching

Der archäologische Lehrpfad führt zu 20 Infotafeln an 11 Stationen um das keltische Oppidum mit einer Fläche von 380 Hektar. Startpunkt der Tour liegt am Kelten + Römer Museum Manching.
Lehrpfad-Faltblatt als Pdf-Download auf der Museums Website: www.museum-manching.de


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Hügelgräber um München: Urnenfelder-, Hallstatt- und Latènezeit

Wie sah das Innere eines keltischen Hügelgrabes aus?
huegelgrab_modell_zeichnung_ol Die Zeichnung zeigt ein keltisches Hügelgrab im Querschnitt. Während der Urnenfelderzeit wurden auch Urnen in der Wallböschungen bestattet. Grafik: www.zeitreise-gilching.de

Die Zeichnung zeigt ein keltisches Hügelgrab im Querschnitt. Während der Urnenfelderzeit wurden auch Urnen in den Wallböschungen bestattet. Grafik: www.zeitreise-gilching.de

Während der Hügelgräberbronzezeit der mittleren Bronzezeit (1.600 – 1.300 v. Chr.) herrschte in Süddeutschland das Körpergrab vor. Dazu wurde der Verstorbene in eine rechteckige Grube mit Beigaben gelegt, wie z. B. Keramik, Schmuck, Werkzeuge, Waffen, Nahrung, Getränke.

Darüber wurden Steine oder Lehm aufgeschichtet und ein Grabhügel von etwa drei Meter Höhe aufgeschüttet. Das Hügelgrab wurde mit einem Steinkranz von etwa zehn Meter im Durchmesser umgeben. Die Größe der Hügel differiert und verweist auf Unterschiede in der sozialen Stellung.

Brandbestattungen breiteten sich in der Urnenfelderzeit (1.300 – 800 v. Chr.) aus. Die Urne wurde namensgebend für die Epoche. Dennoch gab man Körperbestattungen in Hügelgräbern nie ganz auf. In der Hallstattzeit (800 – 500 v. Chr.) wurden alte Grabhügel genutzt oder neue anlegt.

Große Gräber der Hallstattzeit waren der Oberschicht vorbehalten. Manche wurden von Steinkreisen aus senkrecht stehenden Steinplatten, niedrigen Trockenmauern, Kreisgräben oder Pfostenkränzen umgeben. Hügelgräber mit Grabbeigaben bildeten locker gruppierte Friedhöfe.


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Mühltal, Leutstetten: Hügelgräber, Drei Bethen Quelle und Karlsburg

reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Leutstetten im Mühltal: Hügelgräber, Drei Bethen Quelle und Karlsburg Die Abbildung zeigt das bronzezeitliche "Grab der Sehenerin" auf dem westlichen Hochufer der Würm bei Leutstetten. Der Archäologe Julius Naue (1833 - 1907) ließ 1868 das Hügelgrab öffnen. Darin lag das Skelett einer Frau mit wertvollen Grabbeigaben. Die im Zweiten Weltkrieg leider zerstört wurden. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Abbildung zeigt den Grabhügel „Grab der Sehenerin“ am Hochufer der Würm bei Leutstetten. Der Archäologe Julius Naue (1833 – 1907) ließ es 1868 öffnen. Darin lag das Skelett einer Frau mit wertvollen Grabbeigaben, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Im Mühltal bei Leutstetten, nördlich von Starnberg, liegen auf dem westlichen Hochufer der Würm Hügelgräber. Sie datieren auf die Bronze- und Hallstattzeit, sowie auf die frühe Latènezeit. Die Nekropole befindet sich westlich vom Bahnhof Mühltal. Entlang der Bahn liegen die Gräber, bis auf eines wurden sie ausgeraubt. Dieses wird verehrt und von Besuchern mit Stoffbändern geschmückt.

reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Leutstetten im Mühltal: Hügelgräber, Drei Bethen Quelle und Karlsburg Die "Drei Bethen Quelle" im Mühltal bei Leutstetten soll bis heute von eine Dreiergruppe heiliger Frauen beschützt werden. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die „Drei Bethen Quelle“ soll bis heute von einer Dreiergruppe heiliger Frauen beschützt werden. Die Quelle ist mit Stoffbändern und Amuletten geschmückt. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Das Areal hoch über der Würm birgt mehr als zwei Dutzend Grabhügel. Im Norden, am Ende der Nekropole, liegt direkt neben den Gleisen das geschmückte „Grab der Seherin“.

Der Archäologe Julius Naue (1833 – 1907) ließ es 1868 öffnen. Darin lag das Skelett einer Frau mit wertvollen Grabbeigaben, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Vermutlich handelte es sich bei der Toten um eine Priesterin.

Durch das Mühltal lief in der Antike die Römerstraße (Augsburg – Bregenz), von der noch Spuren im Gelände erkennbar sind.

Am Westufer knapp oberhalb der Würm liegt die „Drei Bethen Quelle“ (auch Mühltalquelle). Die „Drei Bethen“ waren Heilige Frauen: Einbeth, Warbeth und Wilbeth. Die Triade geht auf keltische Göttinnen zurück. Die Quelle ist Pilgerort für Menschen die an die Kraft des Wassers glauben. Einheimische holen am Quelltopf Trinkwasser für ihren Haushalt.

Ein besonderer Platz ist der Burgstall Karlsburg auf einem Moränenhügel zwischen Forsthaus Mühltal und Leutstetten. Funde aus der Bronze- und Hallstattzeit lassen auf dem Bergsporn einen keltischen Herrensitz mit Siedlung vermuten. Der Friedhof zur Siedlung war offenbar die Grabhügel-Nekropole am westlichen Hochufer der Würm.

Im Frühmittelalter gehörte das Würmtalgebiet der fränkischen Dynastie der Karolinger. Eine Legende berichtet, dass auf der Karlsburg Karl der Große 747/748 zur Welt kam. Eine Burganlage mit Ringmauer und sieben Türmen ist erst um 1120 belegt (siehe Abbildung).

Wer von der Brücke über die Würm den Pfad nach Osten durch den Wald hinaufsteigt und sich an der Gabelung scharf nach Nordwesten hält, kann das Plateau der Karlsburg erkunden. Wir konnten Wälle mit Mauerresten und Fundamente eines Tores der Vorburg ausmachen.

reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Leutstetten im Mühltal, Hügelgräber, Drei Bethen Quelle und Karlsburg - 03Die Karlsburg war eine Höhenburg über dem Würmtal bei Leutstetten. Heute sind der Aufgang zur Burg und Reste der Tore in der Vorburg erhalten. Schon in der Bronze- und Hallstattzeit lag dort eine Siedlung. Auf dem gegenüberliegenden Ufer der Würm liegen Hügelgräber aus dieser Zeit. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Die Karlsburg bei Leutstetten war eine mittelalterliche Höhenburg. Zugangsrampen, Wälle und Fundamente der Tore (Foto) blieben erhalten. In der Bronze- und Hallstattzeit lag dort eine Siedlung. Am Flussufer gegenüber liegen Hügelgräber aus dieser Epoche. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Adresse: Parkplatz „Forsthaus Mühltal“, Mühlthal 124, 82319 Starnberg. Koordinaten: Grab der Seherin, Westufer der Würm: 48.03673, 11.35665. Drei Bethen Quelle: 48.031339, 11.359454. Burgstall Karlsburg, Zugang von der Brücke über die Würm: 48.033165, 11.359663. Hauptburg: 48.034160, 11.359867.
Entfernung von München-Zentrum: 25 Kilometer.
Einkehrtipp: Schloßgaststätte Leutstetten, Altostraße 11, 82319 Starnberg


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Pfaffenhofen an der Ilm: Die Grabhügel-Nekropole von Geisenfeld

/reise-zikaden.de-Kelten-in-Bayern-Pfaffenhofen-a.-d.-Ilm-Die-Grabhügel-Nekropole-von-Geisenfeld- Eine Nekropole mit 180 Hügelgräbern aus der mittleren Bronzezeit (1.600 - 1.300 v. Chr.) liegt im Wald bei Geisenfeld in der Hallertau. Hans dient dem Größenvergleich. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Eine Nekropole mit 180 Hügelgräbern aus der mittleren Bronzezeit (1.600 – 1.300 v. Chr.) liegt im Wald bei Geisenfeld in der Hallertau. Hans dient dem Größenvergleich. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Der Fundplatz liegt zwischen Geisenfeld und Niederlauterbach bei Pfaffenhofen an der Ilm. Mit 180 Hügelgräbern ist Geisenfeld eine der größten erhaltenen Grabhügel-Nekropolen in Oberbayern. Auf einer Fläche von dreißig Hektar verteilt sich ein Friedhof der mittleren Bronzezeit (1.600 – 1.300 v. Chr.).

Die Hügelgräber liegen geschützt im Wald, daher wurden sie weder beraubt noch überbaut. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege untersuchte und dokumentierte 1983 die Grabhügel in der Gemarkung „Geaichet“ im Lauterbacher Holz, südlich von Geisenfeld in der Hallertau.

Die Gemeinde Geisenfeld hat einen markierten Hügelgräber-Rundwanderweg mit Infotafeln von 3,4 Kilometern Länge angelegt. Ausgangspunkt ist ein Wanderparkplatz im Süden von Geisenfeld. Dieser liegt an der Staatsstraße ST 2232, die nach Pfaffenhofen an der Ilm führt.

reise-zikaden.de, Kelten in Bayern, Pfaffenhofen a. d. Ilm, Die Grabhügel-Nekropole von Geisenfeld Vom Wanderparkplatz an der Staatsstraße ST 2232 führt ein Rundweg zur Grabhügel-Nekropole von Geisenfeld. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Vom Wanderparkplatz an der Staatsstraße ST 2232 führt ein Rundweg zur Grabhügel-Nekropole von Geisenfeld. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Adresse: Lauterbacher Holz, Niederlauterbach, 85283 Wolnzach. Koordinaten: 48.657579, 11.620752
Entfernung von München-Zentrum: 70 Kilometer.
Einkehrtipp: Landgasthof Rockermeier mit Biergarten & Brauerei, Bachstraße 3, 85290 Unterpindhart.

Extra-Tipp: Rundgang durch die Altstadt von Geisenfeld
reise-zikaden.de-Kelten-in-Bayern-Pfaffenhofen-a.-d.-Ilm-Die-Grabhügel-Nekropole-von-Geisenfeld - Geisenfeld liegt an der Ilm bei Pfaffenhofen. Besonders schön ist das Ensemble am Stadtplatz, die Pfarrkirche und die Reste der Benediktinerinnen-Abtei. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Geisenfeld liegt an der Ilm bei Pfaffenhofen. Besonders schön ist das Ensemble am Stadtplatz, die Pfarrkirche und Gebäudetrakte der Benediktinerinnen-Abtei. Foto: Reise-Zikaden, M. Hoffmann

Schön für einen Rundgang ist der denkmalgeschützte Dorfkern von Geisenfeld mit Gebäuden aus dem 17. – 20. Jhd., sowie der Stadtpfarrkirche und Gebäudetrakten der Benediktinerinnen-Abtei.


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Unser Tipp: BayernAtlas – Online-Karte & App

geoportal.bayern.de/bayernatlas

Hilfreich zum Auffinden der keltischen Plätze ist der Kartenviewer von BayernAtlas mit amtlichen Karten, Luftbildern und Themenkarten. Website: geoportal.bayern.de/bayernatlas
Smartphone-App: www.ldbv.bayern.de/produkte/dienste/apps.html


Buchtipps zum Thema Kelten

  • Pustet Verlag, Die Kelten in Bayern: Archäologie und Geschichte, von Markus Schußmann, 416 Seiten, durchgehend farbig bebildert, 1. Auflage, September 2019.
  • Deutsche Verlags-Anstalt, Die Kelten: Geheimnisse einer versunkenen Kultur, Ein SPIEGEL-Buch, von Eva-Maria Schnurr, 208 Seiten, 1. Auflage, April 2018.

Quellen: Kelten in Bayern – Ausflüge zu 10 Siedlungsplätzen um München

  • Online-Publikation: Lehre in den Digital Humanities, Portal der IT-Gruppe Geisteswissenschaften der LMU, Viereckschanzen in Bayern, Caroline von Nicolai, 2018/19. Website: www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de
  • Hansebooks, Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee: geöffnet, untersucht und beschrieben, von Julius Naue (1833 – 1907), Originalausgabe 1887, Reprint 2016, 340 Seiten.
  • Online-Publikation: Kraftvolle Orte – Kraftvolle, mytische und geheimnisvolle Orte in Bayern, von Stephan Gröschler, www.kraftvolle-orte.de
  • wbg Theiss, Das archäologische Jahr in Bayern 2018, Viereckschanze mit „Außenposten“: Magnetometerprospektion im Wald bei Walpertskirchen, Hrsg. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Gesellschaft für Archäologie in Bayern, 200 Seiten, 300 Abbildungen, 2019.
  • Archäologischer Verein im Landkreis Freising 2018, Archäologie im Landkreis Freising, Heft 13/2018.
  • Neuentdeckung einer Viereckschanze bei Langenbach in der „Königlichen Au“ im Ampertal, von Harald Krause, 2018.
  • AiD, Archäologie in Deutschland, Oppidum. Website: www.aid-magazin.de

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Zuletzt aktualisiert am 12. Juli 2020 um 16:46 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

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Monika Hoffmann

Monika Hoffmann

schreibt seit 2014 auf ihrem Blog Reise-Zikaden Foto-, Natur- und historische Reportagen aus Griechenland, Italien, Österreich, Deutschland mit Schwerpunkt München und Bayern. Ihre Passion auf Reisen ist Geschichte und der Besuch archäologischer Plätze. Spezialgebiete: Ur- und Frühgeschichte & Antike Hochkulturen. Die Fotografin, Redakteurin, Köchin, Naturfreundin liebt Griechenland, Italien und ihre Heimat Oberbayern: Über die Geschichte bis zu Musik, Literatur, Filmkunst.

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