Latium: Gravisca – Der etruskische Hafen von Tarquinia


Latium: Gravisca - Der etruskische Hafen von Tarquinia - gravisca_etruria_italy_lidoditarquinia - Die Fundamente des antiken Hafendocks von Gravisca stammen von den Etruskern. Seit dem 6. Jhd. v. Chr. existierte hier eine florierende Hafenstadt. Später übernahm Rom den Ankerplatz. Papst Clemens XIII. ließ die Anlagen im 18. Jhd. renovieren, seitdem wird der Hafen Porto Clementino genannt.

Die Fundamente des Hafendocks von Gravisca stammen vermutlich noch von den Etruskern. Seit dem 6. Jhd. v. Chr. existierte hier auch eine Hafenstadt. Später übernahm Rom den Ankerplatz. Papst Clemens XIII. ließ den Hafen im 18. Jhd. renovieren, seitdem wird er Porto Clementino genannt.

Gravisca ist der antike Hafen der etruskischen Stadt Tarchna, dem heutigen Tarquinia, in der italienischen Region Latium. Die Ruinen dieser Hafen- und Stadtstrukturen an der tyrrhenischen Küste, mit dem mächtigen alten Pier, liegen etwa acht Kilometer vom Zentrum Tarquinias entfernt.

Der etruskische Name der Hafenstadt ist unbekannt, nur die lateinische Bezeichnung der späteren römischen Siedlung Graviscae ist überliefert. Das Areal befindet sich südlich von Lido di Tarquinia und ist unter der Bezeichnung Gravisca oder Porto Clementino bekannt. Ende der 1960er-Jahre entdeckten Archäologen die Ruinen der byzantinischen, römischen, griechischen und etruskischen Stadt.

Latium: Gravisca - Der etruskische Hafen von Tarquinia - porto clementino 01-1 - Am Hafenpier von Porto Clementino ist deutlich die bunte Mischung seiner Baumeister über die Zeiten erkennbar.

Der Hafenpier von Porto Clementino erzählt mit einer bunten Mischung verschiedenster Materialien und Baustile seine lange Geschichte.

Da die Ausgrabungen in Gravisca andauern, ist das Gebiet noch nicht öffentlich zugänglich. Wer genügend Zeit und ein bisschen Glück hat, sollte sich im Archäologischen Museum von Tarquinia dazu erkundigen. Dort findet sich meist eine Möglichkeit für eine Besichtigung. Die Archäologen freuen sich über interessierte Besucher. Teilweise wurden inzwischen Schutzdächer im Areal angebracht.

Die etruskische Stadt Tarchna (später Tarquinia) besaß vier Häfen! Wer Lust auf einen weiteren hat, sollte sich auf eine idyllische Strandwanderung zum antiken Hafen Martanum am Pian delle Spille machen.

Einen Ausflug in das Naturschutzgebiet „Saline di Tarquinia“ bei den Meerwasser-Salinen, nahe Porto Clementino, möchten wir euch noch ans Herz legen. Die flachen Wasserbecken sind Lebensraum für Zug- und Wasservögel und für passionierte Fotografen und Naturfreunde ein Erlebnis.


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Der Hafen der etruskischen Stadt Tarchna

Latium: Gravisca - Der etruskische Hafen von Tarquinia - Gravisca_wikipedia_Robin Iversen Rönnlund-1 - Im Ausgrabungsareal der Hafenstadt Gravisca, bei Lido di Tarquinia, wird weitergegraben. Im Herbst 2017 fand die 23. Ausgrabungskampagne der Universität von Perugia statt. Foto: Wikipedia, Robin Iversen Rönnlund

Im Ausgrabungsareal der Hafenstadt Gravisca wird weitergegraben. Im Herbst 2017 fand die 23. Ausgrabungskampagne der Universität von Perugia statt. Foto: Wikipedia, Robin Iversen Rönnlund

Die Hafenanlagen der mächtigen Stadt Tarchna, waren in etruskischer Zeit deutlich größer, als es die römisch-byzantinischen Reste vermuten lassen. Die bebaute Fläche des Stadtgebiets war nicht nur größer, sondern auch reicher ausgestattet als die spätere römische Kolonie. Außerdem war sie mit einem anders verlaufenden Straßennetz ausgestattet. Der etruskische Name des Hafens ist unbekannt.

Archäologen konnten die Ruinen der ins frühe 6. Jahrhundert v. Chr. zurückreichenden Hafenstadt der Etrusker freilegen. In dieser Zeit befand sich im Hafenareal auch ein griechisches Emporion (ἐμπόριον). Dies ist eine Handelsniederlassung die man sich als Freihafen mit Warenbörse vorstellen kann. Zusätzlich verfügte ein Emporion über eigene Zoll-, Geld- und Handelsrechte.

italy, tarquinia, gravisca, aerial view - Die Luftaufnahme zeigt einen Teil des Areals der Hafenstadt Gravisca mit den Ruinen des etruskischen Heiligtums. Links ist die Saline di Tarquinia sichtbar. Foto: www.viadeiprincipi.it

Die Luftaufnahme zeigt einen Teil des Areals der Hafenstadt Gravisca mit den Ruinen des etruskischen Heiligtums. Links ist die Saline di Tarquinia sichtbar. Foto: www.viadeiprincipi.it

In der Hafenstadt befand sich ein etruskisches Heiligtum, das im 6. und frühen 5. Jahrhundert erbaut worden war. Etrusker und Griechen nutzten die sakralen Gebäude für ihre Götter und Kulte offenbar gemeinsam.

Der Tempel war der griechischen Göttin Hera und der etruskischen Göttin Turan (Aphrodite) geweiht. Gleichzeitig wurden dort auch die etruskische Göttin Vei (Demeter) und der griechische Gott Apollon verehrt.

navicella nuragica da gravisca

Das Bronzeschiff der Nuragenkultur stammt aus Sardinien und wurde in Gravisca gefunden. Foto: www.accademiadellescienze.it

Viele Votivgaben hatten Ionier aus Kleinasien im Tempel ihren Göttern dargebracht. Die griechischen Händler, Künstler und Handwerker stammten aus den antiken Großstädten Ephesos, Milet und von der Insel Samos.

Ein weiteres wertvolles Fundstück ist ein Schiff aus Bronze, das im Stil der Nuragen-Kultur Sardiniens ausgeführt ist. Ein Brand zerstörte im Jahr 280 v. Chr. den mehrfach renovierten etruskischen Tempel.

Während der Ausgrabungen fanden sich zahlreiche griechische Inschriften, sowie Alltagsgegenstände, wie Keramik und Lampen aus Hellas. Die Funde lassen auf die Anwesenheit zahlreicher Menschen aus Griechenland schließen. Gravisca wurde von griechischen Seefahrern auch als Zwischenstation auf dem Weg ins westliche Mittelmeer genutzt.

tomba della Nave - Etruskischer Segelfrachter aus der Tomba della Nave in der Monterozzi-Nekropole von Tarquinia.

Etruskischer Segelfrachter aus der Tomba della Nave, Monterozzi-Nekropole, Tarquinia, 5. Jhd. v. Chr. Foto: www.ub.uni-heidelberg.de

Die etruskische Hauptstadt Tarchna (später Tarquinia) war, wie viele weitere Städte in Etrurien, im 4. Jahrhundert v. Chr. dem politischen und militärischen Eroberungswillen der Römer ausgesetzt. 358 v. Chr. erklärte Tarchna Rom den Krieg und hatte Erfolg. Doch wegen innerpolitischer Uneinigkeiten musste es mit den Römern einen Waffenstillstand aushandeln.

Dieser Waffenstillstand wurde 311 v. Chr. gebrochen, 308 v. Chr. wurde ein neuer beschlossen. Rom befristete diesen Vertrag, u.a. um den Preis der Abtretung der Küstengebiete Etruriens. Nach Ablauf der Frist folgte für Tarchna die Bundesgenossenschaft mit Rom. Mit Ausnahme militärischer Entscheidungen durfte Tarchna souverän bleiben. Doch die etruskische Stadt verlor rasch an Bedeutung, da sie durch den Verlust der Küstenregion den Zugang zum Meer und seiner Häfen verloren hatte.

gravisca_rekonstruktion_hafen - Das Modell zeigt Gravisca zeigt wie die etruskische Hafenstadt ausgesehen haben könnte. Das Video ist im Kapitel "Videoanimation über die Hafenstadt Gravisca" zu sehen. Foto: Soprintendenza Archeologica dell’Etruria Meridionale

Das Modell zeigt wie die etruskische Hafenstadt ausgesehen haben könnte. Das Video dazu ist im Kapitel „Videoanimation über die Hafenstadt Gravisca“ zu sehen. Foto: MiBACT

Ausgrabungen von Gravisca: Adresse, Öffnungszeiten, Eintritt

  • Adresse: Scavi archeologici di Gravisca, Porto Clementino, Strada Provinciale 44, Lido di Tarquinia.
  • Öffnungszeiten: Wegen laufender Ausgrabungen ist Gravisca nicht für die Öffentlichkeit freigegeben. Infos im Archäologischen Museum von Tarquinia, oder direkt vor Ort.
  • Eintritt: frei.

GPS-Koordinaten, Gravisca: 42.213912, 11.708083


Tarquinia, Santa Maria di Castello

Lest dazu unsere große Reisereportage Latium: Tarquinia – Etrusker-Hauptstadt mit freskierten Gräbern. Wer nach Tarquinia reist bekommt Einblicke in die Welt der Etrusker. Nirgendwo befinden sich so viele bedeutende etruskische Kunstwerke noch am Entstehungsort wie hier. Wir haben vier Highlights von Tarquinia besucht und spannende Datails aus der über dreitausendjährigen Stadtgeschichte entdeckt.


Ausgrabungs-Historie von Gravisca

Scavo archeologico di Gravisca ol - Impression aus dem Grabungsareal der Hafenstadt Gravisca bei Tarquinia im Latium. Foto: Scavo archeologico di Gravisca

Impression aus dem Grabungsareal der Hafenstadt Gravisca bei Tarquinia im Latium. Seit 1969 finden regelmäßig Kampagnen statt. Foto: Scavo archeologico di Gravisca

Der italienische Archäologe Mario Torelli (*1937) hat an den Universitäten von Cagliari und Perugia unterrichtet. 1969 war er gemeinsam mit der Soprintendenza Archeologica dell’Etruria Meridionale maßgeblich an den Ausgrabungen des Heiligtums von Gravisca beteiligt. Mario Torelli leitete außerdem Ausgrabungen in Veij, Paestum und Eraclea.

Seit 2006 ist der Archäologe Lucio Fiorini von der Università degli Studi di Perugia (www.unipg.it) wissenschaftlicher Leiter der Grabungen in Gravisca. Während der Kampagne 2016, gemeinsam mit dem Archäologen Andrea di Miceli, sowie über dreißig Studenten der Uni Perugia wurde weiter überwiegend das Tempel-Areal erforscht.

Im Herbst 2017 fand die 23. Ausgrabungskampagne in Gravisca statt. Die Arbeiten wurden in Zusammenarbeit mit der Soprintendenza Archeologica dell’Etruria Meridionale durchgeführt. Die Fundstücke aus Gravisca sind im Archäologischen Museum von Tarquinia zu sehen.

Die Kampagne 2018 wird im September wieder unter Leitung von der Universität Perugia stattfinden und ist für interessierte Archäologie-Studenten bereits ausgeschrieben.

Infos auf der Facebook-Seite: Scavo archeologico di Gravisca @graviscae

Françoisvase_Kleitias_Sailko-1 - Der Ausschnitt aus der berühmten Françoisvase (um 560 v. Chr.), die in einem Grab in Chiusi gefunden wurde, zeigt ein etruskisches Schiff. Das Fundstück ist heute im Museo Archaeologico in Florenz. Foto: Wikipedia, Sailko

Die Françoisvase (um 560 v. Chr.) wurde in einem Grab in Chiusi gefunden und zeigt ein etruskisches Schiff. Das Fundstück ist heute im Archäologischen Museum von Florenz. Foto: Wikipedia, Sailko

Wird Gravisca UNESCO-Weltkulturerbe?

Acht Gemeinden in den Regionen Toskana und Latium beschlossen Ende 2017 gemeinsam für ihre etruskischen Ausgrabungen das UNESCO-Weltkulturerbe zu beantragen. Dies sind Perugia, Orvieto, Veji, Gravisca, Populonia, Volterra, Marzabotto und Arezzo. Anfang 2019 soll dies eingereicht werden.


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Sostratos von Ägina: Griechischer Händler in Gravisca

Anchor_Gravisca_wiki_Robin Iversen Rönnlund-1 - Der Marmoranker des Sostratos von Ägina aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Foto: Wikipedia, Robin Iversen Rönnlund

Der Marmoranker des Sostratos von Ägina aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Foto: Wikipedia, Robin Iversen Rönnlund

Sensationelles Fundstück aus Gravisca ist ein antiker Anker aus Marmor, der auf das späte 6. Jahrhundert v. Chr. datiert. Er wurde außerhalb des etruskischen Tempels entdeckt. Der Anker gehörte offenbar dem wohlhabendem griechischen Händler Sostratos (Σώστρατος). Dieser stammte von der Insel Ägina im Saronischen Golf, bei Athen in der Region Attika.

Der Anker des Sostratos befindet sich heute im Archäologischen Museum von Traquinia. Der über einen Meter hohe Marmoranker wurde von Sostratos (der Name seines Vaters fehlt) dem Gott Apollon von Ägina geweiht. Die Inschrift auf dem Anker wurde in ägninetischer Schrift angebracht und lautet übersetzt:

„Ich gehöre dem aiginetischen Apollon.
Sostratos hat mich gemacht, der Sohn des …“

Der griechische Historiker Herodot (490 – 420 v. Chr.) berichtet von Sostratos in seinem Werk Historien (IV 152), als von extrem profitablen Handelsfahrten die Rede war. In diesem Zusammenhang beschreibt er die ertragreichen Fahrten, die von griechischen Händlern aus Samos unternommen worden waren:

Als das Schiff wieder nach Hause nach Samos kam, brachte es einen so reichen Erlös seiner Waren mit wie noch nie zuvor. Ausgenommen natürlich die Erlöse des Sostratos, dem Sohn des Laodamas aus Ägina. Mit ihm kann kein anderer den Vergleich aufnehmen.“

sostratos_so_keramik_ Antike Halsamphore mit der Keramikmarke SO (Sigma und Omikron) aus Gravisca. Foto: homepage.univie.ac.at

Amphore mit den Buchstaben SO aus Gravisca. Foto: homepage.univie.ac.at

Die Keramikmarke SO (ΣΟ), die auf dem Fuß von über hundert Keramikstücken mit schwarzfiguriger Vasenmalerei aus Attika entdeckt wurde, weist auf Sostratos hin. Alle derartig markierten Exemplare wurden in Etrurien gefunden und datieren in die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr.

Auf dem Boden einer Amphore (Foto rechts), die in Gravicsa entdeckt wurde, ist die Händlermarke SO, bestehend aus Sigma und Omikron, aufgebracht. Sie wird Sostratos von Aigina zugeordnet, der einen regen Produkthandel zwischen Attika und Etrurien unterhielt. Die übereinstimmenden Datierungen machen es sehr wahrscheinlich, dass es sich hier um eines der von Sostratos verkauften Stücke handelt.


Videoanimation über die Hafenstadt Gravisca

Das informative animierte Video aus dem Jahr 2014 (italienisch, 8.59 Minuten) von der Soprintendenza Archeologica dell’Etruria Meridionale zeigt die Hafenstadt Gravisca. Die Bilder sprechen für sich … Das Video wurde zur Sonderausstellung 2014 Il mare che univa: Gravisca santuario mediterraneo“ in Civitavecchia produziert. Dazu gibt es auch einen Bildband, Infos dazu unter Buchtipps.


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Die römische Hafenstadt Graviscae

Latium: Gravisca - Der etruskische Hafen von Tarquinia - porto clementino 02-1 Das erhaltene Hafendock von Porto Clementino geht auf etruskisch-römische Fundamente zurück. Die Hafenanlagen waren in etruskischer Zeit deutlich größer, als es die Reste heute vermuten lassen.

Das Hafendock von Porto Clementino geht nachweislich auf römische Fundamente zurück. Die Hafenanlagen waren in der Antike deutlich größer, als es die Reste heute vermuten lassen.

Die etruskische Hafenstadt kam, zusammen mit Tarchna (später Tarquinia), im Jahr 281 v. Chr. unter römische Herrschaft. Die etruskische Hafenstadt mit seinem Heiligtum wurde von den Römern zerstört. Nachdem Tarchna den Zugang zu seinen Häfen verloren hatte, war sein Niedergang besiegelt.

2013 entdeckten Archäologen im etruskischen Heiligtum zwei weibliche Bronzefiguren aus dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. die dies belegen. Die Statuetten wurden kurz vor der Ankunft der römischen Legionen vergraben, um sie vor der bevorstehenden Invasion zu retten.

gravisca_roemische statue mit adler - Diese Statue datiert in die römische Kaiserzeit und zeigt einen Imperator in seiner Toga, begleitet von einem Adler. Das Fundstück befindet sich im Museum von Tarquinia.

Die Statue datiert in die römische Kaiserzeit und zeigt einen Imperator begleitet von einem Adler. Das Fundstück befindet sich im Museum von Tarquinia.

Während des Triumvirats (Kollegium aus drei Magistraten) von Gaius Calpurnius Piso, Publius Claudius Pulcher und Gaius Terentius Istra wurde 181 v. Chr. eine Coloniae maritimae mit dem Namen Graviscae gegründet. Das mächtige Tarchna wurde bedeutungslos, da es seine Häfen verloren hatte.

Eine römische Coloniae maritimae war eine geplant angelegte Siedlung und wurde in eroberten Gebieten am Meer errichtet. Zunächst als militärischer Vorposten um das neu gewonnene Land und die dortige Bevölkerung zu kontrollieren. Später wurden römische Kolonisten angesiedelt und ihnen Land zugeteilt. Graviscae florierte, der römische Gelehrte Plinius der Ältere (23 – 79) erwähnte, dass dort mit Korallen und Wein gehandelt wurde.

Die archäologischen Ausgrabungen haben große Teile dieser römischen Siedlung freigelegt. Die Hafenstadt bedeckte eine Fläche von sechs Hektar und war in planmäßig angelegten Insula (Häuserblöcken) angelegt. Davon haben die Archäologen inzwischen mehrere erforscht. Die dazugehörige Nekropole liegt landeinwärts, zwischen Graviscae und der Via Aurelia.

Eine Unterwasser-Survey im Jahr 1977 bestätigte, dass der antike Hafen Graviscae, mit der heutigen Lage von Porto Clementino identisch ist. Teile des Docks ähneln römischen Häfen, wie z. B. Cosa und Pyrgi. Auch der etruskische Hafen von Populonia ist ähnlich. Dennoch datieren die Forscher das gewaltige Steinpier, sowie die dort entdeckte Keramik, nicht vor das 1. Jahrhundert v. Chr. Eine erneute Unterwasser-Kampagne würde sicherlich spannende Ergebnisse erbringen.


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Gravisca in der Spätantike: Überfall der Goten

porto clemetino_sunset-1 - Die glanzvollen Zeiten der Hafenstadt Gravisca enden mit den Überfällen der Westgoten unter ihrem König Alarich I. zu Beginn des 5. Jahrhunderts.

Die glanzvollen Zeiten der alten Hafenstadt Gravisca enden mit den Überfällen der Westgoten, unter ihrem König Alarich I., zu Beginn des 5. Jahrhunderts. Ein ausgedehntes Feuer zerstörte die Siedlung.

Bei den Ausgrabungsarbeiten wurden eindeutige Beweise für ein ausgedehntes Feuer in der Stadt Graviscae nachgewiesen. Dies ist auf den Einfall der Westgoten, unter Alarich I. (370 – 410), in den Jahren 408 bis 410 zurück zuführen. Ein wertvoller Bronzealtar, der den ägyptischen Göttern Isis und Serapis geweiht war, wurde kurz vor der Ankunft der germanischen Goten vergraben.

Aus diesem Zeitraum wurde eine luxuriöse römische Villa freigelegt. Sie datiert auf das 3. bis 5. Jahrhundert. Das Gebäude war mit einer gepflasterten Apsidenhalle, einem Nymphäum (Quellheiligtum) und einer Therme ausgestattet. Auch eine Nekropole aus dieser Zeit wurde entdeckt.

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Solidus-Goldmünze mit dem Portrait von Valentinian I. (312- 375) . Foto: Wikipedia, Siren-Com

Ein Beleg für die Angst der Bewohner ist ein Hort mit fast zweihundert römischen Solidi. Der römisch-byzantinische Solidus war eine Goldmünze mit 20 mm Durchmesser. Der Solidus wurde von Konstantin dem Großen erstmals 309 geprägt und war bis Anfang des 12. Jahrhunderts Leitwährung in Europa und im Mittelmeerraum. Solidus-Münzen waren über tausend Jahre im Umlauf.

Aufgrund seiner Lage in der sumpfigen Küstenregion war Graviscae in der Spätantike unbedeutend. Die Siedlung kam in Größe und Reichtum nicht mehr an die antike Stadt heran. Graviscae war mit nur einer Straße an die Via Aurelia angebunden. Das Straßennetz im Ort verlief weiterhin regelmäßig.

Der römische Autor Rutilius Claudius Namatianus berichtet, dass im Jahr 416 die Siedlung am Meer in Teilen verfallen und verlassen war. Die Menschen lebten hier von Fischfang und Landwirtschaft. Dennoch ist für das Jahr 504 in Gravisca ein Bischofssitz überliefert. Auch die Hafenanlagen wurden weiter genutzt.


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Gravisca: Vom Mittelalter bis in die Neuzeit

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Die Miniatur zeigt einen König, Soldaten und Schiffe in einem Hafen, der Gravisca sein könnte. Die Flotte befindet sich auf dem Weg zum Dritten Kreuzzug (1189 – 1192) nach Palästina. Foto: Wikipedia

Den Hafen Gravisca haben in der Vergangenheit berühmte Persönlichkeiten genutzt. Darunter der König von England, Richard I. Löwenherz (1157 – 1199). Richard I. hielt sich 1190, zu Beginn des Dritten Kreuzzugs, mit seiner Flotte auf dem Weg nach Palästina in Gravisca auf. Kaiser Friedrich II. (1194 – 1250) pausierte hier im Jahr 1235, während er mit seiner Flotte aus Palästina zurückkehrte.

Im Jahr 1449 wurden die Hafenanlagen unter Papst Nikolaus V. (1397 – 1455) komplett renoviert. Dabei wurden die Docks erhöht und mit Befestigungen ausgestattet. Papst Pius II. (1405 – 1464) ließ die Anlagen weiter vergrößern. Schwerpunkt war die Verschiffung von Weizen, der im Hinterland angebaut wurde, und überwiegend Rom mit Getreide versorgte.

porto clementino tarquinia - Porto Clementino wurde mehrfach umgebaut. Auch im 18. Jahrhundert unter Papst Papst Clemens XIII. Bis zum Zweiten Weltkrieg stand am Pier ein großes Verwaltungs- und Lagergebäude.

Porto Clementino wurde mehrfach umgebaut. Auch im 18. Jahrhundert unter Papst Papst Clemens XIII. Bis zum Zweiten Weltkrieg stand am Pier ein großes Verwaltungs- und Lagergebäude. Modell-Foto: Giovanna Mencarelli

Bereits während des Krieges zwischen Papst Sixtus IV. (1414 – 1484) und Ferdinand I. von Aragon (1424 – 1494) zerstörte 1481 die neapolitanische Flotte den Hafen. Die Docks  wurden umgehend wieder aufgebaut.

Anschließend versandete der Hafen und es zeichnete sich ein deutlicher Rückgang des Warenumschlags ab. Nachdem Civitaveccia seinen Hafen erneuert hatte, trat Gravisca in den Hintergrund.

Erst im 18. Jahrhundert wurden die alten Anlagen erneut renoviert. Seitdem wird der Hafen Porto Clementino genannt, nach seinem Namens- und Auftraggeber Papst Clemens XIII. (1693 – 1769). Etwas später, unter Papst Benedikt XIV. (1675 – 1758), wurden weitere Bauarbeiten beauftragt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Porto Clementino schwer beschädigt. Danach wurde die erhalten gebliebene Anlegestelle renoviert. Das alte Dock kann heute begangen werden und ist ein beliebter Treff- und Aussichtspunkt in Lido di Tarquinia. Allerdings sollten baldigst weitere Restaurierungsmaßnahmen getroffen werden um die Hafenanlage zu erhalten.


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Strandwanderung zum etruskischen Hafen Martanum

Martanum-taruqinia_port - Die Ruinen des etruskischen Hafens Martanum sind fast im Meer verschwunden. Dennoch sind sie ein eindrucksvolles Ziel für eine entspannte Wanderung am Strand Pian delle Spille. Foto: Wikipedia, MM

Die Ruinen des etruskischen Hafens Martanum sind fast im Meer verschwunden. Dennoch sind sie ein eindrucksvolles Ziel für eine entspannte Wanderung am Strand Pian delle Spille. Foto: Wikipedia, MM

Die etruskische Stadt Tarchna, das spätere Tarquinia, betrieb insgesamt vier Häfen an der tyrrhenischen Küste. Nördlich von Lido di Tarquinia und der Mündung des Flusses Marta, wurde der zweite Hafen von Tarchna lokalisiert. Dieser wurde in römischen Quellen Martanum genannt. Dorthin bietet sich eine entspannte Strandwanderung, entlang der naturbelassenen Landschaft Pian delle Spille, an.

Martanum_google_maps - Die Reste von Mauern und Hafendocks von Martanum am Strand Pian delle Spille bei Marina Velca. Foto: Google Maps

Die Reste von Mauern und Hafendocks von Martanum am Strand Pian delle Spille bei Marina Velca. Foto: Google Maps

Die Ruinen von Martanum liegen zwischen der modernen Siedlung Marina Velca und dem langen Strand. Das Gebiet ist mit dem Wagen über Stichstraßen erreichbar, dann geht es zu Fuß weiter. Der Hafen Martanum lag der Hauptstadt Tarchna, auf dem Hügel Pian de Civita, am nächsten und wurde bis in die Römerzeit weiter genutzt.

Die genaue Lage von Mortanum überliefert das römische Verzeichnis Itinerarium Antonini Augusti maritimum“, das sämtliche Straßen, Siedlungen und Schifffahrtsrouten erfasste. Das Verzeichnis wurde unter Kaiser Caracalla (188 – 217) eingeführt. In den 1960er-Jahren wurden Reste von Docks, Fundamenten und Fischbecken identifiziert. Die beiden weiteren etruskischen Häfen Algae und Rapinum konnten bisher noch nicht lokalisiert werden.

GPS-Koordinaten, Martanum: 42.249338, 11.678381


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Lest dazu auch unsere Strand-TippsLatium: Die 5 schönsten Strände bei Tarquinia. Die Strände und Küstenlandschaften bei Tarquinia am Tyrrhenischen Meer bieten für jeden etwas. Strandbäder und Sandstrände für Familien oder versteckte Meeresbuchten für Naturliebhaber. Der Duft des Meeres und der schattigen Pinienwälder bei den idyllischen Stränden blieb uns lange unvergessen.


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Saline di Tarquinia: Flamingos im Naturschutzgebiet

Saline di Tarquinia 01 - Entlang eines Rundwegs mit Infotafeln können die flachen Wasserbecken der "Saline di Tarquinia" begangen werden. Sie sind wichtiger Lebensraum für Zug- und Wasservögel und heute ein Naturschutzgebiet.

Entlang eines Rundwegs mit Infotafeln können die Wasserbecken der „Saline di Tarquinia“ begangen werden. Sie sind Lebensraum für Zug- und Wasservögel und heute ein Naturschutzgebiet.

Knapp zwei Kilometer südlich von Porto Clementino finden Naturfreunde das Naturschutzgebiet „Saline di Tarquinia“. Das Gebiet bedeckt insgesamt eine Fläche von 170 Hektar, es sind jedoch nicht alle Bereiche zugänglich. Das ganze Jahr über können, entlang eines Rundwegs mit Infotafeln, seltene Wasservögel beobachtet werden. Die besten Jahreszeiten sind Frühling, Herbst und Winter.

Phoenicopterus_roseus - Auch der Rosa Flamingo (Phoenicopterus roseus) kann im Schutzgebiet der Saline di Tarquinia beobachtet werden. Foto: Wikipedia, Martin Mecnarowski

Rosaflamingos (Phoenicopterus roseus) im Naturschutzgebiet „Saline di Tarquinia“. Foto: Wikipedia, Martin Mecnarowski

Im Schutzgebiet leben z. B. Flamingos, Seiden- und Silberreiher, Graureiher, Seeschwalben, Austernfischer, Kiebitze, Stelzenläufer, Mittelmeer-Möwen, Fischadler, Stockenten, Kormorane, Höckerschwäne, Wachteln und Fasane. Wer Glück hat kann auch einen Fuchs oder ein Stachelschwein sehen. Außerdem fühlen sich hier Landschildkröten, Nutrias, Igel und Eichhörnchen wohl.

Die Salzgewinnung in Salinen geht in Tarquinia bis auf die Etrusker, vermutlich sogar bis zur eisenzeitlichen Villanova-Kultur, zurück. Im Mittelalter wurden die Salinen aufgegeben. Unter Papst Pius VI. (1717 – 1799) wurden sie neu angelegt und wieder in Betrieb genommen, da die Meerwasser-Salinen in Ostia durch ständige Überschwemmungen unbrauchbar waren.

Seit den 1980er-Jahren ist die Bedeutung der flachen Wasserbecken als Lebensraum für seltene Zug- und Wasservögel, sowie für weitere gefährdete Tierarten bekannt. Daher wurde ein Naturschutzgebiet eingerichtet. Seit 1997 werden die Salinen nicht mehr zur Salzgewinnung genutzt. Dies fanden wir ein wenig schade, denn Meersalz und hochwertiges Fleur de Sel, sind gefragte Produkte.


Tarquinia: Meerwasser-Salinen existieren seit der Villanova-Kultur

Saline di Tarquinia 02_ - Im nördlichen Bereich der Meerwasser-Salinen bei Tarquinia haben die Archäologen Reste einer Hafensiedlung der Villanova-Kultur nachgewiesen.

Im nördlichen Bereich der Meerwasser-Salinen bei Tarquinia, beim antiken Hafen Gravisca, haben die Archäologen Reste einer Hafensiedlung der Villanova-Kultur nachgewiesen.

Archäologische Forschungen im Süden der etruskischen Hafenstadt Gravisca haben eine Siedlung mit Hafenresten der Villanova-Kultur freigelegt. Diese datiert auf das 9. bis 8. Jahrhundert v. Chr., lange bevor die Etrusker hier einen Hafen erbauten. Offenbar wurde in dieser Epoche bereits Salz in Meerwasser-Salinen gewonnen und im Seehandel verkauft. Sicherlich führten auch die Etrusker dies fort.

Saline di Tarquinia: Adresse, Info-Zentrum, Parkplatz

  • Adresse und Infozentrum: Riserva Naturale Statale „Saline di Tarquinia“, Via delle Saline, Tarquinia.
  • Eintritt: frei.
  • Öffnungszeiten: 8 bis 14 Uhr, Sonntag geschlossen.
  • Website (italienisch) www.carabinieri.it/saline-di-tarquinia

GPS-Koordinaten, Saline di Tarquinia: 42.202556, 11.722728


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Buchtipps

  • Philipp von Zabern Verlag, Tarquinia: Stadt und Umland von den Etruskern bis in die Neuzeit, von Stephan Steingräber, Bildband, 144 Seiten mit 172 Abbildungen, 1. Auflage, 2012.
  • Gangemi Editore, Il mare che univa. Gravisca santuario mediterraneo, Catalogo della mostra Civitavecchia 20. 6. – 20 .7. 2014, von Lucio Fiorini und Luca Mercuri, ISBN 8849228899, 2014.


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Websites

  • Website der Gemeinde Tarquinia zu allen etruskischen Grabhügeln bei Tarquinia, mit vielen Infos und Fotos zu den Grabungen. (italienisch, teilweise englisch): www.viadeiprincipi.it
  • Website der Archäologischen Forschungsleitung für Süd-Etrurien. Ministerio Beni Archeologici dell’Etruria Meridionale (englisch, italienisch): www.etruriameridionale.beniculturali.it

Latium: Gravisca – Der etruskische Hafen von Tarquinia

Reiseberichte aus Griechenland, Italien, Österreich, Deutschland
Latium: Gravisca - Der etruskische Hafen von Tarquinia
Thema:
Latium: Gravisca - Der etruskische Hafen von Tarquinia
Beschreibung:
Geheimtipp im Latium: Gravisca - Der etruskische Hafen von Tarquinia. Das Ausgrabungsareal befindet sich bei Lido di Tarquinia und ist auch als Porto Clementino bekannt.
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Monika Hoffmann

schreibt seit 2014 auf ihrem Blog Reise-Zikaden. Ihre Passion auf Reisen ist Geschichte und der Besuch historischer Plätze. Monikas Spezialgebiet sind antike Hochkulturen in Griechenland, Italien, Österreich, Deutschland. Sie produziert Foto- und Natur-Reportagen ihrer Heimat: München & Oberbayern. Die Fotografin, Redakteurin, Köchin, Naturfreundin liebt Griechenland & Italien: Von der Antike bis zu Musik, Literatur, Filmkunst.

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